Masahiro Yanagida von den United Volleys

In Deutschland kennen ihn nur Volleyball-Insider, in Japan ist er ein Mega-Star: Masahiro Yanagida. Es sind vor allem Frauen, die auf den Außenangreifer der United Volleys Frankfurt abfahren und auch vor weiten Reisen nicht zurückschrecken.

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Die Szenerie wirkt irgendwie absurd. Es ist Abend, in der Wintersporthalle im Frankfurter Stadtwald sind die Lichter längst angeknipst, nach und nach schlendern die Spieler der United Volleys von ihrer Kabine auf das Parkett. Das Netz ist gespannt, Bälle liegen bereit. Eigentlich alles wie immer. Eine ganz normale Trainingseinheit. Doch wer den Blick nach oben wagt, auf die Empore der kleinen Halle, der wirkt leicht irritiert: 100 Japanerinnen stehen da, brav nebeneinander aufgereiht, Handys und Kameras in der Hand. Mucksmäuschenstill.

Dazu muss man wissen: Normalerweise schaut beim Training des Frankfurter Bundesligisten maximal der Hausmeister zu. So ist das eben im Volleyball in Deutschland. Die Resonanz hält sich in Grenzen. Doch an diesem Abend sind 100 Japanerinnen extra aus Asien eingeflogen, haben für den Trip 2.500 Euro bezahlt, um die United Volleys zu sehen. Genauer gesagt: Masahiro Yanagida.

Über 400.000 Fans bei Social Media

Der Außenangreifer, seit Sommer im Verein, ist in Japan ein Mega-Star. Dort hat Volleyball einen deutlich höheren Stellenwert als hierzulande, Yanagida ist zudem der Kapitän der Nationalmannschaft, die in diesem Jahr bei den Olympischen Spielen zu Hause in Tokio den Japanern den Goldtraum erfüllen soll. So etwas spült einen in die Öffentlichkeit.

In Frankfurt vergleichen sie Yanagida deshalb gerne mit David Beckham, vor allem, weil er eine ungemeine Anziehungskraft auf Frauen ausübt. Dem 27-Jährigen fliegen in seinem Heimatland gleichermaßen die Herzen und die Likes zu: Über 400.000 Fans folgen ihm auf Instagram und Twitter. Um Yanagida herrscht ein Riesenhype, er ist begehrt wie in Deutschland der Bachelor, er ist eine Werbe-Ikone, die sich gut vermarkten lässt.

"Ich hoffe, ich kann die Liebe erwidern"

Wenn man ihn danach fragt, lächelt er japanisch bescheiden. Er sei froh, dass so viele Fans hier seien, sagt Yanagida dann. "Ich hoffe, ich kann die Liebe, die mir zufliegt, auch erwidern." In Japan werden die Spitzensportler meist von den Fans abgeschirmt, in Frankfurt ist Nähe möglich. Nach dem 3:0-Heimsieg am Samstag im Ligaspiel gegen Eltmann wurde Yanagida umzingelt, gut und gerne 700 Japaner hatten den Weg in die Halle gefunden – das war die Hälfte aller Zuschauer.

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Schwierige Saison für die Volleys

Die United Volleys Frankfurt spielen bislang eine durchwachsene Bundesliga-Saison und stehen in der Tabelle auf dem fünften Platz. Der würde allerdings sicher zum Einzug in die Playoffs reichen, dort ist das Halbfinale das Ziel des Klubs. Nach einem Auswärtsspiel am Samstag (20 Uhr) beim Tabellenvorletzten in Bühl warten mit Friedrichshafen und Lüneburg zu Hause zwei schwere Aufgaben auf das Team von Trainer Stelio DeRocoo.

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Yanagidas Teamkollegen schmunzeln über die Aufregung rund um ihren Star. "Ich kann das schlecht beurteilen, aber für japanische Verhältnisse sieht er offenbar richtig gut aus", sagt Paul Henning. Die Fanliebe nimmt bisweilen grotestke Züge an. Yanagida bekommt Heiratsanträge, Frauen häkeln Geschenke, malen Manga-Bilder von ihm. Die United Volleys haben zehnmal mehr Yanagida-Trikots verkauft als Shirts von anderen Spielern.

Der statistisch beste Aufschläger im Team

Doch ein Marketing-Gag ist der in Tokio geborene Außenangreifer mitnichten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich Yanagida mittlerweile gut zurechtgefunden im Team der Volleys. Er ist sprunggewaltig und hat statistisch den besten Aufschlag im Team (18 Punkte/0,4 pro Satz). Aus dem Umfeld der Volleys hört man, dass der Klub den zum Saisonende auslaufenden Vertrag mit Yanagida gerne verlängern würde. Der nächste Fan-Ansturm aus Fernost wäre sicher.