Collage: Frodeno, Kienle und Lange

Jan Frodeno? Nicht dabei. Sebastian Kienle oder Anne Haug? Auch nicht. Der Ironman Frankfurt muss 2020 möglicherweise ohne die großen Triathlon-Stars auskommen. Jetzt stellt sich die Frage: Was macht der Nordhesse Patrick Lange?

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Die Epizentrum des jüngsten Triathlon-Bebens in Deutschland liegt in Mittelfranken, genauer gesagt in Roth. Rund um das 24.000-Einwohner-Städtchen südlich von Nürnberg findet seit mehr als zwei Jahrzehnten eines der wichtigsten deutschen Langdistanz-Rennen statt. Für die diesjährige Ausgabe am 5. Juli, das ist seit dieser Woche klar, liest sich das Starterfeld wie das Who is Who der internationalen Triathlon-Elite.

Jan Frodeno, Timothy O'Donnell und Sebastian Kienle bei den Männern, Anne Haug, Lucy Charles-Barclay und Sarah Crowley bei den Frauen: In beiden Rennen wird jeweils das komplette Podium der Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii an den Start gehen. Was die Organisatoren des als Challenge Roth bekannten Wettkampfes als "historisches Triathlon-Ereignis" sowie als "bestes Starterfeld aller Zeiten" feiern, stellt die Macher des Ironman Frankfurt vor große Probleme.

Ironman Frankfurt am 28. Juni

Weil ihr Rennen am 28. Juni und damit nur eine Woche vor dem Roth-Spektakel stattfindet, ist eine Teilnahme von Frodeno und Co. ausgeschlossen. Die in Frankfurt ausgetragene Europameisterschaft muss also ohne die amtierenden Weltmeister und weitere Aushängeschilder der Branche auskommen. Auch die Schweizerin Daniela Ryf – zweimalige Frankfurt- und viermalige Hawaii-Siegerin – hat sich mit dem Ironman Switzerland in Thun (12. Juli) ein anderes Rennen in die Saisonplanung eingetragen.

Droht der traditionsreichen und bei Fans beliebten EM nun also ein Jahr ohne den Glanz der großen Stars? "Wir werden auf jeden Fall ein adäquates Starterfeld haben", sagt der bei Ironman zuständige Geschäftsführer Oliver Schiek im Gespräch mit dem hr-sport. Er und seine Kollegen wollen nach eigener Aussage "in Kürze" darüber informieren, wer Ende Juni am Langener Waldsee an der Startlinie stehen wird. Dass im vergangenen Jahr Frodeno, Kienle und auch der zweimalige Weltmeister Patrick Lange dabei waren, sei in Schieks Augen "großes Glück" gewesen.

Das Pendel schlägt Richtung Roth aus

"Deshalb war mir schon im letzten Jahr klar, dass das Pendel nun wieder Richtung Roth ausschlagend wird." Für Welt- und Europameister Frodeno, um nur ein Beispiel zu nennen, wird es nach 2016 die zweite Teilnahme an dem Wettbewerb in Mittelfranken sein. Seitdem ist er zwei Mal in Frankfurt (2018, 2019) und ein Mal beim Ironman Austria in Klagenfurt (2017) gestartet. Wie alle anderen Roth-Teilnehmer wird auch der 38-Jährige zusätzlich einen Ironman beenden müssen, um die Qualifikation für die WM auf Hawaii im Oktober zu vervollständigen.

Dafür kommen am ehesten die Veranstaltungen in Südafrika (29. März) sowie auf Lanzarote (23. Mai) in Frage. Welche Top-Athletinnen und -Athleten an den unterschiedlichen Ironman-Rennen teilnehmen, darüber wacht Paula Newby-Fraser: Die Ex-Profi-Athletin (sage und schreibe acht Hawaii-Siege) verhandelt mit den Stars der Szene und verteilt sie auf die unterschiedlichen Wettkämpfe.

"Wir sind die Europameisterschaft"

Auch deshalb ist Geschäftsführer Schiek um die Attraktivität des Frankfurter Starterfelds nicht bange. Die Teilnahme von Andreas Böcherer (2016 EM-Zweiter) und der Darmstädterin Daniela Bleymehl (2016 EM-Dritte) steht bereits fest. "Wir sind die Europameisterschaft", betont Schiek selbstbewusst. "Der sportliche Wert wird auch 2020 wieder so sein, dass eine klasse Veranstaltung dabei herauskommt." Einer, der dem Ironman Frankfurt genau dazu verhelfen könnte, ist Patrick Lange.

Das Problem: Über die Saisonplanung des gebürtigen Bad Wildungers, der sich mit seinen WM-Triumphen 2017 sowie 2018 in die Weltspitze katapultiert hat, ist Stand jetzt noch nichts bekannt. Anfang März, so ist zu hören, will Lange die Öffentlichkeit darüber informieren, wie der Weg zu seinem dritten Hawaii-Sieg aussehen soll. Über Frankfurt nach Kailua-Kona? Möglich, aber nicht zwingend erforderlich.

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Lange, der viele Jahre in Darmstadt gelebt und trainiert hat, bezeichnet den Ironman Frankfurt gerne als sein "Heimrennen". 2017 wurde er Sechster, 2018 Dritter, 2019 nach einem Raddefekt und Magen-Darm-Problemen Elfter. 2020 könnte er den EM-Titel ein viertes Mal in Folge in Angriff nehmen – in Abwesenheit der harten Konkurrenz namens Frodeno und Kienle. Allein das würde für eine Teilnahme Langes sprechen.

Dagegen könnte sprechen, dass der 33-Jährige gerne neue und ungewohnte Wege ausprobiert. So wie im vergangenen Jahr, als er seiner Saisonplanung sowie sich selbst einen neuen Impuls verschaffte und Mitte Mai am Ironman 70.3 Vietnam teilnahm. Dass sein neuer Trainer Björn Geesmann, der im Winter Faris Al-Sultan beerbt hatte, nun ebenfalls neue Ideen mitgebracht haben dürfte: nicht ausgeschlossen. Sollte also auch Patrick Lange dem Ironman Frankfurt 2020 fernbleiben, würde das jüngste Triathlon-Beben noch etwas nachwirken.