Gesa Krause bei der DM in Braunschweig

Angereist als große Favoritin, abgereist als Häufchen Elend: Ein streikender Körper vermasselt Gesa Felicitas Krause die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. Eine Erklärung gibt es nicht, Ausreden aber auch nicht.

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Gesa Krause scheidet aus
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Gesa Felicitas Krause stand hinterher völlig bedröppelt im Schatten der Arena. Die Tränen waren schnell wieder getrocknet, aber der Schweiß lief dem Hindernis-Star noch über das Gesicht, und Krause suchte traurig nach einer Erklärung für ihren kraftlosen Auftritt. "Ich bin auch nur ein Mensch", sagte sie.  

Miss Zuverlässig auch nur ein Mensch

Ausgerechnet Krause. Miss Zuverlässig. Die, die eigentlich immer abliefert, die Kämpferin, auf die eigentlich immer Verlass ist. Die WM-Dritte, die Europameisterin, die Sportlerin mit Herz, sie musste bei diesen komischen Geistermeisterschaften der Leichtathleten ohne Fans ihr Rennen nach rund 2000 von 3000 Metern völlig entkräftet aufgeben. 

"Es fällt mir gerade schwer, das, was passiert ist, in Worte zu fassen", sagte die 28-Jährige und sprach von einer "großen Enttäuschung". Sie müsse "ehrlich gestehen, es ging von Anfang an wenig. Wir waren nicht schnell unterwegs", so Krause nach dem Rennen im Glutofen: "Aber selbst das Tempo fiel mir verhältnismäßig schwer." 

Erst gekämpft, dann schwere Beine

Was war bloß mit Krause los? Die deutsche Rekordhalterin, die in Ehreingshausen (Lahn-Dill) geboren wurde, hatte im Vorfeld massiv und medienwirksam darum gekämpft, dass die Mittel- und Langstrecken trotz Corona noch in das Meisterschafts-Programm aufgenommen werden, nach der Verschiebung der Olympischen Spiele ins nächste Jahr sollten die Titelkämpfe ein Highlight für sie in dieser Saison werden.

Und wie immer bereitete sich Krause gewissenhaft vor, nach Braunschweig reiste sie unmittelbar aus einem Höhentrainingslager in der Schweiz an. Aber vielleicht war genau das auch das Problem. 

Das Wetter ärgert Krause

"Die Tage bevor wir abgereist sind, hatten wir fünf, sechs Grad und Regen. Es war wirklich richtig kalt", sagte Krause. Bei ihrem Rennen, das eigentlich zu einem ersten Highlight werden sollte, herrschten dann über 35 Grad im Schatten. "Klimawechsel, heiße Temperaturen, schwere Beine vom Training. Es kam heute alles zusammen", sagte Krause, die eigentlich ihren sechsten Titel in Serie holen wollte: "Das war definitiv nicht mein Tag und die Form, die ich von mir erwartet habe und die man von mir kennt." Und so kürte sich Elena Burkard zur deutschen Meisterin mit 9:50,31 Minuten - eine Zeit, die Krause sonst locker im Training abspult.

Es ehrt Krause, dass sie keine Ausreden gelten lassen wollte. "Ich habe mich nicht verletzt, es sind eher meine Oberschenkel, die heute nicht so wollten, wie ich", sagte sie: "Ich hatte keinen Speed. Die Beine wurden nach unten gedrückt, von muskulären Problemen, der Hitze, was auch immer." Doch aufgeben gilt für Krause, Miss Zuverlässig, natürlich nicht: "Ich habe eigentlich sehr gut trainiert und hoffe, dass ich das bei anderen Wettkämpfen, die noch kommen, unter Beweis stellen kann."