Gesa Krause schaut nachdenklich

Leichtathletin Gesa Krause hat sich selbst in die Zwangspause geschickt. Nach neun Jahren unter Dauerstrom sei das einfach mal nötig. In der Szene bekommt sie dafür viel Verständnis.

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Gesa Krause scheidet aus
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Gesa Krause will jetzt erstmal "Luft holen". Nicht, weil sie, wie üblich nach Training oder Rennen, ausgepumpt ist. Ausgebrannt trifft es besser. Die Europameisterin und zweimalige WM-Dritte über 3.000 Meter Hindernis hat ihre Saison abgebrochen. "Ich habe mir zum ersten Mal eingestanden, dass mein Körper eine Pause braucht", sagte die 28-Jährige aus Ehringshausen (Lahn-Dill), die für den Verein Silvesterlauf Trier startet, der Deutschen Presse-Agentur. "Seit meiner ersten WM 2011 betreibe ich meinen Sport auf Hochleistungsniveau und war seitdem immer unter Strom."

Nur 14 freie Tage in zwei Jahren

Via Instagram hatte Krause am Donnerstagabend mitgeteilt, was ihre Konsequenz aus dem Desaster bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig ist. Da hatte die Topfavoritin vor knapp drei Wochen völlig überraschend und sichtlich erschöpft aufgegeben. "Für jetzt bleibt mir nur zu sagen, dass die vergangenen 23 Monate kräftezehrend waren und ich meine Energie aufgebraucht habe", schrieb Krause. In den vergangenen fast zwei Jahren habe sie insgesamt nur 14 trainingsfreie Tage gehabt. "Eine richtig lange Pause hatte ich ewig nicht mehr", ergänzte sie nun. 

Statt zum Beispiel beim Berliner Istaf am 13. September zu starten, wird die deutsche Rekordhalterin zwei, drei Wochen "definitiv nicht laufen. Das brauchen meine Füße und Beine jetzt". Nur: ein bisschen wandern, Rad fahren, schwimmen gehen, wahrscheinlich noch eine Urlaubsreise machen. In der Szene erntete Krause dafür viel Verständnis. "Kann ich total nachvollziehen. Lad die Akkus wieder auf", empfahl Hürden-Ass Pamela Dutkiewicz.

"Hat mein Leben auf den Kopf gestellt"

Bis in den April hinein hatte sich Krause in Höhentrainingslagern aufgehalten. "Die Olympia-Absage hat mein Leben auf den Kopf gestellt", sagte die beliebte Leichtathletin, kämpfte aber weiter, fuhr vor den nationalen Titelkämpfen noch nach Davos. Zudem beschäftigte die Ausdauerspezialistin noch ein privates Projekt: In Dillenburg (Lahn-Dill) baute sie ein Haus und ist dort inzwischen eingezogen.

In Frankfurt bei ihrem Coach Wolfgang Heinig wird sie auch weiterhin regelmäßig trainieren. Die langen Ausdauerläufe macht Krause sowieso seit vielen Jahren alleine. Im November will sie wieder wie jedes Jahr nach Kenia zur Vorbereitung. Hinter diesem Plan steht natürlich in Corona-Zeiten ein dickes Fragezeichen. Und Tokio 2021? "Man muss ja davon ausgehen, dass die Spiele stattfinden. Ich sehe das positiv. Aber natürlich habe ich auch Momente, in denen ich zweifle." Eine weitere Absage wäre "eine Extremsituation".

Traum von Olympia-Medaille lebt

Braunschweig sei ein emotionaler Tiefschlag gewesen, gestand Krause: "Es war ein Zeichen, dass irgendwas passieren muss." Sie zweifle aber nicht an ihrem Potenzial. "Vielmehr habe ich den Traum, weiterhin über mich hinaus zu wachsen, an mir zu arbeiten und meinen Traum von einer olympischen Medaille im nächsten Jahr zu verwirklichen." Ihre beiden WM-Bronze-Plaketten und das EM-Gold hat sie im neuen Heim als Motivation in einer Vitrine. Die soll irgendwann in ein "Sportzimmer", das sich die Hindernisläuferin einrichten will - "mit einem Laufband".