Collage: Hüttl im Portrait und bei einer Torraumszene
Leon Hüttl im Trikot der Löwen (li.) und im Trainingscamp in Edmonton Bild © Imago Images & Dale MacMillan / Collage: hessenschau.de

Die NHL ist der Traum eines jeden Eishockeyspielers. Der Frankfurter Leon Hüttl ist ihr seit ein paar Tagen einen kleinen Schritt näher - und kennt nun eine Umkleidekabine, die so groß ist wie die gesamte heimische Eisfläche.

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Da hat Leon Hüttl nicht schlecht gestaunt. Ende Juni, der Eishockeyspieler der Löwen Frankfurt weilt gerade in Kanadas fünftgrößter Stadt Edmonton, sitzt der 18-Jährige im Rogers Place. Eine moderne Arena, in der das Team der Edmonton Oilers seine Heimspiele austrägt. Genauer gesagt sitzt er in einer Umkleidekabine, von der es später heißen wird: Sie ist so groß wie die komplette Eisfläche in der Halle in Frankfurt. 60 Meter lang, 30 Meter breit. Ein erster, gigantischer Fingerzeig auf das, was Hüttl in den kommenden Tagen erwartet.

Denn der Verteidiger ist weder zum Urlaub machen noch für Sightseeing nach Kanada geflogen, sondern zum Eishockeyspielen. Normalerweise tut er das im Trikot des hessischen Zweitligisten aus Frankfurt, für vier Tage und eine Handvoll Trainingseinheiten durfte er aber den Dress der Oilers tragen. Der Club aus der National Hockey League (NHL) hatte Hüttl zu einem sogenannten Development Camp eingeladen.

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Leon Hüttl

Der 18 Jahre alte Leon Hüttl war im vergangenen Sommer von den Tölzer Löwen nach Frankfurt gewechselt. Danach kam der Verteidiger in 43 Punkt- sowie 15 Playoff-Spielen auf zwei Tore und neun Assists. Zu seinen Spezialaufgaben gehört das Unterzahlspiel.

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Ein Trainingscamp, an dem vor allem Nachwuchstalente aus Edmonton teilnahmen – und bei dem sich Hüttl unter den Augen der kanadischen Trainer und Scouts auf der großen Bühne präsentieren durfte. "Ich würde nicht sagen, dass die anderen Verteidiger weit voraus waren", beschrieb er nach der Rückkehr mit eigenen Worten seine Leistung. "Sie waren einfach nur ein bisschen größer." So wie die Kabine.

Oilers eine der besten Adressen in der NHL

In der nordamerikanischen Profiliga werden die besten Gehälter gezahlt, allein deshalb ist es der Traum eines jeden Eishockeyspielers, dort auflaufen zu dürfen. Die Oilers gehören der NHL seit Ende der 1970er Jahre an, gewannen fünf Mal den begehrten Stanley Cup und zählen zu den besten Adressen im kanadischen Eishockey.

Deutschlands bekanntester und vielleicht bester Profi Leon Draisaitl steht dort genauso unter Vertrag wie der erst 22 Jahre alte Center Connor McDavid, den Edmonton 2015 im NHL Entry Draft in der ersten Runde an erster Position auswählte. Über allem thront Wayne Gretzky, der hier zwischen 1978 und 1988 zur Legende reifte.

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Hüttl: "Ich bin meinem Traum einen Schritt näher"

Hüttl dürfte diesen sportlichen Glanz durchaus gespürt haben, als er und die 17 anderen Talente im Alter zwischen 18 und 22 Jahren zum Vorspielen aufs Eis gingen. "Schneller Passen und Laufwege breiter ziehen", das sind nur zwei Tipps, die Hüttl von den kanadischen Trainern mitgebracht hat – und die er bereits in der kommenden DEL2-Saison bei den Löwen beherzigen möchte. "Ich bin meinem Traum jetzt einen Schritt näher und hoffe, dass ich die Löwen gut repräsentiert habe."

Der Mann, der das mit am besten beurteilen kann, ist Franz-David Fritzmeier. Der Sportdirektor der Frankfurter hat seinen Schützling während der gesamten Reise begleitet. "Es wird keiner nur aus Spaß zum Trainingscamp eingeladen", sagt er und betont damit, dass sich das vielleicht größte Talent aus seinem Kader allein die Einladung mehr als verdient hatte. Jetzt liege es an Hüttl selbst, weiterzuarbeiten und auch die eine oder andere Sonderschicht einzulegen. Oder wie Fritzmeier es ausdrückt: "Schieße ich nach dem Training nochmal 100 Scheiben aufs Tor, oder mache ich Gaudi?"

Wurzeln in der Geschäftswelt

Die Verbindung zwischen Löwen und Oilers hat ihre Wurzeln auch in der Geschäftswelt. Zum kanadischen Investor Katz Group, der am Frankfurter Flughafen eine Mega-Arena für Sport sowie andere Veranstaltungen bauen und auch betreiben möchte, gehört auch die Oilers Entertainment Group – die Eigentümerin der NHL-Franchise. In diesem Zusammenhang kamen auch das Frankfurter Eishockey und Hüttl in Edmonton aufs Radar.

"Sie werden uns jetzt sicherlich genau beobachten", hofft Fritzmeier, dass sich demnächst noch weitere junge Spieler aus dem Löwen-Rudel auf der anderen Seite der Weltkugel zeigen dürfen. Leon Hüttl hat den Anfang gemacht, einen vorschnellen Wechsel zu einem größeren Club schließt der Sportdirektor aber aus: "Dieses Jahr werden wir ihn auf keinen Fall verlieren. Hier ist der optimale Platz für ihn." Noch. Bis irgendwann vielleicht wieder eine Kabine ruft, die so groß ist wie eine gesamte Eisfläche.