John Degenkolb auf dem Fahhrad

Der eigentlich stolze Hesse John Degenkolb hatte in der Corona-Zeit irgendwann die Nase voll von seiner Heimat. Gut für den Radprofi, dass am Samstag die Tour de France beginnt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found John Degenkolb freut sich auf die Tour

John Degenkolb
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Auch wenn John Degenkolb eigentlich immer gerne zu Hause bei der Familie ist, in diesem Sommer hatte der Oberurseler irgendwann genug von der hessischen Heimat. "Ich war noch nie so lange zu Hause und habe nach zwei, drei Monaten gedacht, ich kann's einfach nicht mehr sehen", gestand der Radprofi im Gespräch mit dem hr-sport.

Das Training im Rhein-Main-Gebiet in allen Ehren, aber irgendwann habe er einfach seinen Radius erweitern müssen. "Ich bin in alle Himmelsrichtungen gefahren. Habe noch längere Touren gemacht, bin unter anderem bis nach Weißenburg in Frankreich gefahren. Auch wenn das als Hesse wehtut: In der Pfalz, das hat wahnsinnig Spaß gemacht."

Altersgerechter Saisonkalender

Gut für Degenkolb, dass die Radsport-Saison Anfang August endlich wieder angelaufen ist. Mailand-Sanremo musste der Oberurseler mit einem "weinenden Auge" noch weglassen, bei der Polen-Rundfahrt saß er dann aber endlich wieder bei einem Profi-Rennen im Sattel. "Ich bin nicht mehr so jung, ich kann mich nicht mehr so krass belasten", erklärt der 31-Jährige, warum er nicht mehr alle großen Rennen fahren kann. Die Tour de France, die am Samstag beginnt, wird er sich aber selbstverständlich nicht nehmen lassen.

Die Tour, sie ist das Aushängeschild des professionellen Radsports, ihre Bedeutung nur schwer in Worte zu fassen. "Wenn die Tour nicht stattfinden wird, dann sind die ganzen Konsequenzen der Coronakrise für den Radsport nicht abzusehen", so Degenkolb. Wenn es aber klappt mit der 107. Auflage, könne die Saison "noch ein Stück weit gerettet werden".

Zwei Strikes und raus

Die Gefahr, dass die Tour für ein Team schnell wieder vorbei ist, ist groß. Wird ein Fahrer positiv auf Corona getestet, ist das Rennen für ihn gelaufen. Wird ein zweiter Fahrer aus demselben Team positiv getestet, wird das komplette Team nach Hause geschickt.

Die ersten Corona-Meldungen hatte Degenkolbs Team Lotto-Soudal auch schon vor der Tour: Zwei Personen wurden wegen "nicht negativer" Coronatests aus dem Betreuerstab genommen. Wie der belgische Rennstall am Donnerstagabend mitteilte, sind auch ihre Zimmerkollegen als Risikokontakte nach Hause geschickt worden.

Weiter Vorsicht geboten

Ein Test sei positiv ausgefallen, bei dem anderen habe es ein verdächtiges Ergebnis gegeben. Beim ersten Test sechs Tage vor der Tour seien alle Fahrer und Teammitglieder negativ getestet worden. Der Tour-Start des Teams sei nicht in Gefahr.

Dennoch ist weiter Vorsicht geboten. Große Interaktionen mit Fans verbieten sich da quasi von alleine. "Das ganze Flair wird ein anderes sein", prognostizert Degenkolb daher, "aber es ist der richtige Weg, das vorzugeben. Und wir müssen uns daran halten."

Bei allen Sorgen überwiegt beim Hessen aber trotzdem die Vorfreude auf das Radsport-Ereignis des Jahres. Für sein Team Lotto Soudal wünscht er sich wenigstens einen Etappensieg. "Wenn es zwei oder drei sind, habe ich auch nichts dagegen."

Helfen und Glauben

Degenkolbs Rolle ist nicht eindeutig definiert. Er selbst versteht sich als Helfer und möchte diese Rolle "so gut es geht erfüllen". Den Glauben an sich selbst will er dabei aber auch nicht verlieren. "Vielleicht klappt's mit dem zweiten Etappensieg", so der Oberurseler. Es wäre eine schöne Entschädigung für den monatelangen Lagerkoller in der Heimat.