Spieler der Marburg Mercenaries und der Frankfurt Universe in einer Spielszene

Im Profi-Football gibt es Knatsch. Laut Bundesligist Frankfurt Universe sogar richtig schlimmen. Ligasprecher Carsten Dalkowski sieht das etwas anders.

Der Bericht des hr-sport hat hohe Wellen geschlagen in Football-Deutschland. Alexander Korosek, Geschäftsführer des Bundesligisten Frankfurt Universe, hat dem American Football Verband Deutschland (AFVD) vorgeworfen, gegen die Vereine zu agieren. Das Vertrauen in den Verband sei dahin, das Tischtuch zwischen AFVD und Clubs zerschnitten. Auf Verbandsseite weiß man hingegen wenig von einem Riss im Tischtuch.

Stein des Anstoßes ist die neue Saison in der German Football League (GFL) und der GFL 2. Zwar sollen die Profiligen noch im Corona-Jahr wieder beginnen, allerdings soll es den Vereinen freigestellt sein, ob sie an der Saison teilnehmen oder ein Jahr pausieren. Darauf hatte sich die Liga geeinigt. Das Schreiben des Verbands, das Ende vergangener Woche verschickt wurde, hatte mit dieser Entscheidung laut Korosek aber nichts mehr zu tun.

Kein Exit ohne Begründung

"Es stimmt, dass der Verband etwas anderes gemacht hat, als die GFL wollte", sagte Liga-Sprecher Carsten Dalkowksi im Gespräch mit dem hr-sport. Aber nicht in dem Ausmaß, wie es der Universe-Geschäftsführer darstelle. In neun von zehn Punkten sei der Verband den Beschlüssen der Liga gefolgt. Nur bei der Exit-Option habe sie einen "kleinen, feinen Unterschied" eingearbeitet. "Es braucht eine Begründung", so Dalkowski, der auch Präsident der Marburg Mercenaries ist.

Die Vereine, die eine Saison lang aussetzen wollen, sollen ihre Entscheidung erklären. Ein einfaches "Corona" in der Betreffzeile einer E-Mail reicht allerdings nicht aus, um ein Jahr zu pausieren. Der Verband hat das Recht, die Begründung abzulehnen. Diese Änderung fanden Dalkowski zufolge einige Vereine in Ordnung, andere fühlten sich eher vor den Kopf gestoßen. "Gerade Frankfurt fand das besonders schlimm. Wir wollen aber eigentlich nur wissen, wo der Schuh drückt." Eine erklärende Mail habe man am Montag noch einmal an alle Vereine verschickt.

Mercenaries-Präsident Carsten Dalkowski bei einer Rede mit Mikrofon

Korosek ist kein Ligasprecher

Warum der Universe-Geschäftsführer außerdem der Meinung ist, dass die Lizenz für die Saison 2021 in Gefahr sei, wenn Frankfurt in diesem Jahr nicht spielt, kann sich der Mercenaries-Präsident nicht erklären.

Als "Kindergarten" hatte Korosek das Gebahren des Verbands bezeichnet. Dalkowski wiederum hat nach den öffentlichen Äußerungen des Universe-Geschäfstführers Mails von anderen Vereinsverantwortlichen erhalten, die sich über den Frankfurter aufregten. Immerhin sei Korosek Geschäftsführer der augelagerten Betriebs GmbH und kein Vereinsverantwortlicher bei Frankfurt Universe. "Herr Korosek hat kein Mandat, für die Liga zu sprechen", fasst es Dalkowski kurz und knapp zusammen. Für die schwierige Lage in Frankfurt hat er dennoch Verständnis.

Gefahr der Liga-Spaltung

Bis Freitag sollen sich die Erst- und Zweitligisten entscheiden, ob sie an der Saison teilnehmen oder nicht. Wer um einen Aufschub bis zum Wochenende bittet, wird diesen aber gewährt bekommen, ließ Dalkowski durchblicken. Wie viele Vereine die Saison spielen werden, lässt sich also frühestens am Sonntag zuverlässig sagen. Der Liga-Sprecher geht davon aus, dass es "auf etwa 50:50 hinauslaufen wird". Die Marburg Mercenaries werden in ihre Uniformen schlüpfen. Frankfurt Universe prüft noch die Optionen.

Die Gefahr, dass es zu einer Spaltung in Football-Deutschland kommt, sei da, gibt Dalkowksi unumwunden zu. Er hofft, dass es soweit nicht kommt. "Die letzten drei Monate waren sehr anstrengend", so der gebürtige Marburger. Aber trotz aller unterschiedlicher Voraussetzungen und Interessen wollten alle Vereine doch am Ende dasselbe: Football spielen.