Leon Bunn

Dieser Knock-out hatte böse Folgen: Der Frankfurter Profi-Boxer Leon Bunn leidet noch immer an seiner K.o.-Niederlage im WM-Kampf Ende Oktober. Was bleibt ist Scham über die Niederlage, Wut über Regelverstöße und die Angst um bleibende Schäden.

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Frust, Wut, Angst - Wie Leon Bunn den verlorenen WM-Kampf verarbeitet

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An diesen Tag muss Leon Bunn seit über zwei Woche immer wieder denken. Fast jeden Moment. An seinen WM-Kampf am 22. Oktober in der Frankfurter Fabriksporthalle. An die sechste Runde im Halbschwergewicht gegen den Iren Padraig McCrory, als Bunn - mehrfach hart getroffen - durch technischen K.o. verlor. Für den 30-jährigen Frankfurter, der bis dahin jeden seiner 18 Profikämpfe gewonnen hatte, brach eine Welt zusammen.

Bunn tauchte ab, war für niemanden zu erreichen. Dachte vor Scham über die Niederlage sogar daran, auszuwandern. Jetzt brach er im Interview mit dem hr-sport sein Schweigen: "Das Ganze hat mich echt rausgebracht. Die letzten zwei Wochen habe ich nur im Bett gelegen und Mist gegessen". Der Frust über den geplatzten Kindheitstraum vom WM-Titel könnte größer nicht sein.

Bunn ist wütend wegen unerlaubter Schläge

Bunn ist auch wütend. Denn die Schläge von McCory, die ihm so sehr zusetzten, waren seiner Meinung nach nicht regelgerecht. "Der Gegner hat so oft mit der Innenhand auf meinen Hinterkopf geschlagen. Ich will kein schlechter Verlierer sein. Aber das hat mich schon sehr verletzt."

Zum Hintergrund: Schläge mit der Innenhand des Boxhandschuhs sind im Boxen eigentlich verboten, weil sie durch die dort geringere Polsterung ernste Verletzungen zufolge haben können - vor allem am Hinterkopf, den man grundsätzlich nicht treffen darf. "Laut Reglement hätte Leon nach den Schlägen mit der Innenhand - wie nach einem Tiefschlag - eine Erholungszeit im Ring zugestanden, aber das ist ausgeblieben", sagt Ralph Bunn, Kick-Boxer und Vater von Leon.

Das habe auch zum Kampfausgang geführt. Denn in den Runden vor dem technischen K.-o. sei Leon durch die Wirkung der unerlaubten Schläge nicht mehr ganz bei sich gewesen. "Leon war nicht kampfbereit." Bleiben die Sorgen, dass der 30-Jährige durch die vielen Schläge bleibende Schäden behalten könnte.

Die Angst vor bleibenden Schäden und der Traum, der weiterlebt

"Wir hatten eine neurologische Untersuchung direkt zwei Tage nach dem Kampf, da gab es Entwarnung." Doch Leon Bunn hatte weiterhin Gedächtnislücken. Die Angst blieb. Und so unterzog er sich zehn Tage nach dem Kampf einem Kopf-MRT. "Die gute Nachricht ist, dass alles unauffällig war. Das Körperliche ist okay. Was bleibt, ist eine tiefe, tiefe Traurigkeit", sagt sein Vater.

Doch Leon Bunn will sich aus dem Frust-Loch wieder herauskämpfen: "Ich will wieder weitermachen. Mein Ziel in meiner Box-Karriere war immer, einmal Weltmeister zu werden. Dieser Traum lebt weiter".

Doch erstmal darf der gebürtige Frankfurter überhaupt keinen Sport treiben. Wegen der - bei einer K-o.-Niederlage vorgeschriebenen - Schutzsperre, die erst im Dezember endet. Danach geht es weiter. Damit sich der Traum vom WM-Titel für Bunn vielleicht doch noch irgendwann erfüllt.