Imago Maryse Luzolo

Ein falsch programmiertes Trainingsgerät zerstörte vor zweieinhalb Jahren das Knie von Maryse Luzolo. Jetzt ist die Frankfurterin zurück und startet zum ersten Mal wieder bei Deutschen Meisterschaften.

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hs
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Wenn Maryse Luzolo Wettkämpfe bestreitet, dann wandert die Brille mit dem runden Drahtgestell ins Etui und sie setzt sich grüne Kontaktlinsen ein. "Ich habe mir das einfach so angewöhnt. Ich fand es irgendwie cool", sagt die Sportlerin lachend. Es ist ein kleines Glücksritual geworden – und eines, worauf sie lange Zeit verzichten musste. Zwei Jahre, um genau zu sein.

Dabei lief es vor zwei Jahren für Luzolo, die von Natur aus braune Augen hat, richtig gut. Die damals 23-Jährige war auf dem Weg nach ganz oben. Im Sommer 2017 lag ihre Bestweite bei 6,61 Metern, damit gehörte sie zur deutschen Spitze. Bereits im März desselben Jahres hatte sie bei den Hallen-Europameisterschaften in Budapest ihren ersten Einsatz bei den Erwachsenen im Nationaltrikot. Dann kam aber der 21. Juni, der die aufstrebende Karriere der Frankfurterin vorerst jäh unterbrach.

"Ich hatte gehofft, dass es nicht so schlimm sei"

Es war eine ganz normale Krafteinheit am Olympiastützpunkt in Frankfurt. Luzolo trainierte am "IsoMed 2000" – einem Stuhl aus der Sportmedizin, auf dem der Sportler fixiert wird, um dann gegen einen automatischen Widerstand verschiedene Übungen auszuführen. Doch an diesem Tag lief etwas schief. Das Gerät überstreckte das Knie der Sportlerin, die laut aufschrie.

"Das Kreuzband vorne und hinten war gerissen, das Außenband war gerissen, die Popliteussehne war gerissen, die Femorissehne war gerissen, ich hatte eine Kapselsprengung und der Knorpel hat auch noch was abbekommen", zählt die Athletin vom Königsteiner LV auf. "Es war mir schon gleich bewusst, dass einiges kaputt ist, aber beim Arzt habe ich dann doch gehofft, dass er sagt, es sei nicht so schlimm. Ich war echt niedergeschlagen nach der Diagnose."

Trainer: "Ihre Chancen gingen gegen null"

Auch für ihren Trainer Jürgen Sammert war dieser Tag ein Schock. Seit zwei Jahren war Luzolo zu der Zeit in Sammerts Gruppe. Eine Gruppe, der damals auch Vize-Weltmeisterin Carolin Schäfer angehörte. Er förderte Luzolos Talent, sah sie als potentielle Sieben-Meter-Springerin. "Ich war im Nachbarraum, als der Unfall passierte", erzählt er. "Ich habe die Verletzung direkt danach gesehen und muss sagen, dass ich damals dachte, die Chancen für Maryse jemals wieder springen zu können, gehen gegen null."

Die Frankfurterin wurde sofort operiert und saß zehn Wochen im Rollstuhl. Schritt für Schritt musste sie danach das Laufen neu erlernen und steckte all ihren Ehrgeiz in das Reha-Programm. "Ich hatte nie den Gedanken aufzuhören", sagt sie. "Das war für mich absolut klar, dass ich das schaffen kann. Ich hatte auch ein sehr gutes Umfeld, tolle Physios, gute Ärzte, meine Familie und Freunde, die super gut geholfen haben."

Mit Ehrgeiz und Optimismus das Wunder geschafft

Maryses Ehrgeiz zahlte sich bereits vergangenen Sommer aus, als sie nach genau zwei Jahren ihren ersten Weitsprungwettkampf machen kann. "Das war wirklich ein kleines Wunder", strahlt die Biologie-Studentin. So wie früher wird sie zwar nie wieder sprinten können – das linke Knie wird für immer unbeweglicher als das rechte bleiben – doch Luzolo glaubt weiterhin fest an eine Weitsprungkarriere. Die soll am Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Leipzig am besten mit einer Medaille fortgesetzt werden. "Es sind meine ersten Deutschen Meisterschaften nach zweieinhalb Jahren. Ich bin ziemlich aufgeregt", gibt sie zu.

Endlich kann sie wieder die Brille gegen die grünen Kontaktlinsen eintauschen. Durch die würde sie auch nur allzu gern das Olympiastadion in Tokyo im Juli sehen. "Ich werde versuchen meine Chance zu nutzen. Natürlich fehlen mir zwei Jahre durch die Reha. Aber wer weiß, vielleicht klappt es ja." Es wäre ein weiteres Wunder für Maryse Luzolo.