Sebastian Vettel crasht in Führung liegend beim Hockenheim-Rennen 2018 selbstverschuldet in die Wand.

Vor ziemlich genau einem Jahr schmiss Formel-1-Pilot Sebastian Vettel in Hockenheim einen sicheren Sieg weg - und die Talfahrt begann. Bei der Rückkehr zum Großen Preis von Deutschland wirkt der Heppenheimer wie ein Auslaufmodell.

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Sebastian Vettel
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Die Erfolgsspur hat Sebastian Vettel schon vor einer ganzen Weile verlassen. Und wer nach dem Ort sucht, an dem er falsch abbog, der wird in Hockenheim fündig. In der Sachs-Kurve, um genau zu sein. Vor ziemlich exakt einem Jahr steuerte Vettel dort seinen Ferrari unbedrängt ins Kiesbett, schmiss einen sicheren Sieg beim Formel-1-Heimrennen weg.

"Ich habe einiges gutzumachen", sagt Vettel am Mittwoch vor der Rückkehr nach Hockenheim: "Das war ein kleiner Fehler mit großer Wirkung." Und das ist in vielerlei Hinsicht eine Wahrheit. Denn kurzfristig verlor der Heppenheimer damals seine WM-Führung. Langfristig kam ihm in der Folge seine Sicherheit abhanden. Und seine Reputation.

Fehler reihten sich seither an Fehler. In Italien, in Japan, in den USA, in Bahrain, in Kanada, in England, überall auf der Welt brachte Vettel in den vergangenen zwölf Monaten sich selbst und Ferrari um gute Ergebnisse.

100 Punkte Rückstand auf die Spitze

Und wenn der Hesse am Wochenende zum Grand Prix von Deutschland (Sonntag, 15.10 Uhr) antritt, dann rollt da nicht mehr der Ex-Weltmeister in die Startaufstellung, der über die meisten Zweifel erhaben ist. Vettel wird längst angezählt, er wirkt wie ein Auslaufmodell. Als WM-Vierter hat er schon 100 Punkte Rückstand auf Weltmeister Lewis Hamilton im Mercedes.

Der 32-Jährige sei "nur noch eine blasse Kopie jenes Mannes, der vier Titel mit Red Bull gewann", schrieb kürzlich der englische Telegraph und fasste damit die bemerkenswerte Stimmungslage zusammen, für die Vettel selbst sorgt: Jedem ist ersichtlich, dass Ferrari 2019 versagt hat. Dass die Scuderia ein Auto gebaut hat, das gegen Mercedes nicht um den WM-Titel fahren kann. Und dennoch sind mittlerweile vor allem Vettels wiederholte Fehlleistungen das Thema, weniger die des Teams.

Früherer Mentor empfiehlt Luftveränderung

"Jeder sieht, dass er eine schwierige Zeit durchmacht", sagte etwa der viermalige Weltmeister Alain Prost kürzlich. So schwierig sogar, dass längst eifrig über ein Karriere-Ende nach der Saison spekuliert wird. "Auch das erzeugt Druck", sagt Prost, "diese Gerüchte links und rechts."

Vettels früherer Mentor, Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko, sieht das Projekt bei Ferrari gescheitert. "Eigentlich müsste Sebastian ein anderes Umfeld bekommen, sprich, das Team wechseln", sagte der 76-Jährige bei Auto Bild Motorsport: "Aber da sehe ich für 2020 keine Möglichkeit. Du machst Fehler, wenn du dir deiner Sache nicht mehr sicher bist."

Das Vertrauen ins Auto fehlt

Vettel selbst hat eine technische Erklärung zumindest für die Probleme der vergangenen Wochen: Ferrari versucht mit den jüngsten Updates am Auto fieberhaft, den gegenüber Mercedes fehlenden Abtrieb aufzuholen. Das passiert vor allem auf der Vorderachse, und Vettels Fahrstil benötigt seit jeher eher ein stabiles Heck.

"Ich spüre die Hinterachse nicht richtig", sagte er zuletzt in Silverstone, "beim Einlenken habe ich kein Vertrauen ins Auto." Deutlich besser kommt damit Vettels junger Teamkollege Charles Leclerc zurecht, der daher längst aussichtsreich um den Status als Nummer eins bei Ferrari kämpft.

Vettel muss diesen Kampf nun annehmen, und dazu braucht er Erfolge - das Heimrennen bietet vielleicht sogar eine Gelegenheit. Denn es wird heiß in der Kurpfalz, und bei Hitze haben die Mercedes-Silberpfeile häufig Probleme. Das könnte eine Chance sein. Vielleicht findet Vettel ja ausgerechnet in Hockenheim zurück in die Spur.