Ein Spieler der Löwen Frankfurt

Das Eis taut ab, doch die Löwen Frankfurt bereiten sich auf die kommende Zweitliga-Saison vor. Die Corona-Krise soll nach Möglichkeit keinen Strich durch den eigenen Drei-Jahres-Plan machen – und erst recht nicht durch den Traum vom DEL-Aufstieg.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Löwen-Sportdirektor Fritzmeier : "Sport rückt in den Hintergrund"

Franz-David Fritzmeier
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Zum Einstand hat der Neue gleich mal eine Wortwahl fürs Frankfurter Fan-Herz getroffen. "Für mich ist es eine sehr reizvolle Aufgabe, kommende Saison um den Aufstieg als ein realistisches Ziel mitspielen zu können", sagte Alexej Dmitriev bei der Bekanntgabe seines Wechsels zu den Löwen Frankfurt in dieser Woche. "Und wenn man das noch gleichzeitig bei einem traditionsreichen Club tun kann – umso besser."

Alexej Dmitriev, das ist alles andere als ein Allerweltsname im deutschen Eishockey. 521 Erstliga-Spiele für die Iserlohn Roosters, die Kölner Haie, die Eisbären Berlin und die Düsseldorfer EG sind ein ordentliches Pfund an Erfahrung, das der 34 Jahre alte Angreifer künftig in die DEL2 einbringen will. Sein Wechsel vom Iserlohner Seilersee ans Frankfurter Mainufer, mit Blick auf die Ambitionen der Löwen wirkt er wie ein nicht unwichtiges Teil in diesem Puzzle namens Aufstieg.

Löwen Frankfurt peilen DEL-Aufstieg an

Ab der kommenden Saison, so die Theorie jenseits der durch die Corona-Krise erschwerten Praxis, soll es zwischen DEL und DEL2 wieder einen sportlichen Auf- und Abstieg geben. Seitdem dieser Beschluss im Sommer 2018 gefasst wurde, verfolgen die Frankfurter einen Drei-Jahres-Plan. Mit Erfolg: Vizemeister 2019, Hauptrundenmeister 2020 – dann wurde die Saison abgebrochen. Für 2021 peilen die Hessen nach rund zehnjähriger Abwesenheit die Rückkehr ins Oberhaus an.

Nach der Verpflichtung von DEL-Routinier Dmitriev haben die Löwen bereits mehr als 80 Prozent ihres Kaders für die anstehende Spielzeit beisammen. Ein Umstand, der die Arbeit von Sportdirektor Franz-David Fritzmeier deutlich erleichtert. Im Gepräch mit dem hr-sport betont er aber auch: "Bei dem, was sich in der Welt abspielt, rückt der Sport in den Hintergrund. Die Gedanken gehen zu den Menschen, denen es wirklich schlecht geht. Die Hoffnung ist, dass die Krise schnell überwunden wird – denn dann können wir auch wieder Eishockey spielen."

Olli Salo neuer Headcoach

Frankfurt wird das, sofern der Spielbetrieb im September wie geplant aufgenommen werden kann, mit einem neuen Cheftrainer tun: Olli Salo folgt auf den nach Finnland zurückkehrenden Matti Tiilikainen. Negative Auswirkungen auf das Erfolgsrezept des Drei-Jahres-Plans – Tiilikainen stand immerhin zwei Jahre an der Bande der Löwen – soll der Wechsel laut Sportdirektor Fritzmeier aber nicht haben.

"Bei uns kommt nicht irgendein Trainer rein und verändert alles", sagt er. "Entscheidend ist, dass unser Konzept beibehalten wird und der Trainer in unserem Konzept arbeitet." Teil dieses Konzeptes ist unter anderem, dass die Coaches in Frankfurt immer in einem Gespann arbeiten. Auch wenn Tiilikainen geht: Mit Salos jüngerem Bruder Valtteri, Marko Raita und David Dubiel bleibt der Stab der Löwen größtenteils erhalten.

Finanzielle Herausforderungen durch Corona-Krise

Sportliche Planungen sind im Eishockey des Frühjahrs 2020 das eine, der Umgang mit finanziellen Herausforderungen infolge der Corona-Krise das andere. "Der Club hat in den vergangenen Jahren sehr gut gearbeitet", versichert Fritzmeier. Er sagt aber auch: "Wir haben nicht den einen großen Mäzen wie Clubs in der DEL. Ich wünsche unseren Sponsoren, dass es allen gut geht." Das Thema Geld, auch in der Geschichte des Eishockeys am Frankfurter Ratsweg hat es tiefe Einschnitte hinterlassen. Den Frankfurt Lions, Deutscher Meister 2004 und Vorgängerclub der Löwen, war 2010 wegen einer Insolvenz die Lizenz entzogen worden.

Mindestens genauso problematisch wie für Eishockeyvereine ist die Corona-Lage allerdings auch für Profis, die mit diesem Sport ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Familien ernähren. "Wer derzeit keinen Vertrag hat, für den ist es sicher schwierig", sagt Fritzmeier. "Wir hatten uns relativ zeitnah entschieden, viele Spieler im Kader zu halten."

Fritzmeier: "Demut ist angesagt"

Mit "Wettbietereien" auf verfügbare Spieler, so der Sportdirektor, dürfe man jetzt ohnehin nicht anfangen. "Man hat dem Club gegenüber eine Verantwortung. Wir befinden uns in einer Zeit, in der Demut angesagt ist." Zumindest solange, bis die Krise überwunden ist. Dann wird auch in Frankfurt wieder Eishockey gespielt – und von der DEL geträumt.