Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar
Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar startet bei der Hallen-WM der Leichtathleten Bild © Imago

Die Leichtathletik-WM als Hobby: Klingt absurd, ist für Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar aber Realität. Bei den Titelkämpfen in Birmingham misst er sich mit der Weltelite – obwohl er nur sechs Stunden in der Woche trainiert.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pohl: "Das ist für mich so irreal"

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"Wenn bei der WM Stars wie Christian Coleman neben mir stehen, dann werde ich mich schwer zurückhalten müssen, damit ich sie nicht nach einem Selfie frage", schildert Michael Pohl dem hr-sport die größte Herausforderung bei seiner ersten Leichtathletik-WM (1. bis 4. März). Der 28-Jährige vom Sprintteam Wetzlar ist bei seiner Premieren-WM krasser Außenseiter, kennt die Stars der Sprinterszene nur als Zuschauer. Aber das macht ihm nichts aus. Schließlich ist das Laufen für ihn eher eine Freizeitbeschäftigung.

Wenig Training - viel Erfolg

Umso verwunderlicher ist es, dass Pohl sich für die Titelkämpfe qualifiziert hat, quasi im Vorbeigehen. Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften kürzlich in Dortmund ist er über die 60 Meter punktgenau auf der WM-Norm von 6,63 Sekunden gelandet. Einfach so, weil er es kann.  

Hauptsächlich studiert Pohl in Frankfurt und arbeitet 20 Stunden pro Woche als Unternehmensberater. Fürs Training bleibt da nicht viel Zeit. Muss es auch nicht. Nur etwa sechs Stunden wöchentlich widmet er dem Laufen, während die Konkurrenten drei bis vier Mal so viel Zeit ins Training investieren. "Bei mir spielt der Spaßfaktor eine große Rolle. Ich quäle mich nur sehr ungern. Ich laufe nur so lange es mir gut tut. Was mir nicht gut tut, lasse ich weg."  

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Hallen-WM der Leichtathleten vom 01.03. bis 04.03.

In Birmingham messen sich am ersten März-Wochenende die besten Leichtathleten der Welt. Sprinter Michael Pohl ist nicht der einzige Hesse. Neben ihm tritt auch die Mittelstreckenläuferin Diana Sujew von der LG Eintracht Frankfurt an. Das Erste und sportschau.de berichten von den Wettkämpfen.

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WM-Atmosphäre genießen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pohl: "Anscheinend ist irgendwas da an Talent"

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Mehr als vom Training profitiert der kantige und muskulöse Hobby-Athlet von einem offenbar riesigen Talent. Immerhin das lässt sich erklären: Pohls Vater war einst polnischer Meister über 800 Meter, seine Mutter mehrfache polnische Meisterin im Hürdenlauf. "Es muss Talent da sein. Ich bin schon als untrainierter Mensch mit Übergewicht auf die Bahn gegangen und gleich 7,01 Sekunden auf 60 Metern gerannt."

Bei der anstehenden Hallen-WM will "Deutschlands schnellster Hobbyläufer", wie ihn der Verband scherzhaft nennt, vor allem die Atmosphäre genießen. "Das ist mein erstes Auslands-Event. Allein, dass ich mit dem Flieger zu einem Wettbewerb reise, ist schon was Besonderes." Aus sportlicher Perspektive sieht sich Pohl außer Konkurrenz: "Ich laufe eigentlich nur gegen mich und meine Erwartungen." Am Samstag um 11.15 Uhr deutscher Zeit tritt der Frankfurter im Vorlauf an.

Im Angesicht der Sprint-Elite

Primär freut sich der 28-Jährige aber darauf, in Birmingham die Top-Sprinter der Welt zu treffen. "Vor zwei Jahren habe ich sie noch von der Tribüne aus gesehen und gedacht: 'Was sind das für Maschinen. Die kommen raus und laufen mal eben unter 6,5 Sekunden.' Und jetzt stehe ich neben denen im Aufwärmraum. Das ist so irreal." So unrealistisch, dass er es vielleicht erst glaubt, wenn er wieder zuhause ist und die Fotos anschaut: Darunter bestimmt ein Selfie mit US-Sprintstar Christian Coleman.

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zum Video 60m-Finale: Reus siegt vor Pohl

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