Rugby beim SC Frankfurt 1880.

Auch im Rugby wird momentan aufgrund der Corona-Krise nicht gespielt. Die Lage ist mehr als kompliziert. Über die Frage, wie es weitergehen kann, herrscht Uneinigkeit - auch bei den hessischen Clubs.

Kein Körperkontakt, keine Berührungen, zwei Meter Abstand - kaum eine Sportart steht für die Gegensätze in der Corona-Krise wie Rugby. Hier geht es zur Sache, hier knallen Körper mit Wucht aufeinander, hier wird getacklet, geschoben und sich immer und immer wieder angefasst. Genau deswegen steht der Sport aktuell aber auch komplett still. Die Liga ist - wie viele andere Sportligen in Deutschland auch - unterbrochen, Trainingsbetrieb in kleineren Gruppen zudem nicht möglich. Ein existenzbedrohender Zustand, der auch vor den hessischen Clubs nicht Halt macht - und Fragen nach dem Umgang mit der Krise aufwirft.

Ein Grund dafür: Sowohl der SC Frankfurt 1880 und der RK Heusenstamm aus der Bundesliga sowie der BSC Offenbach aus der 2. Bundesliga befanden sich zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung auf richtungsweisenden Positionen in der Tabelle. Der SC 80 war auf dem Weg, seinen Meistertitel in der Bundesliga zu verteidigen, der RKH befand sich auf dem letzten Platz in der Bundesliga und wäre damit abgestiegen und die Offenbacher wiederum standen im Rugby-Unterhaus auf einem Aufstiegsplatz.

Aufsteiger, aber keine Absteiger?

Kein Wunder also, dass besonders Heusenstamm und Offenbach mit Spannung erwarten, was am 9. Mai passiert. Dann will der Deutsche Rugby Verband entscheiden, was mit der unterbrochenen Saison passiert. Mehrere Möglichkeiten stehen zur Auswahl: zum Beispiel ein Saisonabbruch ohne Meister, Aufsteiger und Absteiger. Für Heusenstamm wäre das die beste Lösung, auch wenn Vereinssprecher Enzo Nuzzo betont: "Wir wollen die Saison zu Ende spielen und würden das auch tun." Sollte das nicht möglich sein, würde der RKH für das Modell ohne Auf- und Abstieg plädieren. "Es ist für uns keine Option, absteigen zu müssen in einer unverschuldeten Situation," so Nuzzo.

Das sieht man in Offenbach freilich ganz anders. Der BSC fegte bislang durch die Liga und steht mit einigem Abstand auf dem ersten Platz. Der Zweitligist würde so um den verdienten Aufstieg gebracht werden. "Für uns wäre es das Beste, wenn die aktuelle Tabelle zählt und die Mannschaften auf einem Aufstiegsplatz aufsteigen und die auf einem Abstiegsplatz absteigen", erklärt Trainer Wynston Cameron-Dow. Wäre das nicht gewünscht, müsste die Bundesliga vergrößert werden. Dann gäbe es zwar Aufsteiger, aber keine Absteiger.

"Die Lage ist dramatisch"

So unterschiedlich die Ansichten in dieser Frage sind, so einheitlich ist die generelle Beurteilung der Rugby-Lage. "Die ist sehr dramatisch", bringt es Uli Byszio, Vizepräsident vom SC Frankfurt, auf den Punkt. "Die Finanzen sind sowieso schon angespannt. Ich mache mir große Sorgen." Und da ist die Frage, wie die Bundesliga die Saison regelt, noch das kleinste Fragezeichen. Denn das viel größere ist, wann überhaupt wieder Rugby gespielt werden darf.