Absperrung beim Ironman Frankfurt

Die durch die Corona-Krise verursachte Verschiebung des Ironman Frankfurt stellt vor allem die vielen ambitionierten Amateursportler vor Herausforderungen. Manch einer von ihnen blickt nun etwas neidisch nach Roth – und mit sorgenvoller Miene nach Berlin.

Meik Lauer ist hin- und hergerissen. "Ich finde es gut, dass es jetzt endlich mal eine Info gibt. Von uns Athleten hat niemand mehr damit gerechnet, dass am 28. Juni in Frankfurt ein Ironman stattfinden wird", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport. "Ich bin aber auch enttäuscht. Denn mehr als der Hinweis, dass am 28. Juni kein Ironman stattfindet, stand in der Mitteilung eigentlich gar nicht drin."

Lauer ist Triathlet, genauer gesagt: Langdistanz-Triathlet. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, zum Abschluss noch ein Marathon. Wie Tausende andere Amateursportlerinnen und -sportler wollte der 42-Jährige aus der Triathlonabteilung von Eintracht Frankfurt Ende Juni bei den Ironman-Europameisterschaften an den Start gehen. Seit dieser Woche ist klar: Das Rennen – und damit eines der größten Sportereignisse in ganz Hessen – wird wegen der Coronavirus-Krise verschoben.

Wann wird der Ironman Frankfurt nachgeholt?

Für Lauer und Co. ergeben sich daraus viele Fragen: Wann wird der Ironman nachgeholt? Wie muss ich meinen Trainingsplan anpassen, um am Tag X fit zu sein? Und vor allem: Was passiert mit meinem Startgeld von rund 600 Euro, wenn ich den Nachholtermin nicht wahrnehmen kann? Fragen, auf die es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Antworten gibt.

"Wir können noch keinen Termin bestätigen", teilte der Veranstalter auf hr-Nachfrage mit. "Unser Versprechen an die AthletInnen ist es, uns bis Ende April mit einem Update zu einem neuen Termin und den Optionen aller angemeldeten AthletInnen zu melden. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren europäischen Kollegen rund um die Uhr daran, diesen Termin zu finden – es steckt unglaublich viel Vorbereitungszeit und auch Logistik dahinter."

Terminkollision mit dem Berlin Marathon möglich

Als Ausweichtermin für den Ironman Frankfurt ist der 27. September im Gespräch. Ein Termin, über den ein ambitionierter Sportler wie Lauer nicht glücklich wäre. "An diesem Tag findet auch der Berlin Marathon statt", blickt er sorgenvoll in seinen Kalender. "Auch das ist eine große Veranstaltung, für die man sich ein Jahr vorher anmelden muss, um überhaupt einen Startplatz zu bekommen. Das ist also nichts, was man mal so eben ausfallen lässt." Die Kombination aus Ironman im Sommer und Marathon im Herbst – für viele Ausdauerathleten ist sie ideal.

Das Terminchaos wäre aber nicht das einzige, was Lauer an einem Ironman Frankfurt Ende September stören würde. Er gibt zu bedenken: Die im Herbst typischen Wetterverhältnisse können einen erheblichen Einfluss auf einen solchen Wettkampf haben. "Bei Temperaturen von zehn Grad und Dauerregen raus aus dem Langener Waldsee und dann für fünfeinhalb bis sechseinhalb Stunden aufs Fahrrad: Das kann schon richtig grenzwertig sein."

"Da dreht sich das ganze Leben um den Ironman"

Prinzipiell hofft Lauer, dass ein neuer Termin nicht zu kurzfristig angesetzt wird, sprich: rechtzeitig kommuniziert wird. "Hier sind Athleten aus der ganzen Welt am Start, die müssen ihre Anreise und ein passendes Hotelzimmer organisieren", sagt er – und verweist auf den enormen Trainingsaufwand, den die meisten mit ihrem Arbeitsalltag in Einklang bringen müssen: "Vor allem die letzten zwei, drei Monate vor dem Wettkampf sind so intensiv. Da dreht sich das ganze Leben nur noch um den Ironman."

Dass all jene, die den Nachholtermin nicht wahrnehmen können, ihr Startgeld erstattet bekommen – damit rechnet Lauer nicht. Bei anderen bereits verschobenen oder abgesagten Rennen habe es diese Möglichkeit nicht gegeben. "Man sieht, dass Ironman eine rein kommerzielle Veranstaltung ist, bei der es darum geht, Geld zu verdienen", sagt der passionierte Triathlet. Sein Wunsch: ein ähnliches Vorgehen wie jenes der Veranstalter des beliebten Langdistanz-Rennens im fränkischen Roth.

Challenge Roth ruft zur Solidarität auf

Die dortige – familiengeführte – Challenge versprach allen gemeldeten Teilnehmern nach der Absage eine Rückerstattung sowie ein Startrecht für das kommende Jahr – verbunden mit dem Aufruf, solidarisch zu sein und auf einen Teil der Rückerstattung zu verzichten. "Die haben sich da einfach um was bemüht", sagt Meik Lauer. "Und es damit geschafft, eine positive Resonanz zu bekommen." Eine Resonanz, die sich der Frankfurter auch für seinen Heim-Ironman erhofft.