Kim Kalicki in ihrem Glücksshirt

Bei der Bob-WM in Altenberg kann die Wiesbadenerin Kim Kalicki am Wochenende Gold gewinnen. Helfen soll dabei ein frisch gewaschenes Kleidungsstück.

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Kim Kalicki
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Kim Kalicki, 23, ist die große deutsche Überraschung dieses Winters. In ihrer ersten kompletten Weltcup-Saison im Zweierbob wurde sie auf Anhieb Zweite der Gesamtwertung, hatte bis zum letzten Rennen am Sonntag in Innsbruck sogar noch Siegchancen. Am Freitag startet die Pilotin aus Wiesbaden mit ihrer Anschieberin Ann-Christin Strack (Gießen) nun in die Weltmeisterschaften in Altenberg. Nach Silber im vergangenen Jahr soll es diesmal Gold werden.

hessenschau.de: Frau Kalicki, sind Sie abergläubisch?

Kim Kalicki: Ich ziehe vor dem Wettkampf immer erst den linken und dann den rechten Schuh an. Wenn ich das andersrum mache, dann fahre ich langsamer. Zumindest denke ich das. (lacht) Und unter dem Rennanzug trage ich immer die gleichen Klamotten.

Manchmal guckt da ein Superman-Shirt raus.

Das ist eigentlich ein ganz billiges T-Shirt, das ich mir irgendwann mal gekauft habe. Durch Zufall hatte ich es dann letzte Saison bei allen wichtigen Rennen an, war erfolgreich und mache das seitdem immer. Ich weiß, es hört sich vielleicht blöd an, aber letzten Sonntag in Innsbruck hatte ich es erstmals nicht drunter. Und schon wurden wir nur Sechste!

Nein! Wie konnte das passieren?

Wir hatten in Innsbruck die Möglichkeit, unsere Wäsche zu waschen. Und weil am Wochenende ja die WM ansteht, wollte ich mit einem frischen Shirt in die WM starten.

Dann haben wir die Ursache für Platz sechs ja schon gefunden…

Wir sind in Innsbruck nicht mit der Top-Besetzung gefahren, für meine Anschieberin war es ihr erster Weltcup-Einsatz überhaupt. Deshalb hat es beim Einsteigen auch ein bisschen gehakt und wir sind direkt am Anfang gegen die Bande gefahren. Da bekommst du dann natürlich keinen Speed, das war ärgerlich.

Davor sind Sie in jedem Ihrer Weltcup-Rennen aufs Podest gefahren. Woher kommt diese brutale Konstanz?

Wir haben unser Training sehr hart und sehr gut aufgebaut. Deshalb passt es beim Start. Außerdem arbeite ich sehr eng mit dem Team von Francesco Friedrich zusammen und habe mir von den Jungs schon einiges abgucken können, gerade wenn es um den Schlitten geht, wie der eingestellt ist, wie ich das Material pflege. Aber zu viel will ich da auch nicht verraten – es soll ja mein Geheimnis bleiben.

Wir verraten nichts, versprochen! Ihr schraubt da täglich an euren Schlitten rum... Waren Sie schon immer so ein Freak oder haben Sie eigentlich zwei linke Hände?

(lacht) Tatsächlich war das am Anfang für mich der Horror, weil ich handwerklich einfach völlig unbegabt bin. Und das ist nicht wirklich gut. Du kannst am Bob so viel falsch einstellen, dann wird er langsam oder fällt plötzlich auseinander – bei 130 km/h ist das dann nicht ganz so angenehm. Aber mittlerweile kriege ich das ganz gut hin, lasse aber auch nochmal jemand drüber gucken.

Am Freitag startet für Sie die WM in Altenberg. Im vergangenen Jahr haben Sie dort überraschend Silber gewonnen – ist jetzt Gold das logische Ziel?

Ich spüre natürlich schon ein bisschen den Druck. Es gibt einige Pilotinnen, die um Gold kämpfen. Alle Deutschen, die Nordamerikanerinnen. Es wird spannend, alles kann passieren.

Weitere Informationen

Zeitplan WM in Altenberg

Freitag, 04.02. – 1. und 2. Lauf Zweierbob mit Kim Kalicki
Samstag, 05.02. – 3. und 4. Lauf Zweierbob mit Kim Kalicki

Donnertag, 11.02. – 1. und 2. Lauf Skeleton mit Tina Hermann
Freitag, 12.02. – 3. und 4. Lauf Skeleton mit Tina Hermann

Samstag, 13.02. – 1. und 2. Lauf Monobob mit Kim Kalicki
Samstag, 13.02. – Skeleton-Mixed mit Tina Hermann
Sonntag, 14.02. – 3. und 4. Lauf Monobob mit Kim Kalicki

Ende der weiteren Informationen

Im Zweierbob-Weltcup sind Sie nun Zweite geworden. Darin ist Deutschland eine Macht. Jetzt gibt es aber seit dieser Saison auch den Monobob, da findet man die Deutschen immer sehr weit hinten. Warum?

Die Schlitten sind von unterschiedlichen Herstellern und haben unterschiedliche Lenksysteme. Darauf haben wir uns noch nicht eingestellt, da müssen wir einfach noch Erfahrungen sammeln. Die anderen Nationen sind da schon ein Stück weiter.

Der Monobob wurde eingeführt, damit Männer und Frauen bei den großen Meisterschaften gleich viele Medaillen sammeln können. Die Männer im Vierer und Zweier, die Frauen im Zweier und im Monobob. Viele Pilotinnen finden das aber gar nicht so gut.

Die Idee dahinter ist echt cool, aber Bobfahren ist eine Teamsport. Wir Pilotinnen haben jetzt zwar die Möglichkeit, eine weitere Medaille zu gewinnen – unsere Anschieberinnen aber nicht, obwohl sie Kufen schleifen und den Bob schleppen. Wir wären lieber Vierer gefahren.

Das Gespräch führte Sebastian Rieth.