Sebastian Vettel beim Qualifying in Barcelona.
Sebastian startet in Barcelona vom dritten Startplatz. Bild © Imago Images

Es war ein Jetzt-oder-Nie-Rennen für Sebastian Vettel, doch auch in Barcelona hatte der Heppenheimer gegen die Mercedes-Konkurrenz keine Chance.

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Machtlos, wehrlos, ratlos - Sebastian Vettel und Ferrari haben in Spanien den nächsten Absturz erlebt und wirken neben den historisch starken Silberpfeilen zunehmend wie die Statisten der Formel 1. Sieger Lewis Hamilton und Valtteri Bottas sorgten für den fünften Mercedes-Doppelsieg im fünften Saisonrennen - einmalig in der Geschichte der Formel 1. Hamilton steht nun wieder an der Spitze des Klassements - Vettel verpasste als Vierter hinter Red-Bull-Star Max Verstappen dagegen sogar das Podest.

Für seinen Teamrivalen Charles Leclerc reichte es nur zu Rang fünf, Ferrari hat das Rätsel um den eigenen Boliden damit auch auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya nicht gelöst: Der SF90 ist bislang einfach kein Sieger-Auto. Auch ein Fehler von Vettel noch vor der ersten Kurve und eine mal wieder naive Rennstrategie der Scuderia trugen zum nächsten Tiefschlag bei.

Vettel ist nur noch WM-Vierter

Mit nun 112 Punkten führt Hamilton im WM-Rennen knapp vor Bottas (105), der am Sonntag zum dritten Mal in Serie von der Pole Position gestartet war, den Platz aber schon am Start verlor. Vettel (64) ist nur noch WM-Vierter hinter Verstappen (66).

Vettel und Ferrari dürften bei der schier aussichtslosen Jagd auf Mercedes langsam die Ideen ausgehen, denn Barcelona war eigentlich ein Jetzt-oder-Nie-Rennen. Die Scuderia war mit einem neuen Motor sowie Updates für Front- und Heckflügel angereist - der Kurs, auf dem Ferrari bei den Tests im Februar beeindruckte, sollte endlich die Wende bringen. Doch schon das Qualifying wurde zum Debakel, acht Zehntel fehlten Vettel auf Startplatz drei zu Bottas.

"Ganz sicher ist der Start ein Schlüsselmoment."

Und in Spanien sind verlorene Qualifyings besonders problematisch. "Es ist hier nicht unmöglich zu überholen, aber sehr schwierig", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto vor dem Rennen: "Ganz sicher ist der Start ein Schlüsselmoment."

Das verinnerlichte Vettel, vielleicht ein bisschen zu sehr: Der Deutsche kam gut weg und schob sich auf der Außenbahn sogar leicht an Bottas vorbei, vor der ersten Kurve verbremste er sich dann aber heftig. Die Silberpfeile musste er ziehen lassen, Hamilton setzte sich vor Bottas, auch Max Verstappen ging an Vettel vorbei - und durch den Bremsplatten war der Hesse in der Folge viel zu langsam.

"Holt mich rein, holt mich rein!"

Leclerc saß ihm im Nacken, dennoch zögerte Ferrari wieder unerklärlich lange, den Monegassen vorbeizuwinken. Erst nach zwölf Runden tauschte das Duo die Positionen, und Leclerc zog gleich davon. Vettel kämpfte indes mit seinen Reifen und forderte im Boxenfunk fast schon flehend: "Holt mich rein, holt mich rein!"

Nach 20 Runden wurde er erlöst, doch dann vermasselte die Crew den Stopp: 4,4 Sekunden dauerte der Reifenwechsel, fast doppelt so lang wie üblich. Auf den Medium-Pneus machte Vettel sich wieder auf den Weg, eine ganze Weile später wurde auch Leclerc an die Box gerufen. Der Monegasse bekam die harten Reifen und lag weiter knapp vor Vettel. Auch an der Spitze hatte sich nichts geändert: Hamilton führte deutlich vor Bottas, es folgten Verstappen, Leclerc und Vettel.

Ferraris eigenartige Renntaktik

Und nun wiederholte sich die eigenartige Ferrari Renntaktik: Vettel hing mit den weicheren und damit schnelleren Reifen lange hinter Leclerc fest und konnte den vermeintlichen Vorteil dieser Pneus nicht ausspielen. Erst kurz nach der Rennhalbzeit durfte er vorbei.

Ein Safety Car zu Beginn der Schlussphase ließ das Feld noch mal zusammenrücken, doch an der Reihenfolge änderte sich nichts mehr. Auch auf Verstappens Red Bull konnte Vettel keinen Druck mehr ausüben.