Timo Kastening von der MT Melsungen

Der Kapitän: Hesse. Das Sorgenkind: Hesse. Der Leistungsträger auf Rechtsaußen: Hesse. Die deutsche Nationalmannschaft reist mit viel hessischem Blut zur Handball-EM und kann dort eigentlich nur gewinnen. Ein Überblick.

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Kastening über Neu-Kapitän Golla: "Er ist ein mega Teamspieler"

Timo Kastening
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Alle Jahre wieder steht der Januar im Zeichen eines großen Handball-Turniers. Dieses Mal an der Reihe: die Handball-EM in Ungarn und der Slowakei (13.01. bis 30.01.). Mit dabei im deutschen Team, das nach einem personellen Umbruch mit Außenseiter-Chancen antritt, sind auch sechs Hessen. Wer ist das? Und ist eine Medaille wirklich unrealistisch? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Welche Hessen sind dabei?

Bundestrainer Alfred Gislason hat in seinen vorläufigen 19-Mann-Kader ganze sechs Spieler aus hessischen Teams oder mit hessischen Wurzeln nominiert. Von der MT Melsungen sind Rechtsaußen Timo Kastening und die beiden Rückraum-Akteure Kai Häfner und Julius Kühn dabei, von der HSG Wetzlar hat es Torhüter Till Klimpke erstmals ins Aufgebot geschafft. Komplettiert wird das Sextett von Jannik Kohlbacher aus Bensheim (Bergstraße) und dem Rüdesheimer (Rheingau-Taunus) Johannes Golla.

Welcher Hesse geht voran?

Eine hessische Sonderrolle hat ganz klar Kreisläufer Golla. Der 1,95-Meter-Hüne, der 2018 von Melsungen zur SG Flensburg/Handewitt wechselte, hat den zurückgetretenen Uwe Gensheimer als Kapitän beerbt und wird die DHB-Auswahl mit der Binde am Arm aufs Parkett führen. Golla gilt, das verrät bereits sein Spitzname "Kampfsau", als harter Arbeiter und ehrlicher Profi. "Er ist ein mega Teamspieler und trotz seines jungen Alters pflicht- und verantwortungsbewusst", fasste Teamkollege Kastening die Stärken seines Kapitäns zusammen. "Wir kommen alle sehr gut mit ihm zurecht."

Welcher Hesse hinkt hinterher?

Jannik Kohlbacher. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der gebürtige Südhesse, der in Wetzlar zum Nationalspieler reifte und inzwischen bei den Rhein-Neckar Löwen sein Geld verdient, laboriert aktuell an einer Adduktorenverletzung und befindet sich folglich im Wartestand. Trainer Gislason verzichtete bislang auf eine Nachnominierung, spätestens am 14. Januar muss ich der Isländer aber für 16 Profis entscheiden und den endgültigen Kader berufen.

Für Kohlbacher, der die Reise zum ersten Spielort nicht mitangetreten hat, wird es wohl ein Wettrennen mit der Zeit. "Er hat es gestern probiert, es ging nicht. In einer Woche schauen wir, ob wir ihn nachholen", sagte Gislason am Freitag.

Wie ist das DHB-Team einzuschätzen?

Nach dem personellen Neuanfang mit zahlreichen Rücktritten und EM-Absagen gleicht die Nationalmannschaft aktuell einer Wundertüte. Mit Torhüter Andreas Wolff, Rückraumspieler Simon Ernst sowie dem hessischen Trio Kühn, Häfner und Kohlbacher sind nur noch fünf Europameister von 2016 dabei.

Dem gegenüber stehen mit den Keepern Klimpke und Joel Birlehm, den Rückraumspielern Julian Köster, Luca Witzke, Christoph Steinert, Sebastian Heymann und Djibril M'Bengue sowie die beiden Außen Lukas Mertens und Lukas Zerbe gleich neun Akteure vor ihrem EM-Debüt. "Es kommt sehr viel Qualität nach, das ist eine Stärke des deutschen Handballs", so Leistungsträger Kastening. "Auch ich werde mich neu beweisen müssen."

Was sind die Ziele des DHB-Teams?

Angesichts der vielen neuen Gesichter und der noch immer nachwirkenden Olympia-Enttäuschung geben sich alle Verantwortlichen betont zurückhaltend. Von einer Medaille spricht niemand, auch für Kastening wären ernsthafte Gedanken ans Halbfinale vermessen. "Wir sind gut beraten, uns erst einmal auf die Vorrunde zu konzentrieren", betonte er.

In dieser trifft die DHB-Auswahl zunächst am 14. Januar in Bratislava auf Belarus. Die weiteren Gruppengegner sind Österreich und Polen. "Wir haben eine extrem starke Mannschaft und werden alles reinlegen", so Kastening. "Dann schauen wir mal." Die Aussichten? Alles ist möglich.

Wie ist der Modus der EM?

Die insgesamt 24 Mannschaften sind in sechs Vierergruppen aufgeteilt, aus denen sich jeweils die beiden Erstplatzierten für die Hauptrunde qualifizieren. Dort geht es in zwei Sechsergruppen um die Plätze fürs Halbfinale. Die beiden Drittplatzierten spielen zusätzlich noch Platz fünf aus. Die großen Titel-Favoriten sind die üblichen Verdächtigen aus Frankreich, Dänemark und Spanien. Deutschland bleibt der Status des potenziellen Überraschungsteams.