Spieler der Kassel Huskies bejubeln 2016 den Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft.

Hallenumbau, Kaderplanung, ein neuer Mann im Management: Nach turbulenten Monaten drehen die Kassel Huskies so gut wie alles einmal auf links. Fans des Eishockey-Clubs warten aber vor allem auf eine Ansage des Gesundheitsamtes.

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Ein Kassel-Spieler und ein Frankfurt-Spieler kämpfen um den Puck. Caption: "Es kann nur einen geben"
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Manchmal muss man einfach mal die alten Werte erhalten. Mit diesen Worten könnte Paul Sinizin fast schon philosophisch die Neuausrichtung seines Clubs beschreiben, dem neuen Mann im Management der Kassel Huskies geht es aber um ein ganz handfestes Thema: den Umbau der mittlerweile 44 Jahre alten Eissporthalle direkt neben dem Auestadion.

Bereits im Januar hatten die ECK-Verantwortlichen mit den Planungen für die Renovierung ihrer altehrwürdigen Heimspielstätte begonnen, seit Juni laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren. Unter anderem eine komplett neue Beleuchtung, eine Flexbande rund um die Eisfläche sowie eine Neubestuhlung großer Teile der Tribünen sollen aus der alten Halle eine moderne Arena machen – die gleichzeitig ihren Charme jahrzehntelanger Eishockeytradition behält.

Kassel Huskies: Paul Sinizin als Investor eingestiegen

Was das Ganze kostet? Da hüllen sich die Nordhessen in Schweigen. Ex-Profi Michael Christ, der sich nach seinem Karriereende um die Hallen-Organisation kümmert und den Umbau leitet, spricht von einem "Millionen-Projekt". Allein eine Flexbande, um nur ein Beispiel zu nennen, kostet 250.000 Euro.

Der Mann, der die erste große Modernisierungsaktion seit vielen Jahren möglich macht, ist Sinizin selbst. Anfang des Jahres stieg der 40-Jährige als Investor bei den Huskies ein - und mittlerweile ist klar: Seine Rolle ist bereits jetzt viel wichtiger. Als neuer Partner in der Organisation wird er an der Seite von Geschäftsführer Joe Gibbs arbeiten. "Joe und ich werden das gemeinsam und partnerschaftlich machen", erläutert Sinizin. In das Handelsregister sei er aber "noch nicht" eingetragen.

Fehler bei der Bewerbung, aber DEL bleibt das Ziel

"Paul hat unheimlich viel Wissen und Energie", sagt Gibbs über seinen neuen Partner, der als 13-Jähriger aus dem sibirischen Omsk nach Vellmar (Landkreis Kassel) gekommen war. Im Jugendbereich der Huskies war Sinizin als Außenstürmer aktiv, heute ist der Geschäftsmann Kapitän der Kasseler Hessenliga-Mannschaft. Seine neue Funktion bei den Schlittenhunden – sie hat dem zweifachen Familienvater turbulente Sommermonate beschert.

Paul Sinizin

Die Enttäuschung über den knapp verpassten Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) war gerade verflogen, da folgte Anfang Juni ein großer Knall: Weil der Club bei der Bewerbung auf eine mögliche Aufnahme ins Oberhaus Fehler gemacht hat, ist eine Rückkehr in die erste Liga auch 2022 praktisch ausgeschlossen. Der ECK bleibt damit für mindestens zwei weitere Jahre in der zweiten Liga. "Dann spielen wir eben noch ein Jahr länger DEL2", sagt Sinizin, "und werden zwei Mal Meister." Über kurz oder lang wollen die Kassel Huskies zurück in die DEL, daran hat sich nichts geändert.

Hauptsponsor fehlt auf neuem ECK-Trikot

Der Rückweg in die Beletage des deutschen Eishockeys führt einzig und allein über eine gesunde Wirtschaftlichkeit, das wissen sie bei den Schlittenhunden, wo stetige finanzielle Herausforderungen ein eigenes Kapitel in der Vereinschronik verdient hätten. 2010 hatte ein Insolvenzantrag zum Absturz aus der DEL in die fünfte Liga geführt, und auch elf Jahre später füllt sich die Kasse nicht von allein: In der kommenden Woche gibt es einen Termin mit dem wichtigsten Sponsor, dessen Logo auf dem neuen Trikot vorerst fehlt.

Beide Seiten befinden sich im Austausch, noch ist nicht final geklärt, wie die Zusammenarbeit künftig aussieht. "Wir werden einen Etat haben, den wir bezahlen können", versichert Gibbs. Und Sinizin ergänzt, der Club sei finanziell "sehr gut" aufgestellt, "es sind keine Überraschungen zu erwarten". In der vergangenen Saison lag der Etat bei schätzungsweise knapp drei Millionen Euro.

2G? 3G? Huskies hoffen auf möglichst viele Fans

Die mitunter wichtigste Einnahmequelle wird auch weiterhin ein Heim-Spieltag sein. Erlöse aus den Verkäufen von Tickets, Speisen und Getränken sowie Fanartikeln können locker weit mehr als 50 Prozent des angestrebten Finanzvolumens ausmachen. Ob die Huskies in der kommenden Spielzeit mit einer 3G-Regelegung ein paar hundert oder mit einer 2G-Regelung bis zu 5.000 Fans begrüßen dürfen, ist noch offen.

Die komplette Mannschaft, die momentan zum Training nach Lauterbach pendelt, ist vollständig durchgeimpft. Am 25. September soll in Kassel die Eisfläche aufbereitet werden, sechs Tage später startet mit einem Heimspiel gegen die Tölzer Löwen die neue Saison – und damit auch die Zwei-Titel-Mission der Huskies.