Collage: Eishockey-Spieler, Stadion in Offenbach und Ortwein

Eis, Eis, Baby: Das Winter-Derby zwischen dem EC Bad Nauheim und den Löwen Frankfurt soll ein Höhepunkt der hessischen Eishockey-Geschichte werden. Im Interview spricht ECN-Geschäftsführer Andreas Ortwein über Herausforderungen, Chancen und gespaltene Fan-Meinungen.

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Eishockey statt Fußball: Im Stadion von Regionalligist Kickers Offenbach steigt am Samstag (14.12.2019) das Winter-Derby zwischen den Zweitliga-Clubs EC Bad Nauheim und Löwen Frankfurt. Der Hessische Rundfunk überträgt das Open-Air-Spektakel ab 20.15 Uhr live: Mit dem hr-fernsehen sowie dem hessenschau.de-Livestream sitzen Sie in der ersten Reihe.

Der Kopf hinter diesem Event Game ist Organisator und Bad-Nauheim-Geschäftsführer Andreas Ortwein. Über die logistischen Herausforderungen, die Chancen für den Eishockey-Sport und die finanziellen Risiken haben wir mit ihm im Interview gesprochen.

hessenschau.de: Herr Ortwein, das Winter-Derby ist ein Event Game nach nordamerikanischem Vorbild. Bei den Winter Classics der NHL werden alljährlich riesige Baseballstadien mit Eishockeyfans gefüllt. Auch in Deutschland hat es bereits mehrere Open-Air-Spiele gegeben, zum Beispiel in Köln oder in Frankfurt. Jetzt richtet der EC Bad Nauheim, der vor ein paar Jahren noch in der Oberliga gespielt hat, so ein Spiel aus. Was bedeutet das für Ihren Verein?

Andreas Ortwein: Das ist für so einen Club – wir sind ja immer noch einer der kleineren in der zweiten Liga – natürlich eine Riesenherausforderung. Es ist aber auch für den Eissport in der Rhein-Main-Region bedeutend, weil wir für einen Abend mit einer TV-Liveübertragung und einem hoffentlich ausverkauften Stadion aus dem Schatten des Fußballs heraustreten können. Wir können zeigen, dass Eishockey in der Rhein-Main-Region insgesamt und nicht nur in Bad Nauheim einen hohen Stellenwert hat.

Die Eisfläche im Offenbacher Stadion

hessenschau.de: Vorher muss sich aber das Fußballstadion in Offenbach in eine Eis-Arena verwandeln. Ein logistischer und alles andere als alltäglicher Kraftakt.

Ortwein: Wir arbeiten momentan rund um die Uhr, es geht gar nicht anders. Am Mittwoch muss die Eisfläche regelkonform sein, ab Donnerstag sollen die Mannschaften in Offenbach trainieren können. Die müssen sich ja auch an die Gegebenheiten gewöhnen. Um das Stadion komplett umzugestalten, haben wir insgesamt zehn Tage Zeit.

hessenschau.de: Im deutschen Eishockey ist die Finanzkraft der Vereine immer wieder ein Thema. In den vergangenen Jahren hatten einige Clubs Probleme, zuletzt die Krefeld Pinguine aus der DEL. Nun ist so ein Event Game wirtschaftlich eine zusätzliche Anstrengung. Wie gehen Sie mit den Risiken um?

Ortwein: Wir machen das so, wie das bei allen anderen Event Games in Deutschland auch üblich ist: Es wurde eine separate Event Game GmbH gegründet, sprich das Risiko wird von den Gesellschaftern dieser GmbH getragen. Insgesamt fünf Gesellschafter, zu denen ich auch gehöre, sichern das Ganze privathaftrechtlich ab. Der Eishockey-Club und der reguläre Spielbetrieb sind komplett außen vor. Aber: Der Gewinn, den wir erwirtschaften wollen und hoffentlich auch werden, geben wir dann an die Spielbetriebs-GmbH ab. Für den Club, der von den positiven Ergebnissen profitieren soll, gibt es kein Risiko.

hessenschau.de: Nicht alle Fans sind vom Winter-Derby begeistert, manch einer befürchtet durch solche Events eine Kommerzialisierung des Eishockey-Sports. Eine Bad Nauheimer Gruppierung hat einen Stimmungsboykott angekündigt, andere wollen trotzdem eine Choreographie auf die Beine stellen. Ist Ihre Fanszene gespalten?

Ortwein: Überhaupt nicht. Wir werden mit mehr als 10.000 Bad Nauheimer Fans nach Offenbach kommen. Bei Heimspielen haben wir normalerweise einen Schnitt von 2.500 Zuschauern. 30 Menschen haben aufgrund ihrer Organisation eine andere Meinung – das muss man respektieren. Aber es wird das Spiel stimmungstechnisch nicht beeinflussen. Dafür sorgt das Fan-Umfeld des Clubs, da mache ich mir keine Sorgen.

hessenschau.de: Sowohl der EC Bad Nauheim als auch die Löwen Frankfurt haben in dieser Saison mit zahlreichen Verletzungen zu kämpfen. Sie haben zuletzt mit Jared Gomes und Jack Combs zwei Spieler nachverpflichtet. Auf was für eine Bad Nauheimer Mannschaft können sich die Eishockey-Fans am Samstag in Offenbach einstellen?

Ortwein: Ich bin davon überzeugt, dass die Löwen auch noch die eine oder andere Nachverpflichtung tätigen werden. Wir werden eine Mannschaft haben, die 60 Minuten lang bis aufs Messer alles geben wird, um dieses Spiel erfolgreich zu gestalten. Jeder Check wird zu Ende gefahren. Das erwarte ich auch von unserer Mannschaft.

hessenschau.de: Etwas mehr als 20.000 Zuschauer können auf dem Bieberer Berg dabei sein. Wie viele werden es beim Eröffnungsbully um 20.30 Uhr sein?

Ortwein: Stand jetzt haben wir knapp 15.000 Tickets abgesetzt. Ich kann nur jeden Sportbegeisterten in der Region aufrufen zu kommen. Unser Wunsch und Wille ist eine volle Arena. Der Bieberer Berg steht für seine Flutlichtspiele.

Die Fragen stellte Carsten Schellhorn (hr-sport). Mitarbeit: Patrick Stricker.

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