Crossfit

Das Crossfit-Team "CrossFit Factory Fulda" hat sich für die Fitness-Bundesliga qualifiziert. Nach hartem Training freut sich das Team auf die bevorstehenden Wettbewerbe – und will für die nächste Überraschung sorgen.

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zum Video Crossfit - Quälen am Limit | hessenschau Sport vom 17.11.2021

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Christof Gutberlet reckt die Langhantel mit einem Schwung in die Höhe, seine Oberarme zerreißen beinahe sein Sportshirt mit der Aufschrift "CrossFit Factory Fulda". Gutberlet, graue Haare, kurzer Bart, ist Crossfitter – und seit kurzem sogar Bundesligist. "CrossFit Factory Fulda" – das ist der Name der Trainingsarena, in der sich Gutberlet und sein Team auf die anstehenden Wettkämpfe in der Fitness-Bundesliga vorbereiten.

Die große graue Halle ist bis unter das Dach vollgepackt mit Gewichten, Hanteln, Seilen, Fahrrädern, Klimmzugstangen und sonstigen Trainingsgeräten. In der Box, so wird die Spielstätte der Crossfitter genannt, trainiert Gutberlet an diesem Tag mit drei Frauen seines Teams. Bei allen fließt der Schweiß in Strömen. "Es ist die Kombination aus verschiedenen Übungen und Ausführungen, die Crossfit so interessant machen", sagt Gutberlet im Gespräch mit dem hr-Sport.

"Wir pushen uns immer gegenseitig"

Crossfit ist eine Sportart, die ihren Ursprung in den Fitnessstudios hat. Anfänglich als Zusatz zu den üblichen Fitnessgeräten gedacht, entwickelte sie sich schnell zu einem eigenen Sport. Frauen und Männer messen sich in einem Mix aus Gewichtheben, Sprintübungen, Eigengewichtsübungen und Turnen, Ziel ist ein umfassendes Training, das Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance, Koordination und Genauigkeit trainiert. Auch hierzulande erfreut sich Crossfit einer immer größeren Beliebtheit. So sehr, dass 2018 die Fitness-Liga gegründet wurde, bestehend aus 1. und 2. Bundesliga.

Dort, in der ersten Liga, werden demnächst auch Sina Weitzel und Lea Wirth antreten. Die zwei begeisterten Crossfitterinnen legen sich gegenüberstehend zwei Langhanteln auf die Schultern und beginnen mit synchronen Kniebeugen. Das gegenseitige Anpeitschen während und Abklatschen nach der Übung gehört dazu. "Das tolle am Crossfit ist, dass man immer jemanden vor oder neben sich hat. Egal ob die Person schneller oder langsamer, stärker oder schwächer ist", sagt Wirth. "Beim gemeinsamen Training fällt es leichter, ans Limit zu gehen. Wir pushen uns immer gegenseitig."

Die Entscheidung über den Meister fällt im Februar

Um ins Bundesliga-Team zu kommen, haben beide einen internen Fuldaer Wettkampf bewältigt, bei dem sich die jeweils vier besten Frauen und vier besten Männer für das Wettkampfteam qualifizieren konnten. Die 50 besten Teams des Landes sind für die erste Liga gesetzt, die übrigen Teams bilden die zweite. So zunächst auch die Fuldaer, doch im Oktober 2021 schafften die Hessen den Aufstieg, waren eins von 14 Zweitliga-Teams, die nun in der Bundesliga angreifen wollen. Nun stehen bis Januar 2022 acht Spieltage an, in denen sie um den Einzug in die Playoffs kämpfen. Die Entscheidung über den Meister fällt dann im Februar.

Welche Disziplinen an den Spieltagen drankommen, wissen die Teams vorher nicht, es können Übungen aus dem ganzen Repertoire des Crossfit sein. Vielleicht also auch Übungen an der Klimmzugstange, an die sich Weitzel nun mit letzter Kraft schwingt und ihren muskulösen Körper nach oben hievt. Über der Stange in der Luft thronend wandelt sich ihr schmerzverzehrtes Gesicht zu einem kleinen Lächeln – Applaus von ihrer Trainingspartnerin hallt durch die Halle. "Ich trainiere momentan sechsmal in der Woche. Einen Tag mache ich Pause. Manchmal trainiere ich auch zweimal am Tag. Dann mache ich morgens ein Workout und gehe abends laufen", sagt sie anschließend.

"Wir wollen die Großen ärgern"

Dieser Trainingseifer ist nötig, ein Spieltag besteht aus vier Workouts. Pro Workout treten zwei Sportlerinnen und Sportler einer Box an, Punkte können sie durch die schnellstmögliche Ausführung oder das Ausführen mit dem höchsten Gewicht sammeln. Schnelligkeit, Kraft, ein möglichst breites Repertoire - Weitzel kämpft sich nicht grundlos an jeder Station, egal ob Langhantel, Klimmzugstange oder Seil, bis zur Ermüdung ab.

Auch Wirth ist vollkommen fokussiert auf die Hantel vor sich, die sie mit ihrer Trainingspartnerin Face to Face vom Boden auf die Brust und dann ganz in die Höhe reißt. Und Gutberlet sowieso. "Wir wollen die Großen ärgern. Aber vor allem wollen wir die vier Workouts so gut wie möglich bestreiten und mit unseren Leistungen zufrieden sein", sagt er. Und vielleicht gelingt ihnen eine ähnlich große Überraschung wie bei der Qualifikation zur ersten Liga vor ein paar Wochen.