Olympia Tokio

Es ist ein Flug ins Ungewisse. Wie die Olympischen Sommerspiele in Tokio unter Pandemie-Bedingungen stattfinden werden, weiß niemand. Die Vorfreude bei den hessischen Sportlerinnen und Sportlern ist trotzdem groß. Obwohl die Fans ausgesperrt sind.

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Wael (li.) hat den krieg in Syrien überlebt, jetzt ist er im Refugee Team bei Olympia
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Bei dieser Eilmeldung schauten die 35 hessischen Olympia-Sportlerinnen und -Sportler am Donnerstagnachmittag ganz genau hin: "Japan schließt Zuschauer bei Olympia in Tokio aus" berichtete die Nachrichten-Agentur dpa. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Sommerspielen eine frustrierende Meldung, wenn sie auch nicht überraschend kam. Denn in der japanischen Olympia-Stadt steigen wieder die Corona-Infektionszahlen. Ausländische Fans waren bereits im März ausgeschlossen worden.

Trotzdem ist die Vorfreude auf die Spiele ab dem 23. Juli ungebrochen. Im Rahmen einer Feierstunde in der Dienstvilla von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wurden die hessischen Olympia- und Paralympics-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer - kurz nach der Meldung über den Zuschauer-Ausschluss - am Donnerstagabend nach Tokio verabschiedet.

Unter den Athletinnen und Athleten befanden sich unter anderem Carolin Schäfer (Leichtathletik), Marco Koch (Schwimmen) sowie Dorothee Schneider (Dressur-Reiten). Für das Olympic Refugees Team startet darüber hinaus der Syrer Wael Shueb in der Sportart Karate.

 Bouffier würdigt Durchhaltevermögen

Ministerpräsident Bouffier sprach in der Feierstunde die besonderen Umstände der Olympischen Spiele an: "Gerade in den zurückliegenden Pandemie-Monaten mit seinen Unabwägbarkeiten wurde unseren Athleten, Trainern und Betreuern viel abverlangt. Ihr Durchhaltevermögen in den letzten Monaten ist alleine schon eine herausragende Leistung, auf die Sie alle sehr stolz sein dürfen." Bouffier wünschte allen Anwesenden "aus tiefstem Herzen viel Erfolg für die bevorstehenden Wettkämpfe in Tokio".

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bouffier: "Schon jetzt eine herausragende Leistung"

Volker Bouffier trägt eine FFP2-Maske mit der Aufschrift Hessen.
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Voraussichtlich 35 hessischen Athletinnen und Athleten aus zwölf Sportarten und von 20 hessischen Vereinen werden bei den Olympischen (23. Juli bis 8. August 2021) und Paralympischen Spielen (24. August bis 5. September 2021) in Tokio mit heutigem Stand teilnehmen. Da erst am 19. Juli die Nominierungen für die Paralympics vorgenommen werden, kann sich die Zahl noch leicht verändern.

"In den zurückliegenden Monaten waren die Rahmenbedingungen auch für unsere Athletinnen und Athleten belastend, selbst wenn ihnen das Training größtenteils ohne Einschränkungen weiterhin möglich war. Ich freue mich nunmehr auf die Olympischen Spiele und drücke allen Athletinnen und Athleten aus Hessen fest beide Daumen", hieß es vom Präsidenten des Landessportbundes Hessen, Rolf Müller.

Große Einschränkungen in Tokio

Dass die Olympischen Spiele nun doch ohne Fans stattfinden, ist nicht die einzige pandemiebedingte Einschränkung. Sportlerinnen und Sportler sowie Journalistinnen und Journalisten werden in Tokio in einer Blase leben. Hotel, Shuttle-Bus und Stadion, mehr werden sie nicht zu Gesicht bekommen. Die Zahl der Beschränkungen ist immens.

Mehrere PCR-Tests kurz vor und nach dem Elf-Stunden-Flug nach Tokio, ein Berg von Dokumenten und Corona-Regelbüchern, Kontroll-Apps und penibelste Hygiene-Vorgaben warten auf jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin. "Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass sie mit uns umgehen, als wären wir schon Infizierte", beschrieb der Schlagmann des Ruder-Achters, Hannes Ocik, seine ersten Eindrücke aus dem olympischen Trainingsquartier in Kinosaki.

Der deutsche Chef der Mission Dirk Schimmelpfennig hat Verständnis für die teils detailversessene Regelwut der Olympia-Macher und die Sorgen vieler Japaner vor einem Superspreader-Ereignis. "Ich glaube, dass das Konzept so aussieht, dass man die Athleten und die japanische Bevölkerung schützen kann", sagte Schimmelpfennig. Die Sportlerinnen und Sportler müssen sich indes von ihrem großen Traum von Olympia durch die besonderen Spiele von Tokio tragen lassen.