Sebastian Vettel
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Formel-1-Pilot Sebastian Vettel schaut den Silberpfeilen beim Siegen zu, auch in Spanien war er ein Mann ohne Waffe – und muss die Titelhoffnungen fast schon begraben. Ferrari scheint sich mit dem neuen Auto verrannt zu haben.

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Sebastian Vettel in der Boxengasse

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Die Dämmerung brach schon über Barcelona herein, da wurde das Ausmaß des Scheiterns von Ferrari so richtig deutlich. Während die Doppelsieger von Mercedes ihre historische Serie feierten, musste die Scuderia sich mit den Grundsätzen des Rennsports befassen. "Wir sind nicht schnell genug, das ist ganz einfach erklärt", sagte Sebastian Vettel: "Leider ist es aber überhaupt nicht einfach zu lösen."

Der viermalige Weltmeister hockte erschöpft in der Ferrari-Hospitality und analysierte diesen fünften Akt des Versagens. Ein knappes Viertel der Saison ist gerade erst absolviert, und doch scheint schon nach dem Großen Preis von Spanien klar: Ferrari, Vettel und sein Teamkollege Charles Leclerc werden in diesem Jahr nicht ernsthaft um den Titel kämpfen.

"Rotes Desaster in Barcelona"

"Immer schlechter" präsentiere sich das Team, titelte in Italien der Corriere dello Sport, "es gibt einfach keine Entschuldigungen mehr." Und Tuttosport sah gar ein "rotes Desaster in Barcelona". Die Plätze vier und fünf für Vettel und Leclerc, nicht mal für das Podest reichte es.

Denn während Mercedes durch WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und Valtteri Bottas mit dem fünften Doppelsieg im fünften Rennen Formel-1-Geschichte schrieb, war auch Max Verstappen im Red Bull für Vettel nicht zu knacken.

Verunsicherung bei Ferrari?

Und während Mercedes auf geradezu allen Ebenen am oberen Limit arbeitet, läuft bei Ferrari viel zu vieles nicht optimal. Auch in Barcelona zauderte der Kommandostand, als es darum ging, den schnelleren Piloten vorbeizuwinken. War zuletzt meist Leclerc der Leidtragende, traf es in Barcelona beide Fahrer, die jeweils hinter dem Teamkollegen Zeit verloren.

Wieder gab es Kritik, und Vettels Reaktion ließ tief blicken. "Immer, wenn wir spontane Entscheidungen treffen, werden sie am Ende zerredet", sagte der Heppenheimer: "Das hilft uns dann auch nicht für das nächste Mal." Offenbar herrscht mittlerweile so etwas wie Verunsicherung bei den Roten.

Schwächen werden offensichtlich

Und das könnte mehr und mehr auch für ein viel größeres Thema gelten, auch wenn das bei Ferrari öffentlich niemand äußern möchte. Immer mehr deutet darauf hin, dass die Scuderia sich bei der Entwicklung des Autos für 2019 verrannt hat – auch ein Grund, warum die Wirkung des in Spanien erstmals verwendeten Motors völlig verpuffte.

"Das Update hat funktioniert, unser Speed auf den Geraden war gut", sagte Teamchef Mattia Binotto. In der Tat war Ferrari bei den Messungen ganz vorne: "Aber wir haben Schwächen, die hier offensichtlich wurden. Wir haben in jeder Kurve verloren."

Nicht Mercedes hat den falschen Weg eingeschlagen

Ferrari hat mit Einführung des neuen Aerodynamik-Reglements auf ein völlig anderes Frontflügelkonzept als Mercedes gesetzt. Noch bei den Tests im Februar schien es, als hätten die Silberpfeile den falschen Weg eingeschlagen, doch das Gegenteil ist wohl der Fall. Der SF90 hat große Probleme, gleichmäßigen Anpressdruck auf Vorder- und Hinterachse zu erzeugen, der Auslöser könnte der Frontflügel sein.

Gravierend ist das, weil dieses Problem nicht mit der Entwicklung eines neuen Flügels gelöst wäre: Denn der ganze Luftfluss um das Auto würde sich verändern und Anpassungen notwendig machen - möglicherweise ist Ferrari im Jahr 2019 daher gefangen in seinem Konzept.

Nächster Halt: Moncao

Angesprochen auf dieses Szenario, wich Binotto in Barcelona aus. "Unser Auto hat sicherlich Schwächen. Aber es hat auch Stärken, es ist noch zu früh, die Saison abzuschreiben", sagte er. In zwei Wochen geht es übrigens nach Monaco. Und in den verwinkelten Straßen geht ohne Grip: ziemlich wenig.