Sebastian Vettel in Abu Dhabi

Sebastian Vettel bekam von Ferrari beim Schlussakt wieder kein gutes Auto, dafür wurde er mit vielen Emotionen verabschiedet. Mit Aston Martin will er 2021 zurück nach oben, doch die Konkurrenz ist groß.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Vettel fährt bei Verstappen-Sieg hinterher

Sebastian Vettel in Bahrain
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Einen Pokal brachte Sebastian Vettel von seinem letzten Rennen für Ferrari doch noch mit nach Hause. Und was für einen! Hüfthoch, mächtiger silberner Korpus, ausladende Henkel. Er hatte sich dieses Ungetüm nicht etwa durch seinen 14. Platz beim Formel-1-Saisonfinale verdient, sondern vom Team als Erinnerung an 14 Siege in sechs gemeinsamen Jahren erhalten.

Dosenbier für die Crew

Es war keine Überraschung, Ferrari fuhr zum Abschied des Deutschen noch einmal groß auf. Alle Teammitglieder in Abu Dhabi trugen einen Mund-Nase-Schutz im typischen Vettel-Design mit schwarz-rot-goldenen Streifen, an so ziemlich jeder Ecke war "Grazie Seb" zu lesen. Vettel bedankte sich mit zahllosen Umarmungen, tauschte den Rennhelm mit seinem Teamkollegen Charles Leclerc, verteilte Dosenbier an seine Crew - und war am Ende doch ganz froh, dass es vorbei war.

"Über das heutige Rennen müssen wir nicht groß reden", sagte Vettel nach seinem 119. und letzten Grand-Prix-Wochenende in Rot. Er freue sich am Ende eines "harten, anstrengenden Jahres" vor allem darauf, nach Hause zu kommen.

Presse verabschiedet "Verlierer" Vettel

Während Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies den viermaligen Weltmeister als "Teil der Ferrari-Familie" würdigte, jagte Italiens Sportpresse den gescheiterten Hoffnungsträger regelrecht vom Hof. "Was noch vor sechs Jahren wie ein Traum schien, ist zum Albtraum geworden", schrieb der Corriere della Sera: "Maranello hat de facto mit einem einzigen Piloten - Charles Leclerc - die Saison bestritten." Der Corriere dello Sport verabschiedete Vettel als "Verlierer" von Ferrari.

Zwei Vizeweltmeisterschaften zum Trotz hatte der 33-Jährige keinen Kredit mehr. Vettel wollte in Rot weitere Titel gewinnen wie sein Idol Michael Schumacher. Nun steht er in einer Reihe mit Alain Prost, Fernando Alonso oder Nigel Mansell: Formel-1-Superstars, die bei und an Ferrari gescheitert sind.

Wie ein kleiner Junge im Spielzeugladen

Nach Rang 13 in der Fahrer-WM - schlechter war Vettel nur in seiner (halben) Debütsaison 2007 - drückt der Hesse noch einmal den Resetknopf. Bei Aston Martin will er im neuen Jahr regelmäßig um Podiumsplätze kämpfen. "Ich bin gespannt, was als nächstes kommt. Es ist aufregend. Es ist, als wäre man ein kleiner Junge, der in den Spielzeugladen geht", beschrieb Vettel seine Gemütslage.

Die Voraussetzungen scheinen gut. Unter dem alten Namen Racing Point feierte sein künftiges Team einen Saisonsieg und wurde Vierter der Konstrukteurs-WM. Mehrheitseigner Lawrence Stroll hat Vettel von seiner Vision überzeugt. Der Bau einer neuen hochmodernen Fabrik ist ein sichtbares Zeichen der Ambition, den Rückstand auf Mercedes und Red Bull deutlich zu verkürzen.

Doch das haben auch andere vor. Renault, das 2021 unter dem Namen Alpine antritt, verkürzte seinen Rückstand zur Spitze deutlich und hat in Alonso einen hochmotivierten Altmeister verpflichtet.

Ferrari will lernen

McLaren präsentierte am Sonntag in Abu Dhabi einen neuen Investor. "Damit ist sicherstellt, dass wir die Ressourcen haben, um beim Budget auf Augenhöhe mit den Topteams operieren zu können", frohlockte der deutsche Teamchef Andreas Seidl. Mit Mercedes-Motor und dem neuen Star-Piloten Daniel Ricciardo wären weitere Fortschritte 2021 keine Überraschung.

Und natürlich will auch Ferrari "aus diesen sehr schwierigen Monaten" lernen, wie der erkrankte Teamchef Mattia Binotto aus der Ferne erklärte. Man arbeite "pausenlos" am neuen Auto.

Ganz vorne angreifen wird wohl keiner der Genannten. Mercedes bleibt nach siebenjähriger Dominanz der Top-Favorit. Red Bull blies nach dem Abu-Dhabi-Sieg von Top-Star Max Verstappen aber zum Angriff. "Unser absolutes Ziel ist, dass es nächstes Jahr eng wird. Aber wir müssen an unsere Grenzen gehen", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko bei Sky.