Szene aus einem Spiel der Löwen Frankfurt

Für die Eishockey-Clubs aus Kassel, Frankfurt und Bad Nauheim beginnt die neue DEL2-Saison. Sportlich ist sie so bedeutend wie lange nicht – wegen der Pandemie aber so zerbrechlich wie noch nie.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found DEL2-Chef Rudorisch über den Unterschied zwischen DEL und DEL2

René Rudorisch
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"Wir müssen uns darauf einstellen, dass es zu coronabedingten Spielabsagen und kurzfristigen Ausfällen kommen wird", warnt Liga-Chef René Rudorisch.

"Keiner von uns 14 Clubs weiß im Detail, was es bedeutet, jetzt zu beginnen", gesteht Löwen-Geschäftsführer Stefan Krämer.

"Wir wollen in erster Linie gesund durch die neue Saison kommen", sagt Kassels Ex-Spieler und neuer Sportdirektor Manuel Klinge.

Drei Funktionäre, eine Aussage: Vor dem Start in die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) ist nichts so sicher wie die Unsicherheit.

Hessenderby-Kracher am ersten Spieltag

Kann die Runde vom ersten Bully bis zum letzten Play-off-Finale im Mai 2021 durchgezogen werden? Welchen finanziellen Schaden verursachen die Geisterspiele im November? Und was passiert, wenn die Pandemie-Dynamik im Winter noch einmal zulegt? Fragen, die zum Auftakt der zweiten Liga an diesem Wochenende maximal spekulativ beantwortet werden können.

Dabei hält der Spielplan aus hessischer Sicht gleich mal einen Kracher bereit. Beim Derby zwischen Löwen Frankfurt und Kassel Huskies treffen am Freitag (19.30 Uhr) die Dauerrivalen der vergangenen Jahrzehnte aufeinander. Nicht weniger attraktiv geht es für den EC Bad Nauheim los, die Roten Teufel empfangen den viermaligen Zweitliga-Meister Bietigheim Steelers.

Bei allen Akteuren, das wird in den Tagen vor Saisonbeginn deutlich, ist die Vorfreude auf die Rückkehr in den Spielbetrieb groß. Allerdings: Die Konzentration auf den Sport fällt schwer, zu sehr hat Corona auch das deutsche Eishockey durchgeschüttelt.

DEL2 kann Geisterspiele besser auffangen

Dass die DEL2 nun zumindest einmal beginnen kann, ist für Clubs und Liga ein Privileg. Die DEL, die erste Liga, kämpft hingegen nach wie vor um die besten Rahmenbedingungen für Meisterschaftsspiele, für den Saisonstart gibt es noch keinen Termin. Wie kann das sein?

Der Unterschied zwischen beiden Ligen wird am ehesten beim Blick auf die Zuschauerthematik deutlich. Die von der Politik angeordneten Geisterspiele, die Deutschlands Profisport trotz guter Hygienekonzepte im November hinnehmen muss, sind von den meisten Zweitliga-Vereinen einfacher aufzufangen als von vielen Clubs aus dem Oberhaus.

Beispiel Bad Nauheim: Bei den Wetterauern lag der Zuschauerschnitt in den Heimspielen der vergangenen Hauptrunde bei knapp 2.800. Bis zu 80 Prozent der nun entstehenden finanziellen Ausfälle kann sich der ECN aus der Corona-Soforthilfe des Bundes zurückholen – zumindest eine erste Zeit lang.

EC Bad Nauheim: "Wir brauchen verbindliche Aussagen"

"Wir brauchen in den nächsten vier bis sechs Wochen verbindliche Aussagen, inwieweit weitere Fördermittel zur Verfügung gestellt werden, wenn nicht im Dezember oder Januar Zuschauer in die Hallen dürfen", fordert Geschäftsführer Andreas Ortwein im Gespräch mit dem hr-sport. "Aber es ist immer noch besser, ohne Zuschauer zu starten, als gar nicht zu starten. Wenn wir gar nicht starten, wäre der wirtschaftliche Schaden noch weit größer."

Ortweins Blick geht in diesen Tagen auch zum DEL-Kooperationspartner der Bad Nauheimer, den Kölner Haien. Zum Vergleich: Der KEC begrüßt durchschnittlich mehr als 13.300 Fans in der eigenen Arena, ist also dringend auf die Erlaubnis, zumindest in Teilen vor Zuschauern spielen zu dürfen, angewiesen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wollen die Löwen Frankfurt aufsteigen, Herr Fritzmeier?

Franz-David Fritzmeier
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Andernfalls wird es schwer, die ausbleibenden Einnahmen – auch in den Bereichen Fanartikel sowie Gastronomie – zu kompensieren. Eine Sorge, die die Verantwortlichen der Löwen Frankfurt ebenfalls umtreibt.

Keine Corona-Regeltests in der DEL2

Die Hessen sind mit mit einem Durchschnitt von knapp 5.000 Fans Zuschauerkrösus in der DEL2, planen bei den Ticketverkäufen normalerweise mit rund zwei Millionen Euro. "Im Moment rechnen wir mit null Euro", sagt Geschäftsführer Krämer. Der Grund: Ob der Club Corona-Soforthilfen und damit immerhin bis zu 800.000 Euro erhalten könnte, ist noch nicht entschieden.

Die Geisterspiele sind ein Thema, der Kampf gegen das Virus ein anderes. In der zweiten Eishockey-Liga wird es kein flächendeckendes Regel-Testverfahren geben, nach einer Initialtestung vor dem ersten Spieltag sieht das Konzept regelmäßige Fieber- sowie Symptomprotokolle und – bei Verdachtsfällen – Schnelltests vor.

Das ist einerseits ein Risiko, schließlich handelt es sich beim Eishockey, trotz aller Schutzausrüstung, um einen Vollkontaktsport. Andererseits: Regelmäßige Tests könnten die Vereine vor finanzielle und organisatorische Probleme stellen, immerhin müssen alle 14 Mannschaften mit Spielen freitags und sonntags gleich zwei Mal pro Woche ran. Mögliche Nachholpartien nicht mitgerechnet.

Löwen Frankfurt: "Wir wollen aufsteigen, keine Frage"

Die Ligaleitung um Geschäftsführer Rudorisch hat vor allem ein Ziel: die Hauptrunde mit ihren 52 Spieltagen über die Bühne bekommen, um über die Play-offs erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder einen sportlichen Meister in die DEL aufsteigen lassen zu können. Dafür kommen, nach der bereits für gut befundenen Bewerbung, lediglich Bietigheim, Frankfurt und Kassel in Frage. Sollte ein anderes Team DEL2-Meister werden, gibt es keinen Aufsteiger.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Klinge: große Vorfreude in einer verrückten Zeit

Manuel Klinge
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"Natürlich würde ich gerne sagen, dass wir Meister werden wollen", sagt ECK-Sportdirektor Klinge. "Aber die Situation ändert sich fast täglich. Es ist vermessen, über Ziele in vier oder fünf Monaten zu reden." Rein sportlich gehören die Schlittenhunde zum Kreis der Aufstiegsfavoriten, gleiches gilt für die Löwen.

"Wir wollen aufsteigen, überhaupt keine Frage", sagt Krämer. "Es ist aber auch davon abhängig, inwiefern wir von Corona-Infektionen verschont bleiben." Sicher ist zum Start dieser DEL2-Saison nur eins: die Unsicherheit.