Sebastian Vettel an der Strecke in Spa

Nach Rang 13 in Spa ist der Heppenheimer Formel-1-Pilot Sebastian Vettel einmal mehr ratlos. Die italienische Presse reagiert ungehalten auf das jüngste Ferrari-Debakel.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hamilton siegt in Spa, Vettel nur 13.

Sebastian Vettel fuhr in seinem Ferrari in Spa nur hinterher.
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Sebastian Vettel wirkte nicht mal mehr sauer, nicht genervt, nicht frustriert, einfach nur ratlos. "Es wäre schön, wenn wir über Nacht den Stein der Weisen finden würden, aber der liegt nicht irgendwo rum", sagte der viermalige Weltmeister, beim Ferrari-Desaster in Spa wie sein Teamkollege Charles Leclerc zum bedeutungslosen Statisten degradiert. Tonlos schob er hinterher: "Ich hoffe wir lernen irgendwas aus Spa."

Das Auto ist ein Flop

Die Frage ist, was soll, was will Ferrari aus der vernichtenden Niederlage in Belgien lernen, was nicht bereits seit Monaten bekannt ist: Der Motor des SF1000 hat keine Leistung, die Aerodynamik ist bescheiden, die Reifen passen nicht in das, was die Formel 1 gerne das Arbeitsfenster nennt. Kurzum: Das gesamte Auto ist ein Flop.

Aus lauter Mitleid mit ihrem lahmenden Paradepferd hatten sich in den vergangenen, deprimierenden Wochen sogar die meinungsfreudigen italienischen Medien ein bisschen zurückgenommen. Das tun sie jetzt nicht mehr. "Der Albtraum geht nie zu Ende", schreibt die Gazzetta dello Sport: "Der Weg nach Monza gleicht einem Kreuzweg." Der Corriere dello Sport fordert: "Es reicht! Gebt uns Ferrari zurück!", Tuttosport verhöhnt das "Desaster Ferrari", und La Stampa titelt: "Rote Schande!"

Ernüchterung vor dem Heimspiel

In England, der Heimat des Formel-1-Herrschers Lewis Hamilton, fühlt man mit den Ferrari-Fahrern, die bei Hamiltons Triumphzug in Spa wie rollende Hindernisse über die Strecke stotterten. "Ferrari, was soll man sagen", schrieb die Sun: "Die Plätze 13 und 14 sind für nichts relevant." Frankreichs Sportbibel L'Équipe mutmaßte gar, bei Ferrari müsse man sich das ganze Wochenende über vorgekommen sein "wie auf einer Sträflings-Galeere".

Dass sich die Situation nun ausgerechnet am kommenden Wochenende beim Heimspiel in Monza verbessert, ist nicht nur fraglich, sondern ganz einfach ausgeschlossen. Der Kurs im Königlichen Park ist wie Spa eine Highspeed-Strecke und bietet keine Chance für ein Team, dessen Autos 2020 im Gegensatz zum vergangenen Jahr langsamer geworden sind. Als einzige übrigens, selbst ein Hinterbänkler-Team wie Williams hat sich um ein paar Hundertstel verbessert.

Mitleid von der Konkurrenz

Woran das genau liegen könnte, spricht in der Formel 1 niemand so richtig offen aus. Noch vor zwölf Monaten hatte Charles Leclerc in Spa und Monza gewonnen, er war förmlich geflogen, selbst Mercedes kam nicht an die Ferrari heran. Danach tauchten Schummelvorwürfe auf, der Weltverband FIA leitete Untersuchungen ein und gab anschließend neue Motoren-Richtlinien heraus. Seitdem fährt Ferrari hoffnungslos hinterher.

Die Konkurrenz ist weit davon entfernt, schadenfroh zu sein. "Zu sehen, wo die da rumfahren, ist schlecht für die gesamte Formel 1", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Sky: "Ferrari ist ein ikonisches Team, aber sie müssen sich an die eigene Nase fassen und sehen, wo sie die Konkurrenzfähigkeit liegengelassen haben."

Vettel vermisst die Fans

Und nun also Monza. Ausgerechnet Monza. Die Bilder der Tifosi, die nach den Rennen die Start-Ziel-Gerade rot einfärben, sind legendär, in diesem Jahr wird es sie nicht geben. Gut für Ferrari, glaubt der Londoner Guardian: "In Monza wird die Abwesenheit der Tifosi ein Segen für das Team sein."

Vettel sieht das anders. "Ich glaube, wir würden nicht ausgebuht werden", sagte er in Spa: "Die Fans leiden bestimmt genauso wie das Team." Er selbst würde "auf jeden Fall lieber vor Zuschauern fahren". Wenn er denn endlich mal wieder ans richtige Fahren käme.