Im Amateursport sind in der vergangenen Saison fast alle Spielzeiten abgebrochen worden – das soll nicht noch einmal passieren. Deshalb gibt es jetzt Pläne und Szenarien.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So plant der hessische Amateursport die neue Saison

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Saisonabbruch im Amateursport - diese Schlagzeile hat es auch für die Saison 2020/21 gegeben. Und das nicht nur ein Mal - egal, ob Handball, Badminton oder Fußball, steigende Inzidenzzahlen sorgten in vielen Sportarten für ein jähes Ende der Spielzeiten, andere starteten gar nicht erst, wie im Ringen oder Judo. Jetzt aber, wo immer mehr Menschen geimpft werden, steigt die Zuversicht bei den Sportverbänden – gerade im Hinblick auf nächste Saison.

Fußball - Notfallpläne und ein bisschen Hoffnung

"Mit jeder Impfung steigt bei mir die Hoffnung, dass die Saison nicht wieder unterbrochen werden muss", sagt Jürgen Radeck, der Vorsitzende des Verbandsausschusses für Spielbetrieb in Hessen, im Gespräch mit dem hr-sport: "Wir wollen unbedingt die Zielflagge sehen, ohne dass die Pandemie uns wieder einen Strich durch die Rechnung macht."

Die Zielflagge, das ist für den Hessischen Fußballverband (HFV), die kommende Saison sportlich zu beenden: "Wir haben aus den letzten zwei Jahren gelernt, dass wir erstmal eine Wertungsgrundlage schaffen müssen, damit es später nicht zu Diskussionen kommt", so Radeck.

Vier Modelle, ein Datum

Um das zu erreichen werde "defensiv geplant" , also mit mehr Zeit als Puffer. Deshalb haben die Verantwortlichen beim HFV vier Modelle ausgearbeitet und den zuständigen Kreisfußballwarten vorgestellt.

1. Einfachrunde (jeder gegen jeden)
2. Aufteilung in Doppelrunde mit zwei Gruppen
3. Aufteilung in Einfachrunde mit zwei Gruppe
4. Normale Runde (mit Hin- und Rückspiel)

Ob die Aufteilung nach Kreisen erfolgt oder die Leistung in der Vorsaison eine Rolle spielt, steht noch nicht fest. Auch nicht, ob noch eine Auf- bzw. Abstiegsrunde dazukommt. Eine weitere Variable ist, wann die Saison starten soll. Radeck hält einen Auftakt bereits Ende August für möglich. Am 17. Mai findet das nächste Treffen mit den Kreisfußballwarten statt.

Ob dabei schon eine Entscheidung fällt, in welcher Liga welches Modell zum Einsatz kommt und ab wann gespielt wird, ist nicht klar. Ein konkretes Datum gibt es allerdings schon: Der 6. Juni. Bis dahin können die hessischen Vereine ihre Teams melden. Ab dann sollen auch die Spielpläne vorbereitet werden.

Landessportbund nimmt Politik in die Verantwortung

Vorbereitet sein, das will auch der Landessportbund Hessen (LSB). Bereits im Februar hatte der LSB mit einem Stufenmodell zur Wiederaufnahme des Amateursports an die Hessischen Landesregierung gewandt, an den Forderungen hält Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes, weiter fest. "Wir brauchen einen verantwortungsvollen Stufenplan auch für Lockerungen im Amateurbereich - gerade was Mannschaftssportarten angeht. Das würde den hessischen Sportverbänden und unseren rund 7.500 Vereinen die Planungen für die nächste Saison deutlich erleichtern", sagte er dem hr-sport.

Sorge bereitet dem Landessportbund dabei, dass ein Mitglieder-Rückgang bei den Vereinen deutlich zu erkennen ist: Allein im Jahr 2020 haben 69.000 Mitglieder in Hessen ihren Sportverein verlassen. Der Dachverband befürchtet sogar, dass diese Tendenz in den ersten Monaten des neuen Jahres noch weiter zugenommen hat. Vor allem im Nachwuchsbereich nehme dieser Trend eine "Besorgnis erregende Entwicklung" an.

Gute Aussichten für Individualsport

Dass die aktuell geltende Bundesnotbremse auch bei einem Inzidenzwert über 100 den Individualsport zulässt, das macht zum Beispiel Tennis nahezu problemlos möglich. Auch deshalb blickt der Hessische Tennisverband (HTV) optimistisch auf die anstehende Spielzeit.

So wurde die Amateur-Saison, Medenrunde genannt, zwar von Anfang Mai auf Anfang auf Juni verschoben, soll dann aber normal stattfinden. Offen ist nur, ob auch Doppel gespielt werden können. Michael Otto, Vizepräsident der HTV, ist optimistisch: "Wir haben letztes Jahr gezeigt, dass eine Medenrunde in Einzel und Doppel möglich ist – auch während Corona. Eine Ansteckung ist uns nicht bekannt, von daher sind wir zuversichtlich."

Ganz ähnlich sieht die Situation der Hessische Leichtathletikverband (HLV). Er hat die Meisterschaften von April und Mai in eine "Late Season" verschoben. Damit soll den Sportlerinnen und Sportlern genug Zeit gegeben werden, sich auf ihre Wettkämpfe entsprechend vorzubereiten. Der HLV hofft damit auf eine "möglichst umfangreiche Meisterschaftssaison im Spätsommer". Dabei soll insbesondere auch an die jüngsten und ältesten Athletinnen und Athleten gedacht werden.