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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Frankfurter Kai Wullbrandt und der große Football Traum

Kai Wullbrandt von der Frankfurt Universe

Kai Wullbrandt von der Frankfurt Universe hat die Chance auf einen Vertrag in der milliardenschweren NFL. Dabei hat der 25-Jährige erst vor zwei Jahren mit dem Footballspielen begonnen. Und das mehr oder weniger zufällig.

Kai Wullbrandt ist das, was man im Volksmund ein Multitalent nennt. Der 25-Jährige war Handball-Torwart, er hat sich auch schon im Boxen ausprobiert. Vor zwei Jahren kam noch Football hinzu. Wullbrandt hatte davon Wind bekommen, dass in der Offenbacher Nachbarschaft ein Fünftligist ansässig ist. "Also dachte ich mir, komm, versuch ich's mal."

Kurz darauf war er Spieler bei den Rhein-Main Rockets. Offensiv Line, also einer der schweren Jungs, die ihre Gegner übers Feld schieben und den Quarterback schützen. 2017 war das. Und bis hierhin nichts allzu Ungewöhnliches. Doch wie sich Wullbrandts sportliche Laufbahn seitdem entwickelt hat, hätte sich wohl kaum ein 10-Jähriger in seinen kühnsten Träumen besser ausmalen können. Denn Wullbrandt darf sich mittlerweile nicht ganz unberechtigte Hoffnungen machen, irgendwann in der nordamerikanischen Profiliga NFL aufzulaufen.

"Mittlerweile erfolgsverwöhnt"

Verdient hat er sich diese Chance im Schnelldurchlauf. 2018, die Saison in Offenbach war da beendet, erfuhr der Zwei-Meter-Mann von einem offenen Training beim deutschen Bundesligisten Frankfurt Universe. Wieder probierte es Wullbrandt auf gut Glück, wieder durfte er bleiben. "Man kann hochnäsig sagen, dass ich mittlerweile erfolgsverwöhnt bin", scherzt er im Gespräch mit dem hr-sport.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Wullbrandt zum NFL Combine: "Acht Spieler werden maximal ausgewählt"

Die Footballer von Frankfurt Universe
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Dieser Erfolg erfuhr seine vorläufige Krönung fast mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 2018. Die Universe unterlag im Endspiel zwar Schwäbisch Hall, doch für Wullbrandt - nach realistischen Maßstäben noch immer ein absoluter Football-Neuling - ging es weiter nur bergauf.

In diesem Jahr wurde er als einer von rund drei Dutzend Spielern zum ersten "NFL International Combine" in Deutschland eingeladen – einer Art Vorauswahl für die größten Footballtalente der Republik. Ein Ritterschlag, oder wie Wullbrandt sagt: "Schon cool!".

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NFL International Combine

Beim "NFL International Combine" wurden deutsche Football-Talente Mitte Oktober zwei Tage von Talentspähern der NFL auf Herz und Nieren geprüft: mit Tests zu Stärke, Geschwindigkeit und Beweglichkeit. Die Besten von ihnen absolvieren im Frühjahr ein dreimonatiges Trainingslager in Florida, ehe NFL-Verantwortliche danach in einem weiteren "Combine" in den USA Spieler für ihre Teams auswählen.

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Patzer bei der Paradedisziplin

Zwei Tage hatten Wullbrandt und seine Mitstreiter in der Sportschule Hennef die Chance, die von der NFL beauftragten Trainer von ihren Stärken zu überzeugen. Wobei das im Fall des Frankfurters nicht reibungslos verlief. Das Bankdrücken, eigentlich seine Paradedisziplin, verlief nämlich "katastrophal", wie der 25-Jährige berichtet. Statt die 102,5 Kilo schwere Stange die erhofften über 20 Male zu stemmen, rutschte ihm nach drei oder vier Wiederholungen die Schulter von der Bank. Ein weiterer Versuch war nicht erlaubt.

Abgesehen davon machte Wullbrandt bei den Sprint-, Sprung- und Beweglichkeitstests (siehe Video im Tweet) offenbar eine gute Figur. Sonst würde er nicht an seine Chance glauben, demnächst als einer von höchstens acht der auf Herz und Nieren getesteten Footballer in Amerika vorspielen zu dürfen. Ohne Biss geht das nicht, im Fall von Wullbrandt scheint auch die nötige Gelassenheit vorhanden.

Atletas de fora dos Estados Unidos terão a chance de mostrar suas habilidades no NFL International Combine em Colônia, Alemanha, no dia 19 de Outubro. 🏈 Envie já uma descrição de sua carreira atlética e um vídeo com seus highlights para InternationalCombine@nfl.com 📥 #NFLBrasil

[zum Tweet mit Bild]

"Man könnte sagen, dass ich irgendwie nichts geleistet habe, aber mittlerweile recht hoch gekommen bin", bilanziert er die vergangenen zwei Jahre mit einem Augenzwinkern. "Von daher könnte ich mir vorstellen, dass ich aus Versehen mitgenommen werde."

Ein Leichtgewicht in vielerlei Hinsicht

Die fehlende Erfahrung, in Hennef wurde sie Wullbrandt schon vor Augen geführt: "Da waren Athleten da, denen merkt man schon an, dass sie ein paar Jahre Football spielen", sagt er. Gemessen an den langjährigen Profis ist Wullbrandt nicht nur in dieser Hinsicht ein Leichtgewicht. Bei einer Größe von zwei Metern bringt der Frankfurter gerade einmal 126 Kilo auf die Waage. Für einen O-Liner, wie Spieler auf seiner Position genannt werden, ist das eher dürftig. Wullbrandts Vorbild, Ronnie Stanley von seinem Lieblingsverein Baltimore Ravens, ist zwei Zentimeter kleiner - und 17 Kilo schwerer.

Zehn Kilo sollen bei Wullbrandt noch drauf, also ist eiserne Disziplin gefragt: "Eigentlich nur essen", so beschreibt er seine pfundreiche Diät. In den vergangenen zwei Jahren hat das bereits ganz gut geklappt, fing Wullbrandt doch mit 103 Kilo in Offenbach an. Doch das erscheint mittlerweile nicht nur aus Gewichtsgründen wie eine Ewigkeit entfernt.

Kai Wullbrandt von der Frankfurt Universe

Bigger, better, NFL

Der Traum von der NFL und damit vollen Stadien, millionenschweren Verträgen und dem Megaspektakel Superbowl, er lebt. Und für Wullbrandt ist er nicht mehr surreal, auch wenn er nach vernünftigen Maßstäben eigentlich unvorstellbar erscheint. Derzeit wartet der Hesse wie die anderen Teilnehmer des Combine auf Nachricht aus den USA. Dort, wo American Football im Gegensatz zu Deutschland kein Nischendasein führt und sogar die anderen großen US-Sportarten Baseball, Basketball und Eishockey in Sachen Beliebtheit auf die weiteren Plätze verweist.

Die NFL ist für viele Jungen aus den ärmsten Elendsvierteln der USA das große Ziel: die Hoffnung, Armut und Gewalt hinter sich zu lassen und in den gigantischen Kosmos der Reichen und Berühmten einzutauchen. Der American Dream eben. Kai Wullbrandt will seinen persönlichen German Dream erschaffen: ein zu leichter Deutscher, der viel zu spät und dann noch eher zufällig aufs Footballfeld gestolpert ist, und nun die wohl einmalige Chance ergreifen will, sich für die größte Show der Vereinigten Staaten zu empfehlen (lässt man mal die Show im Weißen Haus mal außen vor).

Natürlich muss Wullbrandt damit rechnen, in absehbarer Zeit eine Absage der NFL zu erhalten. Ein Beinbruch wäre das nicht. Dann würde er eben einen neuen Angriff auf die deutsche Meisterschaft mit der Frankfurt Universe starten. Auch nicht so schlecht. Eine weitere Sportart wird sich der 25-Jährige auf seine alten Tage eher nicht mehr ranschaffen: "Ich weiß nicht, ob ich jetzt nochmal Lust hätte, was Neues zu lernen."

Objekt der Begierde im sportlichen Amerika: die Superbowl-Trophäe.