Christina Hammer und Claressa Shields
Claressa Shields und Christina Hammer treffen Samstagnacht aufeinander. Bild © picture-alliance/dpa

Boxerin Christina Hammer tritt in der Nacht zum Sonntag gegen Claressa Shields an. Im Vorfeld drehte sich vieles um Unterwäsche-Fotos und Zickenvorwürfe. Dabei geht es vor allem um einen richtig wichtigen Kampf.

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Es ist die Eisentreppe, die in Erinnerung bleibt, wenn Robert Staar von seinem alten Box-Gym in Eschwege erzählt. "Die hab ich extra einbauen lassen. Für damals 20.000 Mark." Extrem steil, eine Tortur für seine Schützlinge. Ein Symbol für eine einfache Weisheit: Boxen definiert sich auch im Training übers Leiden.

Nur wer sich oft genug überwindet, kann hier erfolgreich sein. So wie Christina Hammer. Vor 15 Jahren kam die heutige Weltmeisterin in das Backsteingebäude in der nordhessischen Provinz. "Ich hab ihr das Einmaleins des Boxens beigebracht", erzählt Staar. Eisentreppe, Sparringeinheiten in der Nacht und immer wieder die klare Ansage: "Du musst die Erste in der Ringmitte sein. Du musst bestimmen." So wurde aus dem Teenager ein Boxtalent, das bald in der ganzen Republik keine Gegnerinnen mehr fand. Am Samstag erreicht die Karriere der heute 28-Jährigen ihren bisherigen Höhepunkt.

Weltmeisterin gegen Weltmeisterin

Als ungeschlagene Weltmeisterin betritt Hammer die große Showbühne. Aus Eschwege geht es in die legendäre Boardwalk Hall in Atlantic City. Dort, wo schon Mike Tyson kämpfte, tritt sie gegen Claressa Shields an. Es ist der wohl wichtigste Kampf in der Geschichte des Frauenboxens. Denn während es hier sonst oft ungleiche Gefechte gibt, treten dieses Mal zwei der besten Boxerinnen der Welt gegeneinander an. Ungeschlagene Weltmeisterin gegen ungeschlagene Weltmeisterin. Die Siegerin nimmt die Gürtel aller vier großen Verbände mit nach Hause.

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Einen Beitrag zum Thema sehen Sie am Samstag ab 17.15 Uhr im hr-heimspiel!.

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Auf der einen Seite steht die erfahrene Hammer, die bereits 23 Kämpfe gewonnen hat und seit 2010 Weltmeisterin ist. Sie bringt Erfahrung mit und Ruhe. Die heute in Dortmund lebende Hammer ist eine klassische Technikerin, lange Führhand, kontrollierter Boxstil, manchmal etwas steif. Auf der anderen Seite steht US-Superstar Shields, zweimalige Olympiasiegerin, das erste Mal Gold holte sie mit 17 Jahren. Bei den Profis ist sie in nur acht Kämpfen bereits zur Weltmeisterin dreier Verbände aufgestiegen. Spitzname? T-Rex. Genauso kämpft sie auch. Aggressiv, athletisch, immer auf der Suche nach dem Infight.

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Auch Culcay in den USA gefordert

Auch für den Südhessen Jack Culcay steht am Samstagabend ein wichtiger Kampf an. In den USA trifft er auf den Ukrainer Sergiy Derevyanchenko. Der Sieger des Duells darf auf einen Titelkampf hoffen.

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Große Promotion bei Showtime

Es ist also auch stilistisch ein spannendes Duell, einzigartig macht den Kampf aber noch etwas anderes: die Berichterstattung bei Pay-TV-Gigant Showtime. Der US-Boxsender hat seine ganze Promotionsmacht in das Gefecht gelegt, eine zweiteilige Dokumentation und jede Menge Presse-Termine inklusive. Hilfreich dabei: Beide Kämpferinnen lassen sich gut vermarkten, machen mit 1,80 Metern und rund 70 Kilo Eindruck – und beide schrecken auch nicht davor zurück, verbal auszuteilen. Shields etwa lästerte über Hammers "Nebenjob" als Unterwäsche-Modell. "Ich zeige meinen Körper nicht, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen."

Das übliche Ballyhoo vor einem großen Boxkampf, das aber nicht überdecken sollte, dass es eben nicht nur um Show, sondern um richtig guten Sport geht. "Es ist ganz einfach. Wen dieser Kampf nicht interessiert, der interessiert sich nicht fürs Boxen", sagte Showtime-Boss Stephen Espinoza. Entsprechend offen ist der Ausgang. Auch wenn Hammer als Außenseiterin gilt, sie glaubt, einen Plan gefunden zu haben.

"Ich habe mehrere Kämpfe von Claressa live gesehen. Wir haben sie analysiert, ich weiß genau, was mich erwartet und bin deshalb sicher, dass unser Plan aufgehen wird." Am Ende wird entscheidend sein, ob Hammer ihrer Kontrahentin ihren Stil aufzwingen kann. Und da gilt auch nach all den Jahren noch das Motto von Hammers erstem Trainer Robert Staar: "Du musst die Erste in der Ringmitte sein. Du musst bestimmen."

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