Um Siege in der Formel 1 geht es sowieso nicht mehr für Sebastian Vettel, aber im Kampf um seine Zukunft, muss sich seine Leistung verbessern - in Barcelona hat der Heppenheimer nun eine "Ausrede" weniger.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Auch in Silverstone schwach: Vettel nur Zwölfter

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Sebastian Vettel sorgt seit Wochen für staunende Gesichter in der Formel 1. Allerdings nicht so, wie er es gerne hätte. Fahrfehler werfen ihn zurück, seinen Ferrari bewegt er viel langsamer als der Teamkollege, und im WM-Klassement reicht es nur für Rang 13. Über die Gründe wird gerätselt. Ein viermaliger Weltmeister, so der Tenor, verlernt doch nicht das Autofahren.

Nicht nur Ex-Champion Nico Rosberg vermutet daher externe Faktoren, ein beschädigtes Chassis etwa - und zumindest diese "Ausrede" ist Vettel nun genommen: Beim sechsten Saisonrennen in Barcelona am Sonntag erhält der Heppenheimer von Ferrari ein neues Fahrgestell.

Chassis-Tausch als Lösung?

"Nach dem vergangenen Rennen in Silverstone" habe die Scuderia "einen kleinen Schaden entdeckt, der wohl durch einen harten Randstein-Kontakt hervorgerufen wurde", sagte der zuständige Chef-Ingenieur Simone Resta. Er dämpfte aber gleich die Hoffnung der Vettel-Fans, dass damit der Grund für die Probleme gefunden ist: Der Schaden habe im Zweifel "keinen großen Effekt auf die Performance", die Entscheidung zum Chassis-Tausch sei dennoch "logisch".

Damit erfüllt das Team seinem Piloten einen Wunsch. Das wirkt selbstverständlich, schließlich geht es auch für Ferrari um Punkte in der Herstellerwertung. Und doch setzt die Scuderia auch ein Zeichen in einer Phase, in der Verschwörungstheorien durchs Netz geistern: Nach Vettels Ausbootung zum Jahresende, so raunen einige, kümmere sich das Team nun vor allem um den Erfolg seines Stallrivalen Charles Leclerc.

Vettel will sich zeigen

Der Chassis-Tausch könnte Vettel nun helfen, im Zweifel schiebt er ihm aber auch ungewollt die Verantwortung zu. Denn in Barcelona wird man jetzt genau hinschauen, und zeigt Vettels Formkurve auch am Wochenende nicht nach oben, dann darf weiter gerätselt werden. Denn es gibt ja durchaus auch andere Erklärungen.

Fahrfehler häufen sich seit einer Weile ohnehin beim Deutschen, diese Vorfälle ziehen sich schon durch die vergangenen zwei Jahre. Es scheint, als habe Vettel in der zweiten Hälfte seiner Zeit bei Ferrari das Vertrauen und die Sicherheit verloren. Für 2021 hofft er weiter auf ein Cockpit bei der Konkurrenz und sollte daher zeigen, was er weiterhin zu leisten im Stande ist.

Gefühle von "seltsam" bis "etwas frustrierend"

Ein Tiefpunkt wie nun in Silverstone hilft da nicht. Dass der Ferrari momentan kein Siegerauto ist, hat sich zwar herumgesprochen, aber Leclerc wurde in den beiden England-Rennen immerhin Dritter und Vierter - während Vettel weder im Qualifying noch im Rennen über Rang zehn hinauskam. Vettel selbst will sich an Verschwörungstheorien ausdrücklich nicht beteiligen, eine Antwort hat aber auch er nicht.

Ob er glaube, dass Ferrari zwei identische Fahrzeuge einsetze, wurde er zuletzt im britischen Fernsehen gefragt. "Ich weiß es nicht", sagte er nach kurzem Schweigen, "ich denke, es gibt etwas, das ich übersehe. Ich bin aber nicht sicher, was es ist." "Seltsam" und "etwas frustrierend" sei seine Geschwindigkeit, "ein Fragezeichen". Er muss nun auf Antworten in Barcelona hoffen.