Sebastian Vettel Ferrari Monza

Beim Heimrennen in Monza gab Ferrari ein Bild des Schreckens ab. Sebastian Vettel hat mit den Roten abgeschlossen, dem Ex-Weltmeister blieb nur die Flucht in den Sarkasmus.

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Ein Ferrari in der Box
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Das Feuer bei Sebastian Vettel loderte auch in Monza - allerdings nur noch an der defekten Bremse seines Ferrari. "I mog nimma", witzelte der Heppenheimer bei seiner Rennbilanz am ORF-Mikrofon. Bei RTL merkte er höhnisch an: "Am Dienstag bin ich im Simulator. Dieses Auto hält wenigstens." Der einstige "Verteidigungsminister" der Scuderia hat nach seiner Ausbootung zum Jahresende und frustrierenden Rennen in Serie den Schutzschild endgültig fallen lassen, allein der Arbeitsvertrag verbindet Vettel noch mit seinem einstigen Traumrennstall.

Nach einem weiteren Wochenende zum Vergessen mit Platz 17 im Qualifying und einem Bremsdefekt in der sechsten Runde verließ der viermalige Weltmeister noch während des Rennens die Strecke, auf der AlphaTauri-Pilot Pierre Gasly für einen Sensationssieg sorgte.

Viel war also möglich am Sonntag in Monza, nur eben nicht für das stolze Ferrari-Team in seiner schwächsten Saison seit 40 Jahren. "Maranello stürzt immer tiefer in ein dunkles Loch", hielt der Corriere della Sera fest. Aus für Vettel, Aus auch für Charles Leclerc nach einem Abflug. "Zum Glück waren keine Tifosi anwesend", spottete La Repubblica.

Bei einem Großen Preis von Italien schnitt Ferrari zuletzt 1995 so schlecht ab. Damals steckte die Scuderia in einer tiefen Krise, doch bald danach ging es steil bergauf: Ein gewisser Michael Schumacher wurde für die Saison 1996 verpflichtet, erst kamen die Siege zurück nach Maranello, dann die WM-Titel. Von einem neuerlichen Aufstieg wie Phönix aus der Asche will man bei Ferrari derzeit nicht mal träumen. Es wäre auch reinste Augenwischerei.

Der SF1000 ist eine Fehlkonstruktion, frühestens 2022 bei neuem Reglement könnte die Rückkehr an die Spitze gelingen. Die beiden Podestplätze in der bisherigen Saison durch Leclerc entsprangen neben fahrerischen Glanzleistungen des Monegassen auch viel Rennglück. Vettel selbst kämpft sich an einem Boliden ab, der nicht nur langsam, sondern auch noch schwer zu bändigen ist.

Platz 13 in der Fahrer-WM spiegeln bei Weitem nicht das Leistungsvermögen eines 53-maligen Grand-Prix-Siegers wider, acht Rennen ohne Top-Fünf-Platzierung sind die mit Abstand schlechteste Serie in der 13-jährigen Formel-1-Karriere des Heppenheimers. "Man denkt dauernd, schlimmer geht es nicht mehr. Aber anscheinend geht es in diesem Jahr immer noch schlimmer", sagte Vettel und fügte bitter an: "Der Drops ist gelutscht, dieses Jahr wird schwierig bleiben, und nächstes Jahr betrifft mich nicht mehr."

Die Kohlen aus dem Feuer müssen andere holen. Leclerc etwa, der einen Vertrag bis 2024 besitzt. Und natürlich die Teamspitze um Mattia Binotto, der auch nach dem "schlimmsten Grand Prix in Monza in Ferraris Geschichte" (La Repubblica) nichts von einer Krise wissen wollte: "Das ist nicht der Fall. Das Fazit heute lautet: Wir haben ein schwieriges Wochenende schlecht abgeschlossen."

Diese Meinung hat er ziemlich exklusiv. Der frühere Ferrari-Pilot Gerhard Berger merkte am Sonntagabend im "AvD Motorsport Magazin" bei Sport1 an, "dass Ferrari wieder etwas in dieses Wunschdenken gefallen ist, wir wollen mit Italienern die Meisterschaft an Land ziehen". So wie zu seiner Zeit bei den Roten (1987-89 und 1993-95). Die bestreiten am Sonntag (15.10 Uhr) auf der firmeneigenen Strecke in Mugello ihr 1000. Formel-1-Rennen. Eine Party wird es nicht geben. Und das liegt beileibe nicht nur am Coronavirus.