Lola Liang von den Löwen Frankfurt

Lola Liang gilt als großes Talent im deutschen Eishockey. Doch weil ihre Sportart noch immer eine Männerdomäne ist, spielt die Frankfurterin regelmäßig gegen Jungs. Eine Story von derben Sprüchen und fliegenden Fäusten.

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Lola und die Eishockeyjungs
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In der kleinen Eishockey-Kabine riecht es nach Schweiß – und das schon vor dem Spiel. Dicht gedrängt sitzt einer neben dem anderen, es ist so wenig Platz, dass sich die Jungs jedes Mal anrempeln, wenn sie ihre dicken Schoner auf die durchtrainierten Oberkörper packen. Laute Musik dröhnt aus den Boxen, es wird geflachst, ab und zu fällt auch mal ein derber Spruch. Eishockey-Kabine eben. Man muss schon sehr genau hinschauen, um zu erkennen, dass zwischen all den Jungs, die fast schon Männer sind, auch ein Mädchen sitzt. Lola Liang, 15 Jahre alt, bindet ihr schwarzes Haar zu einem Zopf. Schoner an, Helm auf. Alles ganz normal. Wirklich?

Männersport Eishockey

In der U17-Mannschaft der Löwen Frankfurt ist sie das einzige Mädchen. Sie spielt in einem Team mit Jungs, die nicht nur älter, sondern ihr körperlich auch deutlich überlegen sind. Lola grinst. "Für mich ist das nichts Besonderes", sagt sie. Schließlich habe sie schon immer mit Jungs zusammengespielt, von Beginn an. Klar, hin und wieder komme mal ein blöder Spruch. "Dann können mich die Jungs auch mal nerven, aber am Ende habe ich sie trotzdem gern."

Lola hat kaum eine andere Wahl. Eishockey gilt in Deutschland immer noch als Männerdomäne, es gibt nur wenige reine Frauenteams, weil es auch nur wenige Spielerinnen gibt. Nur zehn Prozent aller Aktiven sind in Deutschland weiblich, das ist nicht viel. Der Deutsche Eishockey Bund meldet zwar, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Mädchen den Weg in ihre Sportart gefunden haben, schaut man sich aber die nackten Zahlen an, wird das Problem schnell deutlich. 748 Mädchen spielen in Deutschland Eishockey. 748. Das ist quasi nichts.

Karriere dank eines Einkaufszentrums

Jan Barta steht am Außenring der Frankfurter Eissporthalle und schaut Lola beim Aufwärmen zu. Er ist ihr Trainer und lobt sie in den höchsten Tönen: "Körperlich ist sie den Jungs zwar unterlegen, das gleicht sie aber auf den Schlittschuhen aus. Lola ist extrem schnell." Barta, früher selbst mal Profi, glaubt, dass viele Mädchen vom rauen Umgang in einer Eishockey-Kabine abgeschreckt sind. "Eishockey-Spieler haben eine harte Maske auf."

Lola hat das bisher nicht gestört. Sie flitzt mit dem Schläger übers Eis seit sie fünf Jahre alt war. Damals war sie zu Besuch bei ihren Großeltern in China, und weil die kleine Lola Beschäftigung suchte, schickten ihre Eltern sie in einem Einkaufszentrum auf eine Eisfläche, bezahlten ihr eine Trainingsstunde. Die Leidenschaft war entfacht. Zurück in Frankfurt meldeten die Eltern ihre Tochter in Frankfurt an, seitdem hat sie sich durchgebissen.

Rücksicht gibt es nicht

Die gegnerischen Jungs nehmen auf sie keine Rücksicht, das wäre im Eishockey auch selten dämlich. Es wird ausgeteilt und eingesteckt. Kaum eine Sportart ist so knallhart und doch so herzlich. Auf dem Eis darf sich geprügelt werden, daneben wird sich vertragen. "Wenn es emotional zugeht, dann wird sich schon mal ausgeteilt. Dann sind halt alle mit dabei und dann schlägt man zu", sagt Lola. Früher habe ihr das schon ein bisschen Spaß gemacht, "heute sind die Jungs einfach stärker. Da überlege ich mir lieber zweimal, ob ich da wirklich mitmache."

Mittlerweile spielt Lola auch im Frauenteam der Mad Dogs Mannheim, sie ist deutsche U20-Nationalspielerin. Ihr großes Ziel? Die nächsten olympischen Winterspiele, die 2022 in Peking stattfinden, im Heimatland ihrer Großeltern, dort, wo auf einer Eisfläche im Einkaufszentrum alles begann. "Das", träumt Lola, "wäre für mich das Größte".