Taylor Vause bejubelt den Sieg in Kassel

Der EC Bad Nauheim steht nach dem Erfolg gegen die Kassel Huskies erstmals seit 18 Jahren wieder in einem Playoff-Halbfinale. Für den DEL2-Club ist das etwas Besonderes, denn in Bad Nauheim läuft vieles anders als an anderen Eishockey-Standorten.

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Bad Nauheim gewinnt Entscheidungsspiel gegen Huskies

Bad Nauheim Kassel
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Viel geschlafen hat Andreas Ortwein nicht. "Es war eine kurze Nacht", sagt der Geschäftsführer des EC Bad Nauheim im Gespräch mit dem hr-sport und fügt lachend hinzu: "Aber das halte ich schon noch aus." Vor allem, weil der Grund für den wenigen Schlaf mit dem Einzug ins Playoff-Halbfinale der Roten Teufel ein freudiger ist. Mit dem Sieg im siebten Spiel hat das Team von Trainer Harry Lange am Dienstagabend für die Entscheidung gesorgt. Ausgerechnet gegen die Kassel Huskies, ausgerechnet in der Kasseler Eissporthalle.

"Derby-Erfolge sind natürlich zusätzliches Salz in der Suppe", verrät Ortwein. Nach der Schlusssirene habe er auch deshalb für einen kurzen Moment inne gehalten, den Moment genossen. Besonders aber ist der Halbfinal-Einzug nicht nur, weil die Bad Nauheimer den nordhessischen Konkurrenten bezwungen und mit 7:3 einen im Ergebnis deutlichen Sieg eingefahren haben, sondern weil der Sprung unter die Top vier zuletzt vor 18 Jahren gelang.

"Grandiose Dinge, die nicht so oft passieren"

"Damals habe ich noch den Liveticker geschrieben, heute bin ich Geschäftsführer", schmunzelt Ortwein. Und nicht nur das hat sich bei den Roten Teufeln verändert. Der Club hat sich entwickelt – und das fernab der Unruhe anderer Eishockey-Standorte. Zwar gibt es auch in Bad Nauheim große Emotionen, ein gewachsenes Fan-Umfeld und in sportlich schwierigeren Zeiten deutlich geäußerten Unmut. "Wir führen den Club wie eine Familie. Das heißt nicht, dass sich nicht auch mal gezankt wird, aber eben ausschließlich innerhalb des Clubs", so Ortwein. Dispute öffentlich austragen, das wollen sie in Bad Nauheim nicht.

Auch deshalb, da ist sich der Geschäftsführer sicher, wächst der Rückhalt in Stadt und Region. Nach dem Erfolg in Kassel haben die Fans die Mannschaft noch in der Nacht an der Halle empfangen. Für das Team hatte es zuvor schon ein "Bierchen im Bus" gegeben – ansonsten gilt mit Blick auf die am Donnerstag (20 Uhr) beginnende Halbfinal-Serie gegen Ravensburg Disziplin, also für die Spieler. Die Verantwortlichen haben noch auf den Erfolg angestoßen und die besonderen Momente an einer Bad Nauheimer Theke Revue passieren lassen. "Das sind einfach grandiose Dinge, die nicht so oft passieren", so Ortwein.

Planung schon für das Finale

Auch deshalb hat der Geschäftsführer zwischen Trubel und Theke schon umgeschaltet – schließlich gilt es nun, die anstehenden Spiele auch organisatorisch vorzubereiten. Mit Trainer Lange hat er sich schon über den Gegner ausgetauscht, als die Mannschaft in Kassel zur zweiten Ehrenrunde auf dem Eis war, im Auto zurück nach Bad Nauheim begannen dann die weiteren Planungen. "Wer im Halbfinale steht, will auch ins Finale", so Ortwein.

Weil die Halle in Bad Nauheim aber eigentlich nach Ostern schließt, stehen jetzt Gespräche mit der Stadt an, der Ticketverkauf muss organisiert werden. Und dann hofft der Geschäftsführer, dass in den kommenden Tagen auch jene Spieler zurückkehren, die wegen einer Corona-Infektion gefehlt hatten. "Gegen Ravensburg müssen wir über die mannschaftliche Geschlossenheit und Kampf kommen", sagt er. "Wir haben nicht die Topspieler wie Ravensburg, die über vier Reihen einen Top-Kader haben." Dass seine Mannschaft gegen einen der Mitfavoriten in der DEL2 dennoch bestehen kann, davon ist Ortwein überzeugt. Und dann haben die Roten Teufel vielleicht die nächste kurze Nacht.