Sebastian Vettel im Freien Training in Ungarn

Nach dem verkorksten Saisonstart gelingt Sebastian Vettel im Freien Training in Ungarn zumindest die Regen-Bestzeit. Der Heppenheimer ist aber auch aus anderen Gründen das Gesprächsthema des Tages.

Regenkönig Sebastian Vettel, ein souveräner Weltmeister Lewis Hamilton und immer lauter werdende Spekulationen um Vettels sportliche Zukunft haben den ersten Trainingstag beim Großen Preis von Ungarn geprägt. Bevor Vettel mit der schnellsten Runde in der verregneten zweiten Session endlich wieder Hoffnung bei sich selbst und Ferrari weckte, hatte Hamilton mit der Tagesbestzeit von 1:16,003 Minuten am Vormittag den schwarz lackierten Mercedes dorthin gestellt, wo er üblicherweise zu finden ist: ganz nach vorne. "Wir haben ein relativ schnelles Auto", bemerkte Mercedes-Technikchef James Allison lapidar.

Angeblicher Wechsel bleibt Gesprächsthema

Im Regen schlug dann Vettels Stunde, der viermalige Weltmeister legte 1:40,464 Minuten vor, eine Zeit, an die auch Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas mit knapp drei Zehntelsekunden Rückstand auf Platz zwei nicht herankam. Hamilton verzichtete am Todestag des Franzosen Jules Bianchi (2015) und des fünfmaligen Weltmeisters Juan Manuel Fangio (1995) auf den Ausritt auf nasser Strecke, Auto und Fahrer blieben am Nachmittag während der gesamten 90 Minuten in der Box.

Dafür setzte sich Vettel endlich mal wieder in Szene. Der Heppenheimer demonstrierte sein Können im Regen und sendete damit in der Diskussion um seine sportliche Zukunft ein starkes Signal. Sein angeblich kurz bevorstehender Wechsel zu Aston Martin war auch am Freitag in Budapest eines der wichtigsten Gesprächsthemen im Fahrerlager.

Vettel wird noch "einen Moment brauchen"

"Ich bin nicht so dicht dran, wie ihr offenbar alle denkt", sagte Vettel im Gespräch mit dem italienischen Pay-TV-Sender Sky. Eine Entscheidung in den nächsten Tagen hält er für unwahrscheinlich. Er werde noch "einen Moment brauchen, um die Lage zu verstehen und sie richtig einzuordnen, und dann werde ich ein paar weitere Tage brauchen, um zu entscheiden, was ich möchte und was nicht".

Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer wollte seinen beiden aktuellen Fahrern Sergio Perez und Lance Stroll am Freitag allerdings schon mal keine Jobgarantie für 2021 geben - und das, obwohl die beiden sich in der Addition beider Trainingsdurchgänge hinter Mercedes auf den Plätzen drei und vier einreihten und dabei als einzige in derselben Sekunde blieben wie Hamilton und Bottas.

Aston Martin schneller als Ferrari

Sollte diese Performance sich in den nächsten Rennen bestätigen und ein Protest von Renault gegen die Rechtmäßigkeit der Bremsbelüftung an den Autos von Perez und Stroll abgewiesen werden, hätte Aston Martin gewichtige Argumente im Buhlen um Vettel: Das aktuelle Auto ist schneller als der Ferrari, und da die Entwicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt wurden, könnte es auch 2021 noch zu den schnellsten im Feld gehören.

Das tut Ferrari in dieser Saison bekanntlich nicht, der umstrittene Teamchef Mattia Binotto lieferte dafür in Budapest die Erklärung. Man habe das Auto und vor allem die Power Unit den neuen Technik-Richtlinien des Weltverbandes FIA angleichen müssen, sagte Binotto, und dabei sei die Leistung buchstäblich auf der Strecke geblieben. Es sei aber "wichtig, dass die FIA weiterhin Klarheit schafft, sie muss sicherstellen, dass die Regeln von allen eingehalten werden. Das betrifft ja nicht nur Ferrari."