Laura Chacon beim Frankfurt Marathon

Normalerweise laufen Ende Oktober tausende Menschen quer durch Frankfurt und werden bejubelt. Wegen der Corona-Pandemie kann der Frankfurt Marathon 2020 nicht stattfinden - zumindest nicht so, wie Lauffans ihn gewohnt sind. Starten können sie trotzdem.

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Hessenscheu vom 27.10.2019
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Kein Publikum, keine Pasta-Party und keine Verpflegung an der Strecke. Der Frankfurt Marathon ist normalerweise ein Highlight für viele Läufer und Läuferinnen. Knapp 27.000 Menschen waren letztes Jahr registriert, wurden vom Publikum bejubelt und hinterher gefeiert. Das ist alles nicht Corona-konform, deshalb ist der Frankfurt Marathon für dieses Jahr eigentlich abgesagt worden. Jetzt aber haben sich die Veranstalter eine Lösung ausgedacht: Der Lauf soll an diesem Sonntag virtuell stattfinden. Jeder und jede für sich - und doch irgendwie alle zusammen.

"Wirtschaftlich rentiert sich das nicht, aber es ist uns dennoch wichtig unserer Community etwas anzubieten," sagte Renndirektor Jo Schindler dem hr-sport. Das Gemeinschaftsgefühl, der Spirit, stünde beim Marathon im Vordergrund. Dafür gibt es auch den Hashtag #runtheskyline. Wenn real zusammen laufen diese Saison nicht geht, können die Teilnehmenden sich darüber immerhin in den sozialen Medien austauschen. "Wenigstens ein bisschen Wettkampfgefühl ist dann da", findet Laura Chacon aus Frankfurt.

Die 32-jährige Sportlerin ist froh, dass der Marathon wenigstens in dieser Form stattfindet. Sich trotz drohender Absagen auf Wettkämpfe vorzubereiten, hat ihr durch die Corona-Zeit geholfen: "Seit März war alles total crazy, man hat teilweise ein bisschen den Halt verloren und dann war mein Training irgendwie die einzige Konstante."

Von 0 auf 42,195 Kilometer

Den Laufsport hat Laura schon mit 14 Jahren für sich entdeckt, den ersten Marathon lief sie wegen einer Wette. Sie wollte schneller sein als ihr damaliger Mitbewohner, mit Erfolg. Heute coached sie andere Laufbegeisterte. Trotz vieler Absagen seien davon auch die meisten am Ball geblieben. "Nach dem ersten Schock, wenn was ausgefallen ist, wollten sie dann doch alle weitermachen. Dann war auch Homeoffice und alles war anders, aber der Trainingsplan hat dir genau gesagt was du tun musst. So hattest du ein bisschen Struktur in einer Zeit, die auf einmal sehr unstrukturiert war."

Für Struktur, Motivation und das Gruppengefühl, hat Chacon im Training mit ihren Athleten und Athletinnen das virtuelle Laufen bereits getestet. "Ich habe einen Tag festgelegt und gefragt: 'Wer möchte mit mir einen Fünf-Kilometer-Lauf machen?' Und dann sind wir alle am selben Tag fünf Kilometer gelaufen. Dabei kamen dann sogar viele Bestzeiten raus", erzählt sie.

Keine Kontrolle und kein Ranking

Gemessen werden Zeit und Tempo meistens über Sportuhren, so soll es dieses Jahr auch beim virtuellen Frankfurt Marathon funktionieren. Gelaufen wird ab 10 Uhr morgens binnen 24 Stunden über die ausgewählte Distanz. Über den Teilnahmelink trägt man seine Werte später selbstständig ein und bekommt eine Urkunde. So beschreiben es die Veranstalter auf ihren Seiten. Kontrolle gibt es keine. "Wer schummelt, betrügt sich nur selbst", so Renndirektor Schindler, aber es werde deshalb in diesem Jahr kein Ranking geben.

Ob man fair bleibt oder nicht, muss man also selbst entscheiden. Chacon ist sich sicher, dass auch geschummelt wird, für sie sei das aber nicht relevant: "Man läuft für sich selbst und nicht für andere." Allein die eigene Bestzeit zu erreichen sei allerdings schwierig. Man müsse sich selbst verpflegen und könne dann nicht so schnell laufen wie sonst. Deshalb hat sie sich dieses Jahr in Frankfurt für die Halbmarathon-Distanz entschieden. Zusammen mit einem ihrer Athleten will sie am Sonntag seine Bestzeit knacken. Um sich auch für einen Marathon ohne Menschenmenge zu motivieren, rät Laura Chacon, sich Unterstützung mit an die selbstgewählte Strecke zu nehmen. Ob mit Fahrrad und Verpflegung oder fürs Anfeuern auf den letzten Kilometern, Beistand helfe enorm.

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Laura Chacon
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Pushen ohne Publikum

Egal ob zu zweit oder allein – auch virtuell wäre es ein anderes Gefühl als bei einem Trainingslauf findet Chacon: "Es macht einen Riesenunterschied, ob man allein läuft oder ob man weiß, da laufen noch andere, mit denen man sich austauschen kann. Ob ich jetzt sage, ich gehe allein rennen, oder ich weiß, die machen das jetzt auch, denen geht es auch kurz schlecht, die müssen sich auch anstrengen." Trotzdem sei es etwas anderes, so ganz ohne Publikum. "Jetzt muss man sich halt selbst pushen", so die Athletin. Nach einem gemeisterten Triathlon mit Hygienekonzept denkt Laura, dass auch große Sportevents wie der Frankfurt Marathon irgendwann wieder stattfinden können. Solange müssen die Teilnehmenden ihre Pasta-Party aber noch zuhause feiern.