Kassel Huskies

Die Kassel Huskies wollen in die DEL, doch eine Bewerbung der Nordhessen ist abgelehnt worden. Die Suche nach den Gründen gestaltet sich schwierig, dafür werden Erinnerungen an unangenehme Zeiten wach.

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Kassel Huskies gegen Bietigheim
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Sommertheater. Wenn es einen Begriff gibt, den man rund um die Kassel Huskies nie mehr hören wollte, dann lautet er ganz eindeutig: Sommertheater. Denn was nach launigen Aufführungen vor einer Sonnenuntergangskulisse im Bergpark Wilhelmshöhe klingt, beschreibt in Wahrheit das immer wiederkehrende Zittern und Bangen um den Fortbestand des Profi-Eishockeys in der nordhessischen Metropole.

Vor allem im Laufe der 2000er Jahre sahen sich die Fans der Schlittenhunde in regelmäßigen Abständen mit elementaren Fragen konfrontiert: Schafft es mein Club durch die Sommerpause? In welcher Liga tritt er in der neuen Saison an? Und vor allem: Ist genug Geld in der Kasse? 2010 dann der große Knall: Ein Insolvenzantrag führte zu einem Entzug der Erstliga-Lizenz, die Huskies stürzten in die Hessenliga ab.

DEL-Bewerbung der Kassel Huskies abgelehnt

Seitdem wird kontinuierlich und beharrlich am Neuaufbau gearbeitet. Doch auf seinem erfolgreichen Weg, der zuletzt über die Oberliga in die zweite Liga führte und zurück in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) führen soll, droht dem ECK einmal mehr ein Sommertheater. Der Grund: Bis mindestens 2023 hat der Verein nach aktuellem Stand keine Möglichkeit, in die erste Liga aufzusteigen. Die Bewerbung Kassels für einen möglichen Aufstieg am Ende der kommenden Saison ist von der DEL in dieser Woche abgelehnt worden.

Genauer gesagt: Von der Rechtsanwaltskanzlei Bird & Bird, mit der die Ligaleitung zwecks juristischer Überprüfung der Antragsunterlagen zusammenarbeitet. Der hr-sport wollte wissen, was genau zur Ablehnung der Kasseler Bewerbung geführt hat – und erhielt am Freitag von der DEL diese Antwort: "Die von den Clubs vorgelegten Unterlagen wurden von der Kanzlei Bird & Bird auf Inhalt und Form überprüft, und zwei DEL2-Clubs haben die vertraglich festgelegten Anforderungen nach Ansicht von Bird & Bird nicht erfüllt." Mehr nicht.

"Werden über die nächsten Schritte beraten"

Keine Antworten auf die weiteren Fragen, etwa, ob die Bewerbungen nicht vollständig oder nicht rechtzeitig eingegangen sind, ob sich an der Entscheidung noch etwas ändern kann – oder ob ein Transparentmachen der Gründe nicht vielleicht klüger gewesen wäre. Über die betroffenen Clubs, neben den Huskies ist auch die Bewerbung der Dresdner Eislöwen abgelehnt worden, gebe die DEL keine Auskunft. Das ist insofern nachvollziehbar, als dass es sich bei "vertraglich festgelegten Anforderungen" immer auch um die berühmt-berüchtigten Interna handelt.

Zum Abbau der großen Enttäuschung in Nordhessen und auch in Sachsen dürfte all das aber wohl kaum beitragen. Die Huskies hatten am Donnerstagabend in einer Stellungnahme bekräftigt: "Aus unserer Sicht haben wir alles Erforderliche gemacht und auch finanziell alles hinterlegt. Wir werden das Ganze nun intern prüfen und dann über unsere nächsten Schritte beraten."

DEL-Bürgschaft über 816.000 Euro nötig

Am Mittwoch, in einer ersten Reaktion, war noch etwas konkreter von einer rechtlichen Überprüfung durch die eigenen Anwälte die Rede. Mit der wirtschaftlichen Lage, so viel sei sicher, könne die Ablehnung nichts zu tun haben. Wer in die DEL aufsteigen will, muss bei ihr mindestens ein Jahr vorher eine Bürgschaft hinterlegen. Diese sogenannte Sicherheitsleistung liegt bei 816.000 Euro.

Die Frist zur Einreichung aller nötigen Unterlagen bei der DEL endete in diesem Jahr am 24. Mai. Zwei Tage vorher standen die Schlittenhunde noch auf dem Eis, kämpften gegen die Bietigheim Steelers um die Zweitliga-Meisterschaft und das sportliche Aufstiegsrecht – verloren aber das fünfte, entscheidende Finalspiel der Playoffs mit 2:5. Dass es für mindestens zwei Jahre die letzte Kasseler Möglichkeit zur Rückkehr in die erste Liga gewesen sein könnte: an jenem Samstagabend nur schwer vorstellbar.

In der DEL2 läuft die Frist noch

René Rudorisch, Geschäftsführer der DEL2, bedauerte die Ablehnung von gleich zwei Bewerbern aus seiner Liga. "Zudem haben die DEL2-Teams schon 2020/21 über den sportlichen Weg eindrucksvoll gezeigt, welche Wirkung eine Aufstiegsvision im Sinne unserer Sportart entfalten kann", wird Rudorisch von den Eishockey News zitiert. Was aber, wenn diese Aufstiegsvision nun für mindestens zwei Jahre auf Eis gelegt werden muss?

Wie werden sich Fans und vor allem Sponsoren der Kassel Huskies verhalten, sollten die Türen der DEL für sie weiterhin verschlossen bleiben? Noch mehr Fragen, auf die es nach aktuellem Stand kaum bis keine Antworten gibt. Immerhin: Zeit, seine unmittelbare Zukunft in der zweiten Liga zu planen, hat der ECK theoretisch noch bis zum 15. Juni – dann endet dort die Bewerbungsfrist. So oder so gibt es aber am Fuße des Bergparks Wilhelmshöhe nun das, was es eigentlich nie wieder geben sollte: ein Sommertheater.

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