Heinrich am Puck

Die Coronavirus-Krise lähmt auch den Planungsdrang in der zweiten Eishockey-Liga. Der Kader einiger DEL2-Clubs nimmt dennoch Konturen an: Bei den Kassel Huskies sorgt der Abgang eines Urgesteins für Überraschung.

Es war eine höchst überraschende Nachricht, die da Anfang der Woche aus dem Zwinger der Schlittenhunde kam. Alexander Heinrich, das ist seit ein paar Tagen klar, wird nicht mehr für die Kassel Huskies spielen. Schluss, Aus, vorbei – nach 585 Partien im blau-weißen Trikot. Nur Manuel Klinge (622) und Sven Valenti (603) standen für den ECK noch häufiger auf dem Eis.

Nicht mehr mit Heinrich zu planen, das sei eine "harte Entscheidung" gewesen, wie Geschäftsführer Joe Gibbs nach rund 15 Jahren der Zusammenarbeit betont. Aber eben auch eine, die "Teil des Eishockey-Geschäfts" sei. Heinrich wurde in Kassel geboren, schon in der Jugend spielte er in seiner Heimatstadt Eishockey. In den vergangenen zwei Jahren führte er das Rudel der Huskies als Kapitän an.

Alexander Heinrich: "Ich gehe hier nicht im Unreinen"

Das Trikot seines Vaters Herbert hängt unter dem Dach der Kasseler Eissporthalle, dessen frühere Rückennummer fünf wird vom Verein nicht mehr vergeben. Mehr Anerkennung geht im deutschen Eishockey kaum. "Ich habe dem Eishockeystandort wahnsinnig viel zu verdanken. Daher gehe ich hier nicht im Unreinen", sagt Heinrich junior deshalb auch selbst.

Der 32-Jährige ist nicht der einzige, der die Nordhessen zur neuen Saison verlässt. Zeitgleich mit Heinrichs Abgang verkündete der Club auch die Wechsel von Justin Kirsch (Heilbronn), Alexander Karachun, Noureddine Bettahar und Nick Walters. Meldungen, die in diesen Tagen zumindest für einen Moment den Anschein sportlicher Normalität erwecken.

Saison in DEL und DEL2 abgebrochen

Die Coronavirus-Krise beeinflusst freilich nicht nur die Planungen der Kassel Huskies. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) sowie die DEL2, in der neben dem ECK auch die Löwen Frankfurt und der EC Bad Nauheim spielen, haben die Saison bereits Mitte März konsequent abgebrochen. Beide Ligen hatten zu diesem Zeitpunkt jeweils die Hauptrunde beendet und standen kurz vor den Play-offs. Nun gibt es nicht nur keine Meister, in den Ligen unterhalb der DEL fallen zudem Auf- und Abstieg aus.

"Es gibt im Moment wichtigeres als Eishockey", betont Kassels Vereinssprecher Thomas Lange im Gespräch mit dem hr-sport. Am Fuße des Herkules, dem Wahrzeichen der Stadt im Bergpark Wilhelmshöhe, wissen sie aber auch: Früher oder später muss die neue Saison geplant werden.

Kassel Huskies planen Trainingsauftakt im August

Die Huskies wollen klassischerweise im August aufs Eis zurück und mit der Vorbereitung beginnen. Vier, fünf Wochen später, irgendwann zwischen Anfang und Mitte September, soll die DEL2 in eine neue Runde starten. Allerdings: Unter welchen Bedingungen? Mit oder ohne Zuschauer? Und vor allem: Welche Spieler werden im Kader sein? Corona macht professionellen Sport praktisch unplanbar, Eishockey ist da keine Ausnahme.

Unter gewöhnlichen Umständen würden die Schlittenhunde momentan – genau wie die Löwen – ihre Viertelfinal-Serie in den Play-offs austragen. Frankfurt gegen Dresden, Kassel gegen Kaufbeuren. Bei bis zu sieben Partien pro Serie sowie bei einem Einzug ins Finale hätte jeder Club maximal zwölf weitere Heimspiele ausrichten können - inklusive aller damit verbundenen Einnahmen.

Alexander Heinrich: "Situation mit Coronavirus nicht leicht"

Geld, das man beim ECK "gerne mitgenommen" hätte, wie Lange sagt. In finanzielle Schieflage gerät das Kasseler Eishockey, das in seiner Historie schon einige Insolvenzen zu verzeichnen hatte, aber nicht. Die Kalkulation vor der Saison sei konservativ gewesen: Zusätzliche Einnahmen während der Play-offs tauchten dort nicht auf.

Alexander Heinrich muss sich seinen Kopf über die wirtschaftliche Lage der Kassel Huskies theoretisch nicht mehr zerbrechen – über seine eigene sportliche Zukunft hingegen schon. Wie es für ihn weitergeht, ist derzeit allerdings noch unklar. "Dazu werde ich mir in den kommenden Wochen Gedanken machen", sagt er. "Die jetzige Situation mit dem Coronavirus ist auch nicht leicht. Daher werde ich mir mit meiner Entscheidung bezüglich meiner Zukunft Zeit lassen." Nach 585 Spielen und insgesamt fast 15 Jahren im Zwinger der Schlittenhunde mehr als nachvollziehbar.