Spieler des EC Bad Nauheim bei einer Traineransprache

Der EC Bad Nauheim ist wieder da: Nach Monaten sportlicher Tristesse und einer harten Personalentscheidung sind jetzt sogar die DEL2-Playoffs zum Greifen nah. Im Viertelfinale könnte es zu einem Hessenderby-Kracher kommen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Baldys: "Wir waren am Tabellenende – und haben Kassel geschlagen"

Spieler des EC Bad Nauheim jubeln.
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Es gibt Dinge, die gibt es nur im Eishockey – vielleicht sogar nur in der zweiten Liga. "Da steht einer am Tabellenende, gewinnt zwei Spiele und ist fünf Plätze weiter vorne", sagt Matthias Baldys im Gespräch mit dem hr-sport. "Und genau das ist ein Spiegelbild für die gesamte Liga, die sehr eng und ausgeglichen ist."

Dieser "eine", der vor nicht allzu langer Zeit das Schlusslicht der Deutschen Eishockey Liga (DEL2) war und mittlerweile das Feld von hinten aufrollt, das ist der Club, für den Baldys als Sportlicher Leiter tätig ist: der EC Bad Nauheim. Innerhalb von gerade einmal fünf Wochen haben sich die Roten Teufel vom Kellerkind zum Playoff-Aspiranten gemausert. Eine Entwicklung, die eng mit einer fundamentalen Personalentscheidung im vergangenen Monat zusammenhängt.

"Es ist noch ein weiter Weg"

Mitte Februar – der ECN hatte gerade von zehn Spielen sieben verloren – trennte sich der Club von Trainer Hannu Järvenpää und präsentierte mit den Ex-Nauheim-Profis Harry Lange sowie Patrick Strauch umgehend ein neues Duo für die Bande. Seitdem finden die Wetterauer immer besser in die Spur zurück, das 4:0 am vergangenen Montag gegen die Ravensburg Towerstars war bereits der sechste Sieg aus den vergangenen acht Spielen.

Tabellenrang acht, der in dieser Saison als letzter zur Teilnahme am Playoff-Viertelfinale berechtigt, ist nur noch fünf Punkte entfernt. Und: Ravensburg, aktuell Achter, hat zwei Spiele mehr absolviert.

"Es ist noch ein weiter Weg, ich will noch nicht zu viel träumen", sagt Baldys. Anders als die Fans, die träumen dürften, "das ist okay, dafür machen wir die harte Arbeit. Wir sind euphorisch, bleiben aber auf dem Boden." Die Freistellung Järvenpääs sei "eine bewusste Entscheidung" gewesen, aber der Finne und der Club aus dem Oberhessischen, "das war vielleicht einfach nicht der beste Fit. Er ist ein guter Trainer, aber eben nicht der beste für unsere Mannschaft."

Der neue EC Bad Nauheim: strukturiert und geradlinig

Für das neue Trainergespann sieht das erste Zwischenzeugnis ganz anders aus. "Die Herangehensweise, wie Harry Lange und Patrick Strauch mit der Mannschaft arbeiten, ist genau die richtige", ist sich Baldys sicher. Lange war zuvor unter Järvenpää Co-Trainer, Strauch ist eigentlich – außerhalb von Corona-Lockdowns – Nachwuchscoach beim Bad Nauheimer DEL-Kooperationspartner Kölner Haie. Das neue Erfolgsrezept: strukturiertes und organisiertes Defensivverhalten, dazu eine größere mannschaftliche Geschlossenheit.

"Wir haben unser Spiel vereinfacht, besinnen uns mehr auf unsere Tugenden, trainieren sie und fordern sie ein", berichtet Baldys. "Wir spielen jetzt das, was zu unserer Mannschaft passt, sind geradliniger – und das wollen unsere Fans ja auch sehen." Allerdings: Raum für Fehler oder schwache Spiele hat der ECN nicht mehr, will er sich tatsächlich noch für die Playoffs qualifizieren. Neun Spiele stehen noch auf dem Hauptrunden-Plan, das nächste am Freitag (19.30 Uhr) gegen den Tabellenzweiten aus Bad Tölz.

Im Viertelfinale gegen Kassel?

Sollten die Wetterauer den Einzug ins Viertelfinale packen, winkt ihnen dort eine spannende und prestigeträchtige Derby-Serie gegen den Kassel Huskies. Die Nordhessen thronen seit Monaten an der DEL2-Spitze, arbeiten im Hintergrund am Aufstieg ins Oberhaus – mussten sich bei der 5:6-Niederlage nach Penaltyschießen vor zwei Wochen aber ebenfalls der Bad Nauheimer Aufholjagd beugen. Noch so ein Spiegelbild für diese Liga, die so eng und so ausgeglichen ist.

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DEL2 am Freitag

Auch die Kassel Huskies und die Löwen Frankfurt sind am Freitag wieder im Einsatz. Kassel empfängt den EHC Bayreuth, Frankfurt den ESV Kaufbeuren. Die Spiele beginnen ebenfalls um 19.30 Uhr.

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