Titelverteidiger Lewis Hamilton (li.) und Ferrari-Pilot Sebastian Vettel kämpfen um die Formel-1-Krone.
Titelverteidiger Lewis Hamilton (li.) und Ferrari-Pilot Sebastian Vettel kämpfen um die Formel-1-Krone. Bild © picture-alliance/dpa

Sebastian Vettel geht in seine bislang schwerste Saison als Ferrari-Pilot. Der Heppenheimer soll die WM endlich wieder nach Maranello bringen. Die Testfahrten nähren diese Hoffnung, doch kann Vettel kühlen Kopf bewahren?

Der Zauber des Anfangs ist verflogen. Sebastian Vettel und Ferrari, das ist längst eine Ehe mit Höhen und Tiefen, nach vier Jahren ohne Titel spürt der Deutsche die schwere Last des roten Rennanzugs. Doch vielleicht hilft gerade jetzt der Gedanke an das große Idol. Michael Schumacher wurde ebenfalls erst im fünften Jahr bei der Scuderia Weltmeister - und machte sich in der Folge als Seriensieger unsterblich.

Es wäre also weiterhin "das Ultimative, wenn ich mit Ferrari die WM gewinne", sagt Vettel vor dem Start der neuen Saison am Sonntag (6:10 Uhr) im australischen Melbourne: "Es ist mein Ziel, mein Traum." Und es wird höchste Zeit für den 31-Jährigen. Denn einiges spricht dafür, dass das fünfte Jahr in Rot ein Alles-oder-Nichts-Jahr für Vettel ist.

Sebastian Vettel steuert seinen neuen Ferrari während einer Testfahrt auf der Rennstrecke Barcelona Catalunya in Montmelo.
Sebastian Vettel steuert seinen neuen Ferrari während einer Testfahrt auf der Rennstrecke Barcelona Catalunya in Montmelo. Bild © picture-alliance/dpa

Der viermalige Weltmeister muss liefern. Schon in der vergangenen Saison hatte Ferrari ein Auto, das in der Lage war, die Dominanz von Mercedes und Weltmeister Lewis Hamilton zu brechen. Dass es am Ende nicht klappte, lag an Fehlentwicklungen in Maranello - aber eben auch am Fahrer. Vettel zeigte in einer insgesamt guten Saison Schwächen, und der Heppenheimer ist nicht mehr unumstritten in Italien.

Vettel erlebt "besten Auftakt"

Hirth zur Formel 1
hr-Formel-1-Experte Volker Hirth Bild © hessenschau.de

Was den vierfachen Champion Vettel von Fünffachweltmeister Hamilton unterscheidet, ist nicht nur dieser eine Titel. Laut Formel-1-Experte Volker Hirth ist es auch der kühle Kopf, der dem Briten in entscheidenden Phasen einen Vorteil verschafft. "Meine Einschätzung ist nach wie vor, dass Hamilton nicht der bessere Fahrer ist, aber der souveränere", sagt Hirth. "Der, wenn es eng wird, die Nerven behält, während bei Vettel das Temperament durchgeht."

Bei allem Druck hat Vettel einige Gründe, 2019 optimistisch anzugehen. Sein Team scheint das neue Aerodynamik-Reglement am besten umgesetzt zu haben, der SF90 beeindruckte bei den Tests vom ersten Tag an. "Unglaublich" fand Vettel sein neues Auto, sprach von "Perfektion" und dem "besten Auftakt, den ich je hatte". Erst in der zweiten Testwoche schlichen sich Probleme mit der Zuverlässigkeit ein, nichts Gravierendes allerdings.

Mercedes-Bluff?

Überbewerten will Experte Hirth die Testergebnisse nicht. "Ferrari war überlegen, aber auf den letzten Metern hat Mercedes aufgeholt. Es könnte sein, dass Mercedes geblufft hat. Ein bisschen erinnert das an die Ereignisse im Vorjahr."

Vettel sagt: "Noch hat sich niemand in die Karten schauen lassen." Echte Antworten wird es sowieso erst in Melbourne geben. Spätestens dann, wenn um kurz nach 6 Uhr die roten Lichter erlöschen.