Christian von Eitzen lebt in London, ist aber Teil des Athletics Team Karben und tritt am Wochenende bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften an. Über die 800 Meter will er ganz vorne mitlaufen - und damit auch die Folgen einer Corona-Erkrankung vergessen machen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Läufer von Eitzen: "Auf jeden Fall unter die Medaillen kommen"

Christian von Eitzen
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London, Hamburg, Frankfurt. Die wichtigsten Stationen im Leben von Christian von Eitzen waren immer die großen Metropolen Europas. Karben in der Wetterau scheint nicht so recht reinzupassen in die Aufzählung des Profi-Sportlers. 22.000 Menschen wohnen in der Kleinstadt an der Nidda. Es gibt ein Hallenbad, einen mäßig bekannten TV-Koch und ein Landwirtschaftsmuseum.

Den 24-Jährigen aber hat etwas anderes überzeugt: das Athletics Team Karben. "Es geht einfach um den Teamspirit", sagt von Eitzen im Gespräch mit dem hr-sport. Der habe schon bei der Gründung 2020 im Vordergrund gestanden. "Das hat sich cool angehört, und da wollte ich unbedingt mitlaufen." Das macht er inzwischen – und geht am Sonntag auch für das Team bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig an den Start.

Der Puls steigt

Bei den Finals läuft er die 800 Meter - und hat sich dafür viel vorgenommen. "Mein persönliches Ziel ist es, auf jeden Fall unter die Medaillen zu kommen. Natürlich will jeder Deutscher Meister werden", so von Eitzen.

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Die Finals live

ARD und ZDF berichten seit Donnerstag 25 Stunden live. Es geht um 140 Deutsche Meistertitel in 18 Sportarten. Eine Übersicht über alle Entscheidungen liefert sportschau.de.

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Den Endlauf hat er, wie alle gemeldeten Läufer, schon einmal sicher. Denn wegen der Corona-Pandemie wurden die Vorläufe abgesagt. "Dass es ein direktes Finale ist, das macht es auf jeden Fall noch einmal spannender", sagt der 24-Jährige. "Da sind vier oder fünf Leute, die da dieses Jahr gut mitlaufen können. Deshalb bin ich sehr aufgeregt."

Folgen der Corona-Erkrankung

Bei den Finals tritt von Eitzen aber nicht nur mit dem Ziel Podest an: "Es sollte auf jeden Fall viel Spaß machen." Der Grund: Hinter dem Läufer liegt ein hartes Jahr. "Über Weihnachten hatte ich Corona", erzählte er. In den ersten Tagen schlief er, mal 20, mal 22 Stunden am Tag, verlor fast vier Kilo Gewicht. Die Folgen spürt er noch heute. Am schlimmsten war es in den zwei Monaten nach dem ersten positiven Test.

Es ist besser geworden, und doch: "Ich spüre immer noch den Schleim auf der Lunge, gerade nach einer intensiven Trainingseinheit oder einem Wettkampf. Aber ich kann normal und gut trainieren." Für von Eitzen ist das wichtig, er bracuht die Belastbarkeit. Denn er ist nicht nur Sportler. Er arbeitet 60, manchmal 70 Stunden pro Woche. Seit vergangenem Jahr wieder in Vollzeit.

Vollzeit arbeiten, Vollzeit trainieren

"Das tut mir gut." Es sei vergleichbar mit der Zeit in der Schule. Schon damals hätte er den Sport als Ventil genutzt, sich so zu Höchstleistungen gepusht. "Da kann ich den Kopf frei kriegen. Und das hat mir in den vergangenen Jahren gefehlt." Denn eine Reduzierung seiner Arbeitszeit hätte sich negativ auf seine sportlichen Leistungen ausgewirkt.

In London, wo er lebt und arbeitet, bekommt er die zwei Leben inzwischen gut unter einen Hut – ist Sportler und berufstätig. Dass er seine Kollegen in Karben wegen der Pandemie nicht besuchen konnte und etwa geplante Teamevents ausfallen mussten, schmerzt dann aber doch ein wenig. Aber: "Wir haben mehrmals die Woche telefoniert." Schon vorher sei er mit vielen befreundet gewesen, und das habe sich auch im vergangenen Jahr nicht geändert. "Es ist ein Team der Freundschaft."

Training mit Skylineblick

Dass dieses Team ausgerechnet in Karben zu Hause ist, ist für von Eitzen ist kein Widerspruch zum Leben in der Metropole London. "Wenn man in Karben in den Feldern läuft und sich dann umdreht, dann hat man einen tollen Blick auf Frankfurt. Das ist toll", sagt er. Training mit Skyline-Blick sozusagen. "Und ich war überrascht, wie viele Berge es in Hessen gibt."

Der nächste Besuch beim Team in Karben hält vielleicht noch mehr Überraschungen bereit. Am Sonntag geht es erst einmal nach Braunschweig, und bei den Deutschen Meisterschaften hat der 24-Jährige vermutlich ohnehin keine Zeit, den Ausblick zu genießen.