Christian Cappek beißt sich ins Trikot
Christian Cappek beißt sich durch Bild © Imago

Mit 26 Jahren sind Fußballer eigentlich im besten Alter. Die Karriere von OFC-Publikumsliebling Christian Cappek war mit 26 vorbei – Knieschaden. Sportinvalide. Damit begann sein Kampf zurück in die normale Welt.

Audiobeitrag
Cappek auf Krücken im Wiesbaden-Trikot

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Cappek: "Es war eine schwere Zeit"

Ende des Audiobeitrags

"Was soll aus mir werden?" Diese Frage beschäftigt die meisten Menschen am Ende der Schulzeit. Christan Cappek stellte sie sich im März 2017 – mit 26 Jahren.  Alles was die Ärzte da noch tun konnten, war sein Knie so zu stabilisieren, dass er im Alltag damit laufen kann. Die Karriere des einstigsten OFC-Lieblings war vorbei - und damit alles, wofür Cappek die vergangenen Jahre gelebt hatte.

Der harte Schlag

Zu diesem Zeitpunkt war Cappek Spieler des SV Wehen Wiesbaden und schon über ein Jahr lang verletzt. Nach einer Knie-OP riss er sich beim Joggen die Patellasehne. "Da versucht man sich noch irgendwo festzuhalten und greift nach jedem Strohhalm", erzählt Cappek dem hr-sport. Es folgten eine zweite OP, eine zweite Reha und erste Zweifel. "Irgendwann konnte ich nicht mal mehr zum Zuschauen ins Stadion. Du kennst die Jungs, warst immer nah dran – und jetzt?"

Wenn er von dieser Zeit spricht, spürt man auch heute noch, wie es in ihm arbeitet. In der zweiten Reha rutschte ihm dann die Knieschiebe zwei Zentimeter in den Oberschenkel hoch. Karriereende. "Da schlägst du hart auf dem Boden auf", erinnert sich Cappek. "Das ist schwer zu verarbeiten, selbst für einen positiven Typen wie mich." Für ihn begann ein Weg zurück in ein normales Leben.

Abbruch und Neustart

Cappo - wie ihn alle immer rufen - bricht seine Zelte in Hessen ab, zieht zurück nach Augsburg und sortiert sich. Im Kreise der Familie verabschiedet er sich vom Fußballzirkus. Er sucht nach einer Lehrstelle. "Da merkst du erst, wie schwer es ist, eine normale Lehrstelle zu finden", blickt er zurück. "Dass du zehn Jahre auf dem Platz gestanden hast, interessiert da wenig."

Doch Cappek hat Glück. Er findet Unterstützung bei der Berufsgenossenschaft, kann eine Umschulung machen und bekommt einen Ausbildungsvertrag als Industriekaufmann. "Drei Jahre. Das ist vielleicht der längste Vertrag, den ich je unterschrieben habe", schmunzelt er mit Blick auf sein Profileben.

Der Klassen-Opa

Heute schwitzt Cappek nicht im Training, sondern in der Berufsschule. Und er ist Klassensprecher. "Na klar, als Klassen-Opa", lacht er. Seine Mitschüler sind gerade mit der Schule fertig. Ein Ex-Profi inmitten einer Klasse voll 16- und 17-Jähriger. Er findet sich zurecht, freut sich über seine neue Chance und genießt das normale Leben.

Gerade bei der Arbeit merke er schon die Unterschiede zwischen Fußballwelt und realer. "Ich habe mir nicht vorstellen können, wie schwer dieser normale Berufsweg ist." Dadurch habe er aber gelernt, "was einem als Profi alles abgenommen wird." In solchen Sätzen ist zu spüren, wie ihn das vergangene Jahr verändert hat.

Die besten Jahre auf dem Berg

Seine Profijahre möchte Cappo aber nicht missen. Gerade an seine Zeit auf dem Bieberer Berg denkt er gerne zurück. "Die zwei Jahre Offenbach waren eine Rettung nach einer schweren Zeit." Dort verlebte er seine besten und erfolgreichsten Jahre als Fußballer. "Eigentlich habe ich da nur gute Erinnerungen."

Audiobeitrag
Cappo beim Jubel

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Cappo über seine Zeit bei den Kickers

Ende des Audiobeitrags

Unvergesslich bleibt für ihn die legendäre Tattoo-Wette. Ein Fan hatte vollmundig angekündigt, sich Cappos Gesicht tätowieren zu lassen, falls der Stürmer zehn Tore in der Saison schießt. Cappo schoss 15 - und ist so zumindest das Tattoo noch regelmäßig im Stadion. "Das muss man erst einmal schaffen."

Grüße aus Hessen

Auch in der schweren Verletzungszeit kam aus Offenbach besonders viel Zuspruch. "Es ist Wahnsinn! Da kommen heute noch Nachrichten auf meiner Facebookseite an." Die Leute wollen wissen, wie es ihm geht, Grüße ausrichten oder auch einfach nur mal fragen, wo er jetzt ist. Als Antwort auf all diese Fragen reicht Christian Cappek dann eigentlich ein Wort: Angekommen.