Vettel, Leclerc und Hamilton sitzen auf einer Pressekonferenz

Für Sebastian Vettel wird die Luft bei Ferrari dünner. Nach dem Sieg seines jungen Teamkollegen Charles Leclerc in Belgien droht dem Heppenheimer bei Ferrari die Rolle des Wingman.

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Sebastian Vettel klang wie ein Tonband. Monoton, mit schleppender Stimme spulte der vom viermaligen Weltmeister zum Wingman degradierte Hesse stereotyp die immer gleichen Sätze ab: "Ich freue mich für Ferrari, und ich freue mich für Charles. Es war heute mein Job, in der Helferrolle für ihn herzuhalten", sagte er und wirkte dabei müde und ein bisschen resigniert.

"Vettel muss den Weg frei machen!"

Vettel selbst blieb dabei buchstäblich auf der Strecke, als Vierter verpasste er sogar das Podium. Glaubt man den italienischen Gazetten, wird sich das Szenario von Spa künftig wohl öfter wiederholen. "Charles, der Große! Ferrari blickt endlich in die Zukunft", titelte der Corriere dello Sport, und La Repubblica forderte sehr deutlich: "Vettel muss Leclerc den Weg frei machen!"

Genau genommen hat er das in Spa schon getan. Als er in der 16. Runde zum frühen Reifenwechsel an die Box kam, war Vettels Rennen kaputt. "Es ging darum, Lewis (Hamilton, d. Red.) abzublocken und Charles vorne den Rücken freizuhalten", sagte Vettel, und seine Lippen waren ein schmaler Strich, "das hätte mit dem ersten Reifensatz nicht geklappt, deshalb bin ich reingekommen. Es war klar, dass das mein eigenes Rennen zerstört." Teamchef Mattia Binotto bedankte sich überschwänglich bei Vettel: "Bravo Seb, du hast uns heute sehr geholfen."

Erinnerungen an Red Bull

Um Ferrari zu helfen, war der Heppenheimer ja auch Ende 2014 nach sechs äußerst erfolgreichen Jahren bei Red Bull nach Maranello gewechselt. Bei Red Bull hatte es für ihn nicht mehr gepasst: Er fühlte sich im Auto nicht mehr wohl, und der junge Teamkollege, damals hieß er Daniel Ricciardo, machte ihm frech seine Rolle als Nummer eins streitig. 

Wie sich die Bilder gleichen. "Ich habe mich im Auto nicht wohlgefühlt" - das hat Vettel zuletzt sehr oft gesagt, und seine Rolle als Nummer eins dürfte er spätestens in Spa verloren haben. "Nach 13 Grands Prix hat Ferrari begriffen, dass Leclerc der geeignete Mann ist, um das Erbe Maranellos in die Hand zu nehmen", schrieb der Corriere dello Sport.

Ersetzt Mick Schumacher Vettel?

Was aber wird dann mit Vettel? Bei Ferrari wird er über die Rolle des Helferleins kaum noch hinauskommen, zu stark ist Leclerc in seiner gesamten Präsenz, zu hilflos wirkt Vettel bei dem Versuch, zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Ein anderes Team kommt nicht in Frage: Bei Red Bull ist Max Verstappen der Platzhirsch, bei Mercedes gibt es keinen Platz für ihn, und im Mittelfeld herumzudümpeln, wird sich der ehrgeizige Vettel nicht antun wollen.

Zwar hat Vettel bei Ferrari noch einen Vertrag bis Ende 2020, doch ob er den unter den aktuellen Umständen wirklich erfüllen will, scheint fraglich. Schon werden Stimmen laut, die Ferrari den aberwitzigen Vorschlag unterbreiten, Mick Schumacher 2020 in Vettels Ferrari zu setzen. Ein Schumacher im Ferrari, dazu Leclerc, der neue junge König der Formel 1 - mehr geht fast nicht. "Das ist doch alles Quatsch", sagt Mattia Binotto: "Seb will immer noch mit uns Weltmeister werden." Das ist seit Spa kaum noch realistisch.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! 01.09.2019, 22.10 Uhr