Teilnehmerinnnen und Teilnehmer des Frankfurt Marathons auf der Alten Brücke

Noch ist der Frankfurt Marathon nicht abgesagt – es scheint aber nur noch eine Frage der Zeit. Veranstalter Jo Schindler wartet auf die Entscheidung des Landes Hessen und hofft, dass er mit seinem Team bis zum nächsten Jahr durchhält.

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Hessenscheu vom 27.10.2019
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Schlaflose Nächte kennt Jo Schindler nur zu gut. Dabei ist der Veranstalter des Frankfurt Marathons ein Routinier, hat unzählige große Rennen organisiert, Unwägbarkeiten stets mit einem charmanten Lächeln aus dem Weg geräumt. Kurzum: Schindler ist sturmerprobt. Doch die Corona-Pandemie ist natürlich auch für ihn eine Herausforderung. "Die schlaflosen Nächte, das waren die des Abwägens. Was ist machbar? Was ist zumutbar", sagt er im Gespräch mit dem hr-sport. Für die Läufer, Sponsoren, vor allem aber für sein Team. "Wir sind ein Familienbetrieb."

Einer, der Jahr für Jahr den Frankfurt Marathon organisiert, der sich vom Anmeldebogen über die Bananen an der Strecke bis zur Medaille in der Festhalle um alles kümmert. Noch ist der Frankfurt Marathon 2020 am 25. Oktober nicht offiziell abgesagt, das aber scheint eine Frage der Zeit. "Wir rechnen mit der Absage – sie ist in jedem Fall wahrscheinlicher als ein Stattfinden", so Schindler.

Kontaktverfolgung? "Keine Chance"

Die Entscheidung aber trifft nicht der Veranstalter, sondern das Land Hessen. "Das liegt bei der Staatskanzlei, schließlich ist das Land der Verordnungsgeber." Das heißt in diesem Fall: Schindler wartet auf die Entscheidung der Politik. Nach aktuellem Stand sind Veranstaltungen und Versammlungen bis Ende Oktober nur mit maximal 250 Teilnehmern erlaubt. Im Jahr 2018, um nur ein Beispiel zu nennen, hatten sich 26.826 Läuferinnen und Läufer für den Frankfurt Marathon angemeldet. Und: "Wir gehen davon aus, dass da in unserem Fall auch die Zuschauer dazugehören", sagt Schindler. Neben Abstands- und Hygieneregeln lautet daher ein weiteres Stichwort: Kontaktverfolgung.

Es müsste also möglich sein, nach Ende des Marathons exakt nachzuverfolgen, wer, wann, wo, an der Strecke zugesehen und seine Liebsten unterstützt hat, um etwaige Infektionsketten nachzuvollziehen. "Da sehen wir keine Chance", betont Schindler. Schließlich zieht sich die Marathonstrecke auch in Frankfurt über satte 42,195 Kilometer – und das nicht auf einem abgeschlossenen Gelände.

Entscheidung bis Ende Juli

"Wir sind im Austausch mit dem Land Hessen, und ich habe die Bitte hinterlegt, bis Ende des Monats eine Entscheidung zu bekommen", so Schindler. Denn bis dahin konnten er und sein Team "die kostenauslösenden Maßnahmen" noch schieben – also etwa die Bestellung der Medaillen oder Verträge mit Dienstleistern. Dann aber brauchen sie eine Entscheidung. Die wahrscheinliche Absage wäre mit "massiven wirtschaftlichen Einbußen verbunden".

Wie es weitergeht, wenn der Frankfurt Marathon tatsächlich abgesagt wird? "Wir müssen schauen, dass wir irgendwie ins nächste Jahr kommen", so Schindler. "Ich denke nicht, dass das der Todesstoß für den Frankfurt Marathon wäre, aber wir müssen hoffen, dass uns die Sponsoren und Läufer die Stange halten."

Lösungen suchen und finden

Zumindest für all jene, die im Oktober in Frankfurt die Laufschuhe schnüren wollten, dürfte Schindler vorsichtig optimistisch sein. Schließlich war die Zahl der Anmeldungen auf Rekordkurs – bis Corona dem Ganzen ein jähes Ende setzte. Klar ist: Alle, die sich für 2020 angemeldet haben, sollen auch im kommenden Jahr einen Startplatz bekommen. "Wir hoffen auf die Akzeptanz von Gutscheinen", so Schindler.

Doch nicht nur daran arbeitet er gerade mit seinem Team, auch die finanziellen Nöte gilt es zu lösen. "Wir versuchen eine Regelung mit unserer Hausbank zu finden", sagt er. Bis dahin – und bis zur Entscheidung des Landes Hessen – braucht Schindler den sprichwörtlich langen Atem der Marathonläufer. Schlaflose Nächte drohen ohnehin.