Für den Eschborner Radprofi Tony Martin ist der Giro d'Italia vorzeitig beendet. Sein Team hat sich freiwillig zurückgezogen, die Italien-Rundfahrt droht im Corona-Chaos zu versinken.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Italien: Fallzahlen steigen, Regierung verschärft Maßnahmen

Tony Martin
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So konnte die zehnte Etappe des 103. Giro d'Italia am Dienstag nur mit einem ausgedünnten Fahrerfeld gestartet werden. Wie die Veranstalter kurz zuvor mitgeteilt hatten, wurden bislang zwei Fahrer und sechs weitere Personen positiv auf das Coronavirus getestet.

Der auf Rang elf der Gesamtwertung liegende Niederländer Steven Kruijswijk sowie der Australier Michael Matthews (Team Sunweb) mussten die Rundfahrt vorzeitig beenden. Die Jumbo-Visma-Mannschaft, der neben Kruijswijk auch der Eschborner Tony Martin angehört, kündigte kurze Zeit später zugleich den kompletten Rückzug vom Giro an.

"Wir waren alle nah mit Steven zusammen"

"Dies ist die einzige und verantwortungsvollste Entscheidung", sagte Addy Engels, Sportlicher Leiter bei Jumbo-Visma. "Wir waren alle nah mit Steven zusammen. Man sieht ja, was bei Mitchelton-Scott passiert ist. Erst war es ein Fall, jetzt sind es vier weitere." Zudem ist jeweils ein Mitarbeiter von AG2R-La Mondiale und Ineos Grenadiers infiziert.

Zuvor hatte auch der Mitchelton-Scott-Rennstall verkündet, dass die Mannschaft wegen vier positiv getesteter Team-Mitglieder nicht mehr antreten werde. Bei den Verantwortlichen des Giro sorgen diese Neuigkeiten jedoch nicht für Panik.

Giro d'Italia soll bis Mailand weiterfahren

Weil aber der Großteil der insgesamt 571 Tests am Ruhetag (Montag) negativ war, soll das Rennen fortgesetzt werden. Ziel bleibt, am 25. Oktober in Mailand anzukommen, betonte Renndirektor Mauro Vegni gegenüber dem TV-Sender RAI. Doch was passiert, wenn weitere Fälle auftreten?

Wird der Giro in diesem Fall abgebrochen? Und wie kann die Rennleitung sicher sein, dass das Virus "unter Kontrolle" ist? Am nächsten Ruhetag am kommenden Montag werden alle Fahrer erneut getestet.

Zusätzliche Schnelltests unter der Woche

Die Teams, die bereits von positiven Fällen betroffen sind, sollen zusätzlich im Laufe der Woche mit Schnelltests überprüft werden. "Mehr kann man ehrlich gesagt nicht tun", meinte Vegni.

Doch die Entwicklungen in Italien werden sicher auch von den Machern der Vuelta registriert. Die Spanien-Rundfahrt soll am 20. Oktober beginnen und nach 2.892 Kilometern am 8. November enden. Es bleibt die Hoffnung, dass alles glatt geht - wie bei der Tour de France, bei der es im Fahrerfeld keinen Fall gab. Einzig Tour-Direktor Christian Prudhomme infizierte sich und musste in Quarantäne.