Jakeb Sullivan schreit im Finale der ELF seine Freude heraus

Frankfurt Galaxy ist 2021 mit Volldampf auf die große Football-Bühne zurückgekehrt. Doch der steile Aufstieg der Galaxy war gleichbedeutend mit dem freien Fall von Bundesligist Frankfurt Universe.

Das Jahr 2021 war für Frankfurts Football-Fans ein emotionales. Für einige im guten Wortsinn, für andere im schlechten. Beginnen wir mit dem Guten: Frankfurt Galaxy ist zurück – das vielleicht bekannteste Football-Franchise außerhalb der USA. Die neue Galaxy knüpfte 2021 an die glorreichen Zeiten der alten Galaxy an und kürte sich in der neugegründeten European League of Football (ELF) gleich mal zum ersten Champion. Früher war mehr Lametta? Nicht bei der Galaxy.

Corona-Streit als Startschuss

Der Erfolg des neuen Clubs kam aber nicht von ungefähr. Er war nur möglich, weil Football-Bundesligist Frankfurt Universe die Jahre zuvor richtig gute Arbeit geleistet hatte. Das Problem: Die Universe hat vom Erfolg der Galaxy überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil. Der einstige Titelkandidat der German Football League (GFL) ist kaum noch konkurrenzfähig.

Auslöser der ganzen Entwicklung war die Corona-Pandemie. Vielleicht diente sie aber auch nur als Brandbeschleuniger einer ohnehin anstehenden Entwicklung. 2020 kam es zwischen dem American Football Verband Deutschland (AFVD) und mehreren Bundesligisten zum offenen Streit über die Änderung der Spielordnung. Ex-Universe-Geschäftsführer Alexander Korosek verlor das Vertrauen in die Liga und kündigte an, in der neuen ELF mit einem Frankfurter Team an den Start gehen zu wollen. Das Coaching-Team und der Großteil des Kaders von Frankfurt Universe folgten Korosek in die neue Liga, die mehr Potenzial und mehr Glamour versprach als die Vereins- und Verbandsstruktur der Bundesliga.

Um ein Haar abgestiegen

Die Folgen für die Universe lassen sich an der Abschlusstabelle 2021 ablesen. Frankfurt ist als Vorletzter der Südstaffel nur deshalb auch im kommenden Bundesligist, weil die Stuttgart Scorpions ebenfalls einen Großteil ihres Teams an einen ELF-Club (Stuttgart Surge) verloren. Beide Teams kassierten im Laufe der Saison über 320 Punkte mehr, als sie erzielten.

Die Universe brachte es auf zwei Saisonsiege. Einer davon, gegen die Allgäu Comets, glückte den Frankfurtern am Grünen Tisch. Die Comets weigerten sich, bei der Universe anzutreten, weil die Hessen kurz vor der Partie einen Corona-Fall im Team vermeldeten. Die Liga entschied jedoch: Die Comets hätten spielen müssen. Die Partie wurde mit 20:0 für die Universe gewertet. Hätte Frankfurt das Spiel gegen das Playoff-Team aus dem Allgäu verloren, was unter normalen Umständen zu erwarten gewesen wäre, träten die Hessen 2022 in der GFL 2 an.

Alte Liebe rostet nicht

Unter Frankfurts Football-Fans wird der Niedergang der Universe betrübt aufgenommen. Trotzdem gibt es nur wenige Stimmen, die der Galaxy die Schuld an der Universe-Misere geben. Die Folklore "neureicher, Besitzer-geführter Club lässt traditionellen Verein ausbluten" verfängt in diesem Fall nicht.

Im Prinzip war die Universe nur ein Platzhalter für die Galaxy, als die alte NFL Europe 2007 aufgelöst wurde. Mit der Rückkehr einer – so die Hoffnung – beständigen europäischen Liga ist die Bundesliga obsolet geworden. Der Schritt in die ELF ist gewissermaßen eine Rückkehr zu den Wurzeln des Frankfurter Footballs. Es ist daher auch nicht nur mit dem Erfolg zu erklären, warum die meisten Fans der Galaxy gefolgt sind – und die Universe vor wenigen Hundert gespielt hat.

Letzte Ausfahrt Rüsselsheim?

Eine Besserung ist für den Verein auch im kommenden Jahr nicht in Sicht. Wegen des mangelnden Zuschauerinteresses wird die Universe 2022 nicht mehr am Bornheimer Hang spielen. Im Gespräch ist ein Umzug nach Rüsselsheim. Es wird wohl bei einem kleinen Club von Hardcore-Fans bleiben, der die Universe auch in Zukunft noch unterstützt. Die Galaxy kann sich durch den Titel-Gewinn 2021 und der Aufstockung der Liga auf zwölf Clubs hingegen berechtigte Hoffnung machen, in Zukunft noch mehr Menschen zu erreichen.