Derek Dinger

Nordhesse und Deutscher Meister, dazu Doku-Star und Publikumsliebling: Eishockey-Spieler Derek Dinger von den Kassel Huskies beendet seine Profi-Karriere. Sportlich hätte der Abschluss schöner sein können, doch die neue Aufgabe setzt viel Energie frei.

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Ein Kassel-Spieler und ein Frankfurt-Spieler kämpfen um den Puck. Caption: "Es kann nur einen geben"
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Nein, angemessen war der letzte sportliche Akt nicht. Mit weit aufgerissenen Augen stand Derek Dinger in der Kasseler Eissporthalle, die Arme auf dem Schläger abgestützt, den Blick in die andere Hälfte des Spielfeldes gerichtet.

Dort war es mit den Bietigheim Steelers aus nordhessischer Sicht eindeutig der falsche Verein, der an jenem 22. Mai über Zweitliga-Meisterschaft und DEL-Aufstieg jubelte. Kassels Kapitän Denis Shevyrin versuchte, Dinger mit einer Umarmung zu trösten – doch dieser Trost schien innerhalb von nur einer Millisekunde zu verpuffen.

44 Tage sind vergangen, seitdem die Huskies das entscheidende Finalspiel der DEL2-Playoffs gegen die Steelers verloren haben. 44 Tage, die vermutlich noch nicht ausgereicht haben, um diese Niederlage und das Verpassen des Saisonziels zu verarbeiten. "Unsere Mission DEL ist gescheitert", schrieb Dinger zwischenzeitlich auf Instagram. "Und die Frage nach dem 'Was wäre gewesen, wenn...?' wummert in meinem Kopf. Es wird noch dauern, bis die Enttäuschung verdaut ist."

Dinger: "17 Jahre meinen Traum gelebt"

44 Tage später ist nun klar: Dieses 2:5 gegen die Steelers war das letzte Eishockey-Spiel in der aktiven Profi-Karriere des torgefährlichen Verteidigers. Im Alter von 34 Jahren beendet Dinger seine erfolgreiche Laufbahn. "Ich hätte nie gedacht, dass dieser Tag mal kommen würde, aber alles hat einen Anfang und ein Ende", schrieb er am Montag.

"Ich habe die letzten 17 Jahre meinen Traum gelebt. Heute ist der Tag, an dem ich meine aktive Laufbahn beende. Mir fällt es schwer, in Worte zu fassen, wie viel mir diese Zeit bedeutet hat."

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Kassel Huskies gegen Bietigheim
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Dinger wurde 1987 in Kassel geboren, bereits wenige Jahre später stand er in der Nachwuchsabteilung der Huskies – der Eishockey Jugend Kassel – erstmals mit Schlittschuhen auf dem Eis. Als Jugendlicher wechselte er nach Berlin, ließ sich in der Talentschmiede der Eisbären zum Profi ausbilden. Spätestens 2010 nahm die Karriere des Abwehrspielers richtig an Fahrt auf.

2014 wird Dinger Deutscher Meister

Nach einem Jahr DEL mit den Huskies, das mit einem Lizenzentzug und dem Absturz des Kasseler Eishockeys in die Hessenliga endete, blieb Dinger in der ersten Liga. Über Düsseldorf landete er schließlich beim ERC Ingolstadt, wo er 2014 den größten Erfolg seiner Karriere feierte: den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Nach weiteren Stationen in Schwenningen und Augsburg sowie 500 Erstliga-Spielen kehrte Dinger 2018 ein weiteres Mal zu den Huskies zurück. Der große Wunsch, Kassel drei Jahre später zurück in die DEL zu führen, blieb unerfüllt. Für Dinger persönlich war es sportlich dennoch eine beachtliche Saison: Acht Tore und 14 Vorlagen in insgesamt 53 Spielen lassen erahnen, wie er sich im Laufe der Jahre unter anderem den Spitznamen "Derek Danger" erarbeitet hat. Wohlgemerkt: als Verteidiger.

In seiner letzten Spielzeit wuchs Dinger zudem in die Rolle eines Serien-Protagonisten: In der hr-Eishockey-Doku "Es kann nur einen geben!" steht er in vier Folgen stellvertretend für die lange Tradition der Kassel Huskies, er lässt Fans an der Euphorie rund um diesen besonderen Standort sowie an den Herausforderungen einer von Corona geprägten Saison teilhaben. Dass Dinger seinem Heimatclub auch nach der aktiven Zeit erhalten bleibt, scheint nur folgerichtig.

Von der Kabine ins Büro

Ab sofort ist er fester Bestandteil des Marketing-Teams der Nordhessen. Dinger wird den Markenauftritt sowie die Pressearbeit des Vereins betreuen. "Dass ich jetzt für den Club tätig sein kann, für den mein Herz schlägt, spornt mich zusätzlich an", sagte Dinger, der vor kurzem ein Duales Studium im Bereich Sportbusiness Management begonnen hatte.

Die Vision, eines Tages mit den Huskies in die DEL zurückzukehren, dürfte der Kasseläner auch abseits der Eisfläche sicherlich nicht aus den Augen verlieren. Ein Aufstieg wäre seinem Lebenslauf definitiv angemessener, als es die Finalniederlage gegen Bietigheim vom 22. Mai jemals sein kann.