Die Corona-Pandemie macht auch Hessens Sportvereinen zu schaffen und sorgt für ein großes Loch in den Kassen. Verbands-Präsident Müller zeichnet für die kommenden Monate ein Horror-Szenario.

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Knapp 57 Prozent der Turn- und Sportvereine in Hessen verzeichnen in Folge der Coronavirus-Pandemie finanzielle Defizite oder erwarten diese noch in der Zukunft. Das ergab eine Umfrage des Landessportbundes Hessen (LSBH), deren Ergebnisse die Dachorganisation des organisierten Sports am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Frankfurt vorstellte. Im Schnitt belaufen sich die Verluste bislang auf 5.455 Euro. Das gaben die 2.522 von insgesamt 7.600 Vereinen an, die den Fragebogen zurückgeschickt hatten.

Auch bei den Mitgliederzahlen ist ein Negativtrend zu erwarten. 30 Prozent der Vereine gehen von einem Rückgang von bis zu 35 Prozent aus, obwohl viele Sportlerinnen und Sportler bislang die Treue hielten. Doch die Fluktuation zeichnet sich in der Regel erst Ende des Jahres ab, und mit Neuanmeldungen ist nach Angaben von LSBH-Geschäftsführer Andreas Klages kaum zu rechnen.

Der Präsident macht sich Sorgen

Aus diesen Gründen macht sich LSBH-Präsident Rolf Müller "große Sorgen" um den organisierten Sport in Hessen. Die Umfrage ergab zwar, dass sich die Vereine trotz der Coronavirus-Pandemie insgesamt in einer stabilen Lage befinden. Doch die Ergebnisse wurden bereits im Juni erfasst. "Wir wissen noch nicht, was im Herbst und Winter und auch im nächsten Jahr auf uns zukommt", sagte Müller am Mittwoch in Frankfurt.

Steigende Fallzahlen haben unter anderem in Offenbach bereits wieder zu Einschränkungen des Sportbetriebs geführt. "Auf Dauer kann man kein System am Leben erhalten, das nicht mehr ausüben kann, wofür es eigentlich da ist", sagte der LSBH-Chef. "Ich glaube, dass es in einigen Vereinen noch zu existenziellen Folgen kommen wird."

"Es sind düstere Zeiten"

Bei der Umfrage beurteilten mehr als 20 Prozent ihre Situation insgesamt als schlecht. "Den Vereinen geht es gerade so wie vielen Mitgliedern unserer Gesellschaft: Es sind düstere Zeiten, es sind traurige Zeiten", sagte Müller am hr-Mikrofon. "Wenn sie mich im nächsten Jahr wieder fragen, befürchte ich, dass sich die Lage weiter verschlechtert hat."

Schuld am Rückgang der Einnahmen sind überwiegend die Absage von Veranstaltungen, Wettkämpfen und Spielen, der ausgebliebene Erlös aus dem Verkauf von Speisen und Getränken sowie fehlende Sponsoren- und Mieteinnahmen.

Vor allem Mannschaftssport betroffen

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Finanzielle Hilfen wurden bislang nur sehr begrenzt in Anspruch genommen. Die Corona-Vereinshilfe des Landes Hessen etwa beantragten im Sommer nur etwa vier Prozent der Vereine. Müller sieht darin einen Beleg dafür, wie gut und vorsichtig an der Basis gewirtschaftet wird. Die Hilfsangebote, so Klages, sollten aufgrund der unsicheren Perspektiven auch fürs nächste Jahr festgeschrieben werden.

Die teilweise sehr großen Unterschiede bei den Angaben ergeben sich laut Müller daraus, dass große Mehrspartenvereine mit mehreren tausend Mitgliedern und hauptamtlichen Mitarbeitern größeren Druck verspüren als kleine Einspartenvereine. Zudem sind Sportarten wie Golf, Tennis oder Reiten weniger von Einschränkungen betroffen als etwa Ringen, Judo oder Mannschaftsdisziplinen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.10.2020, 19.30 Uhr