Tim Kehler an der Bande der Kassel Huskies

Bei der Niederlage in Heilbronn erleben die Kassel Huskies den nächsten Rückschlag. Der Fast-Aufsteiger aus der DEL2 droht für lange Zeit im Tabellenkeller stecken zu bleiben. Das nächste Spiel könnte richtungsweisenden Charakter haben.

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Audioseite Löwen lassen Verfolger keine Chance - Kassel verspielt 4:0-Führung

Jubel bei den Löwen Frankfurt
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Es war offenbar nur ein kleines Zwischenhoch. Das 4:3 n.V. der Kassel Huskies gegen Kaufbeuren, dieser erste Heimsieg in der modernisierten Eissporthalle - es hat die Ketten, die die Schlittenhunde im bisherigen Saisonverlauf der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) massiv zurückhalten, nicht gesprengt.

Am Sonntag, keine 48 Stunden später, gab es in Heilbronn einen weiteren Tiefpunkt: Bei den Falken verspielten die Nordhessen eine frühe 4:0-Führung und verloren mit 5:7.

Kassel Huskies: Zehn Minuten Perfektion reichen nicht

"Heilbronn hatte den Glauben daran, Tore zu schießen und zurückzukommen", sagte ECK-Trainer Tim Kehler nach der Partie. Sein Team war in der Anfangsphase nahe an der spielerischen Perfektion, agierte effizient sowie vor allem konzentriert und erzielte in den ersten zehn Minuten vier Treffer.

Ein Vorsprung, der im schnellsten Mannschaftssport der Welt sicherlich mal dahinschmelzen kann. Aber eben auch einer, der einem Club mit Titelambitionen zum Sieg reichen sollte. Allerdings: Vom Titel, geschweige denn von den Play-offs, sind die Huskies in der aktuellen Verfassung so weit entfernt wie schon lange nicht mehr.

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Die neue Halle der Kassel Huskies
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Seit Wochen verwundert und verärgert Kassel seine Fans mit Leistungen und Ergebnissen, die den Club in eine für ihn ungewohnte Tabellenregion geführt haben: Nach sieben Niederlagen in neun Spielen sind die Schlittenhunde das Schlusslicht der Liga, einzig beim 3:1 in Bad Nauheim gab es einen Sieg nach 60 Minuten.

Mit gerade einmal 20 Toren stellt der ECK die harmloseste Offensive der DEL2, insbesondere die Trefferquoute in Überzahl (acht Prozent) ist erschreckend. Das 1:6 im Derby gegen die Löwen Frankfurt vom dritten Spieltag rundet das schlechte Gesamtbild ab. Kurzum: Vom Vorjahresfinalisten, Fast-Meister und Aufstiegsaspiranten Kassel ist aktuell nicht mehr viel übrig.

"Panic plays" machen Huskies das Leben schwer

"Tore zu schießen, war ein echtes Problem für uns", sagte Kehler am Sonntagabend. Schon nach dem Sieg gegen Kaufbeuren hatte er vorgerechnet: "19 bis 20 Schüsse für ein Tor - das geht nicht. Normal sind zehn bis zwölf."

Hinzu kämen, so Kehler, "panic plays": Panikmomente wie Puck- und Stockfehler oder eine schlechte Deckung an der blauen Linie. "Ein Fehler ist völlig okay", sagte der Coach. Danach aber müsse seine Mannschaft bitte mit weniger Panik spielen. "Es kommt auf Glauben und Vertrauen an", ist sich der 50 Jahre alte Kanadier sicher.

Als Trainer des Jahres 2020/21 genießt er in Kassel nach wie vor ein hohes Ansehen. "Er hat da auf keinen Fall allein Schuld. Die Spieler vertrauen ihm", wurde Huskies-Boss Joe Gibbs kürzlich in der HNA mit Blick auf die sportliche Talfahrt zitiert. Allerdings: Eine Job-Garantie gibt es auch für Kehler in Kassel nicht: "Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man sagen muss: Es geht nicht mehr. Bei uns ist dieser Zeitpunkt aber noch nicht gekommen", so der Kasseler Geschäftsführer.

Am Dienstag kommt Freiburg

Dem nächsten Heimspiel gegen den EHC Freiburg (Dienstag, 19.30 Uhr) könnte nun ein richtungsweisender Charakter zukommen. Die Wölfe sind als aktuell Tabellenzwölfter und mit neun Punkten aus zehn Spielen überraschenderweise nicht wesentlich besser in die Saison gestartet als die Huskies.

Was Kassel gegen den EHC benötigt? Geht es nach Kehler, dann am besten drei solch starke Drittel, wie es die Huskies im Schlussabschnitt gegen Kaufbeuren gespielt haben: "Im letzten Drittel hatten die Jungs den Glauben." Und genau der scheint in der DEL2 momentan eine Menge auszumachen.

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