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Jochen Schöps ist eine lebende Legende im Volleyball. Im Spätherbst seiner Karriere kann der 37-Jährige am Sonntag noch einmal den Pokal gewinnen – für die United Volleys Frankfurt wäre es der erste Titel der Vereinsgeschichte.

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Bei Jochen Schöps zu Hause ist ordentlich was los. Die Kinder wuseln durchs Wohnzimmer, die Katze springt auf den Schrank. Schöps zuckt mit den Schultern, grinst, ist die Ruhe selbst. "Hier gibt’s immer Trubel", sagt er und wirkt froh darüber. Früher habe er seine Freizeit oft am Computer verbracht, habe vor dem Bildschirm gehockt und gezockt. Heute baut er mit seinen kleinen Zwillingen Eisenbahnschienen aus Holzklötzen. Es ist ziemlich offensichtlich, was das schönere Hobby ist.

Bei Jochen Schöps, der deutschen Volleyball-Legende, hat sich mittlerweile so einiges verschoben. Früher ist er durch die Welt gejagt, spielte in Russland, Frankreich, Katar, Polen, war Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, gewann fast alles, was es zu gewinnen gab. Heute steht die Familie im Vordergrund.

"Wäre ein geiles Gefühl"

Und doch hat ihn ihm Spätherbst seiner Karriere noch einmal ein echtes Highlight erreicht. Mit 37 Jahren kann Schöps am Sonntag noch einmal den Deutschen Volleyball-Pokal gewinnen, es wäre sein fünfter Sieg in diesem Wettbewerb – und der erste für seinen aktuellen Klub, die United Volleys Frankfurt. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir es bis ins Finale schaffen", sagt Schöps dem hr-sport. "Aber dass ich jetzt im gehobenen Volleyball-Alter noch einmal einen Titel gewinnen kann, das ist schon was Besonderes. Das wäre schon ein geiles Gefühl."

Im Finale am Sonntag (17 Uhr) in Mannheim stehen mit den Volleys und den Netzhoppers Bestensee zwei absolute Außenseiter. Eigentlich werden die Titel in Deutschland seit Jahren fein säuberlich unter Friedrichshafen und Berlin aufgeteilt, doch diesmal ist alles anders. Bestensee pfefferte überraschend Berlin aus dem Wettbewerb, den Volleys gelang im Halbfinale der sensationelle Sieg über Friedrichshafen. Jetzt könnte es der erste Titel der Vereinsgeschichte werden – er wäre so wichtig.

Schlechte Saison, aber großer Triumph?

Vor sechs Jahren gründete der Unternehmer Jörg Krick die United Volleys, um einen Verein zu formen, der vor allem deutschen Talenten eine Chance gibt. Der Plan ging auf, die Frankfurter spielten immer oben mit, waren hinter Friedrichshafen und Berlin die klare Nummer drei. Zuletzt allerdings geriet das Projekt ins Wanken, die Talente von einst zogen weiter, verließen den Verein, es musste umdisponiert werden. Die Folge: Die Volleys spielen aktuell ihre schlechteste Bundesliga-Saison – und können doch ihren größten Triumph feiern. Es wäre ein klares Bekenntnis, das ehrgeizige Projekt weiterzuführen. Gerade in der Corona-Zeit kein einfaches Unterfangen.

Am Sonntag jedenfalls werden die Augen auf Jochen Schöps gerichtet sein. Natürlich fehlt ihm die Spritzigkeit, die Sprungstärke, wer aber nur wenige Minuten seinem Spiel zuschaut, der merkt, dass dieser ewig junge Diagonalangreifer das alles mit Erfahrung und Auge wettmacht. Wenn seinen Teamkollegen vor dem großen Spiel die Düse geht, wird Schöps gefragt sein. "Er kann uns mitziehen. Auf ihn können wir uns verlassen", sagt etwa der junge Mario Schmidgall. Den ein oder anderen Spruch muss sich Schöps trotzdem anhören. "Über die Opa-Witze kann ich aber lachen."

Ein "Extra-Kuss" zum Titel

Was die Zukunft bringt, das weiß er derzeit noch nicht. Klar sei, dass nun seine Ehefrau Anna den Takt vorgebe. "Sie hat lange genug zurückgesteckt." Und doch scheint ein weiteres Jahr bei den Volleys nicht ganz unrealistisch. "Ich bin überrascht, dass es immer noch so gut geht", sagt Schöps. Das Pokalfinale am Sonntag wird es zeigen.

Für einen der größten deutschen Volleyballer wäre es wohl der letzte Titel seiner Karriere, man mag sich ausmalen, was dann zu Hause los ist, wenn der Papa mit der Goldmedaille um den Hals die Wohnung betritt. "Gar nichts", sagt Schöps und lacht. "Die Kinder schlafen dann schon. Aber am nächsten Morgen gibt’s dann hoffentlich einen Extra-Kuss."