Sarah True
Sarah True auf der Laufstrecke des Ironman Frankfurt - vor ihrem Zusammenbruch. Bild © Imago Images

Der Kollaps von Sarah True wenige hundert Meter vor der Ziellinie war die Schrecksekunde beim Ironman Frankfurt. Trainer Dan Lorang spricht am Tag danach über ihren Gesundheitszustand und wie es für die Amerikanerin weitergeht.

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Es war das Drama des diesjährigen Ironman Frankfurt: Sarah True führt 900 Meter vor der Ziellinie mit über sechs Minuten Vorsprung auf Skye Moench, sie muss nur noch auf den Beinen bleiben, aber der Tank ist leer. Auf der Brücke muss sie sich bereits am Geländer stützen, den Verpflegungsstand nimmt sie gar nicht mehr wahr. Dann werden die Beine immer schwerer, schließlich geben sie nach. Und Sarah Trues Traum vom Ironman-Sieg endet in den Armen der Sanitäter.

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Dan Lorang

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dan Lorang: "Es geht Sarah den Umständen entsprechend"

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"Ich kann mich noch erinnern, wie ich auf die letzte der vier Laufrunden am Mainufer eingebogen bin", sagte True abends nach dem Rennen. "Ich weiß erst wieder, dass ich in einem Medizinzelt lag und mein ganzer Körper mir mitteilte, dass mein Tag beendet ist." Eine sportliche Tragödie, denn nach ihrem zweiten Platz im Vorjahr standen die Zeichen in Frankfurt diesmal klar und deutlich auf Sieg.

"Es geht ihr den Umständen entsprechend gut"

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dpa Lorang

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dan Lorang: "Sarah wurde gut medizinisch verarztet"

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Einen Tag später gibt ihr Trainer Dan Lorang gesundheitlich Entwarnung. "Es geht ihr den Umständen entsprechend gut", so Lorang im Gespräch mit dem hr-sport. "Der Körper ist nach dem Kollaps natürlich geschwächt, es dauert ein wenig, bis der Flüssigkeits-und Mineralhaushalt wieder ausgeglichen ist." Auch habe es Überlegungen gegeben, sie über Nacht im Krankenhaus zu behalten. Der zuständige Arzt habe das aber nicht für nötig gehalten.

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Besonders besorgniserregend: Bereits beim Ironman im australischen Cairns vor knapp drei Wochen war True kollabiert und musste das Rennen ebenfalls abbrechen, damals nach knapp 15 Kilometern auf der Laufstrecke. Nach eingehenden medizinischen Checks schrieb die 37-Jährige anschließend bei Instagram, sie sei "glücklich, dass ihr Köper gesund, die Fitness gut und das Gehirn okay" seien. Nun der erneute Kollaps.

"Da muss man sich fragen, ob da sonst noch ein Problem vorliegt"

Der auch unter den Kollegen Thema war. Sebastian Kienle gab sich nach dem Rennen besorgt: "Sie ist hier in Frankfurt nur gestartet, weil das auch schon in Cairns passiert ist. Da muss man sich dann auch fragen, ob da sonst noch ein Problem vorliegt", so Kienle. "Man will immer ans Limit gehen, aber wenn du die Fähigkeit hast, so etwas mit dir anzustellen, dann habe ich den leisen Verdacht, dass da auch noch was daneben läuft. Es war sicher nicht das einzige Problem, dass es heiß und das Rennen hart war."

Lorang widerspricht dieser Lesart. "Sie wurde sehr gut medizinisch betreut. Die Blutwerte waren ganz normal, sodass man den Kollaps auf den hohen Flüssigkeitsverlust zurückführt und nicht auf etwas Organisches." Auch seien nach dem Ironman in Australien Vorkehrungen getroffen worden. "Wir haben die Ernährungsstrategie verändert und Tests gemacht, wie viel Natrium sie tatsächlich braucht. Wir haben das Bewusstsein geschärft, dass sie bei den Verpflegungsstationen Zeit nimmt zum Trinken und Kühlen. Wir haben auch das Pacing angepasst und eine konservative Strategie gewählt." Letzten Endes seien die Bedingungen mit bis zu 40 Grad zu hart gewesen. Dennoch, so Lorang: "Es gibt keinen medizinischen Grund, jeder Mensch geht unterschiedlich mit Hitze um."

"Da werden die Wunden noch etwas länger klaffen"

Vor allem die verpasste Norm für die Ironman-WM auf Hawaii dürfte True schmerzen. Dementsprechend enttäuscht gab sie sich in einem Statement auf Instagram. "Anstatt das Ziellinienband hochzuheben, bin ich kollabiert und brauchte medizinische Hilfe. Super gruselig, frustrierend und enttäuschend", so True. Auch Lorang glaubt: "Wenn man das große Ziel – den Ironman gewinnen und die Qualifikation für Hawaii – so knapp verpasst, und das nicht, weil die Leistung nicht stimmt, sondern weil der Körper nicht mit den Bedingen klargekommen ist, ist das mental extrem hart. Da werden die Wunden noch etwas länger klaffen."

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Dan Lorang

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dan Lorang: "Wenn alle Emotionen raus sind, überlegen wir, wie es weitergeht"

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Zumal der Traum von Hawaii zumindest für 2019 aller Voraussicht nach geplatzt sein dürfte, ein weiterer Ironman, damit sich True noch qualifiziert, scheint unverantwortlich. "Drei Ironman in kürzester Zeit und dann auch noch auf Hawaii die Leistung bringen, da weiß ich nicht, ob das klappt", so Lorang. Zunächst kehre True in die USA zurück. "Wenn alle Emotionen raus sind, entscheiden wir, wie es weitergeht."