Steve Cluley, Quarterback von Frankfurt Universe mit Football in der Hand

Die Verantwortlichen von Frankfurt Universe wollen 2021 wieder Football spielen lassen. In einer anderen Liga, unter anderem Namen. Aber gerne mit den Fans des Stammvereines. Ob das gutgehen kann?

Washington D.C. und Frankfurt am Main haben ein Football Team. Das klingt erst mal nicht ungewöhnlich, ist aber tatsächlich wortwörtlich gemeint: In der National Football League (NFL) tritt das Team aus der Hauptstadt der USA in dieser Spielzeit als "Washington Football Team" an, weil der alte Name "Washington Redskins" inzwischen als politisch inkorrekt gilt und auf Drängen von Sponsoren kurzfristig eingemottet wurde. Ein neuer, klingenderer Teamname wird noch gesucht.

In Frankfurt hat Alexander Korosek, der einstige Geschäftsführer von Bundesligist Frankfurt Universe, vor kurzem ein neues Team gegründet, mit dem er künftig in der ebenso neugegründeten European League of Football (EFL) antreten will. Und während er Trainer Thomas Kösling ebenso für sein neues Projekt begeistern konnte wie – so ist zu hören – wohl auch einen Großteil seiner ehemaligen Spieler, kann er den Teamnamen nicht mitnehmen in die neue Liga. Also ist auf der Homepage der Betreibergesellschaft vorerst nur vom "Frankfurter Football Team" die Rede.

Galaxy, Universe, Frankfurter Football Team

Die Ankündigung der Abspaltung kam in der vergangenen Woche einigermaßen überraschend – auch für den Verein Frankfurt Universe. Der Club würde gerne weiter in der German Football League (GFL), der höchsten deutschen Spielklasse, antreten. Ohne Korosek, Kösling und zahlreiche Spieler könnte der Neuanfang für den Bundesligisten allerdings schwer werden. Hinzu kommt: Auch die Fans drohen dem Verein mit der hauseigenen Konkurrenz-Mannschaft abhanden zu kommen.

Das Frankfurter Football Team versteht sich als Fortsetzung des "lila Football" in der Mainmetropole. In den 1990er Jahre gab es Frankfurt Galaxy, dann kam Frankfurt Universe und nun eben das Team, das noch nach einem Namen sucht. "Wir können purple auf gar keinen Fall sterben lassen", machte Korosek in einer ersten Online-Infoveranstaltung am Sonntag deutlich, in welchen Farben die Uniformen des neuen Teams erstrahlen werden. Mit dem FSV Frankfurt ist man bereits in Verhandlungen, um die Spiele wie gewohnt am Bornheimer Hang austragen zu können. Auch Maskottchen Franky sowie einige Cheerleader würde man gerne vom Stammverein übernehmen. Als Konkurrenz zur Universe will sich das neue EFL-Team dennoch nicht verstanden wissen.

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Kooperation nicht möglich

Zur Abspaltung vom Mutterverein sah sich Korosek vom American Football Verband Deutschland (AFVD) gezwungen. In der Corona-Saison hatten sich der Verband und einige Club-Verantwortliche überworfen. "Wir als Teams hatten uns immer gewünscht, dass wir den offenen Dialog mit dem Verband bekommen oder er auf die Vorschläge der Teams eingeht", so Korosek. Das sei aber nie passiert. Die Neugründung der EFL habe er als Chance gesehen, Football in Deutschland "auf ein neues Level zu heben".

Mit Frankfurt Universe wolle man auch weiter eng verbunden bleiben. Eine offizielle Kooperation könne es wegen der Statuten des AFVD aber nicht geben. Head Coach Kösling beteuerte, dass er auch weiterhin Mitglied bei der Universe bleiben werde, die Abspaltung aber unvermeidlich gewesen sei. "Das ist der einzige Weg, der den lila Football weiterbringt, so wie wir uns das vorstellen. Und wenn die Kröte, die wir dafür schlucken müssen, ist, für den Moment von Frankfurt Universe zur Seite treten zu müssen offiziell, dann muss man das vielleicht tun."

Make Football great again

Die EFL, die im Sommer 2021 mit zunächst acht Teams aus Deutschland und Polen an den Start gehen soll, orientiert sich stark am Vorbild NFL. Vereine wird es in der Liga nicht geben, nur Franchises. Die Regeln der NFL sollen weitestgehend übernommen werden. CEO der neuen Liga wird der Ex-Geschäftsführer von ProSiebenSat.1 und Sport1, Zeljko Karajica. Als Commissioner fungiert der TV-Kommentator und Football-Trainer Patrick Esume. Spekuliert wird, dass der Fernsehsender ProSieben Maxx, der auch einige Spiele der NFL überträgt, als TV-Partner einsteigen soll.

Bei AFVD und GFL steht man dem neuen Player auf dem deutschen Markt verständlicherweise skeptisch gegenüber. Die Angst: Die EFL könnte der deutschen Liga schnell den Rang ablaufen. "Wer sagt, die EFL macht die GFL kaputt, dem muss ich sagen: Das hat nicht die European League of Football zu verantworten", sagt hingegen Korosek. Das habe die GFL schon ganz alleine geschafft. "Die EFL ist dafür da, den Football wieder groß zu machen."